Buch über Johannes Dürr: Autor hakt Affäre ab. Martin Prinz begleitete Dopingsünder Johannes Dürr bei dessen Comeback mit einem gemeinsamen Buchprojekt. Doch der Skilangläufer hinterging ihn.

Von Astrid Krizanic-Fallmann. Erstellt am 30. Juli 2020 (04:04)
Derzeit schreibt Martin Prinz wieder an einem neuen Roman.
Y. P.

„Solange man sich auf die Welt und die Menschen einlassen will, gibt es keine Vorsicht, die einen vor jenen Betrügern schützt, die ihren Betrug derart leben, dass sie in allzu vielen Augenblicken selbst daran nicht zweifeln“, zieht Martin Prinz persönliches Resümee.

Abgeschlossen hat der aus Lilienfeld stammende Schriftsteller mit den turbulenten Geschehnissen rund um Johannes Dürr. Den wegen Gebrauchs einer verbotenen Substanz von Olympia 2014 ausgeschlossenen Langläufer begleitete der Autor im Zuge eines jahrelangen literarischen Projekts auf der Rückkehr in den Spitzensport. Kurz nachdem ihr gemeinsames Buch „Der Weg zurück“ 2019 erschienen war, überschlugen sich die Ereignisse. Die durch Interviews von Johannes Dürr ausgelöste „Operation Aderlass“ überführte diesen des erneuten Dopings. Als „desaströs“, „erschreckend“ und „unsere gesamte Zusammenarbeit unterhöhlend“, bezeichnet Martin Prinz den unerwarteten Vertrauensbruch.

Die Beteiligung als Nebenkläger am Prozess und umfangreiche Recherchen zu den verwickelten Umständen der Causa, welche in renommierten deutschen Zeitungen veröffentlicht wurden, trugen für ihn zur „notwendigen Aufarbeitung“ bei. „Für mich war das entscheidend, um nach dem Betrug, der auch ein einschneidender an mir war, überhaupt weiter arbeiten zu können“, betont Martin Prinz.

Jetzt kann er wieder nach vorne schauen. „Als Autor hat man in Wahrheit keine Karriere, man hat nur seine Arbeit. Die ist das einzig Wirkliche, und dieser Wirklichkeit kann man sich nur ausliefern, wenn man mit Haut und Haar Autor ist“, meint Martin Prinz. „Glückt einem etwas, sagt sich so etwas leicht. Wenn man dabei aber an den Nullpunkt kommt, spürt man es erst wirklich.“

„Der Räuber“ wird in den USA verfilmt

Manche in der Literaturszene hätten im Vorhinein geunkt, dass man sich als Schriftsteller nicht mit Themen wie dem Sport einlassen dürfe. „Ich kann mit solchen Abgrenzungen wenig anfangen. Hätte ich sie je beachtet, hätte ich keines meiner Bücher geschrieben, und am allerwenigsten den ,Räuber‘, dessen Geschichte gerade in den USA zu einem großen Film-Remake gemacht wird“, merkt Martin Prinz an.

Nach dem Roman „Die unsichtbaren Seiten“, in dem er unverblümt sein Aufwachsen in Lilienfeld beschreibt, ist der Schriftsteller nun mit einem neuen eigenen Werk beschäftigt. Die Affäre wird darin aber nicht aufgegriffen, erwähnt Martin Prinz. Dafür sei die Zeit noch nicht reif.