Covid-19-Genesener berichtet über "Kampf mit dem Virus". Nierenversagen, Intensivstation und HIV-ähnliche Therapie: Lilienfelder erzählt, wie sein Körper Corona bekämpfte.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 01. April 2020 (04:11)
Franz Spilka ist nach der Covid-19-Erkrankung wieder genesen.
Spilka

Am Handy der NÖN-Reporterin meldet sich eine freundliche, fröhliche Stimme: „Ich habe gehört, ihr braucht ein paar Sager eines Covid-19-Genesenen?“ „Ja, bitte doch. Sehr gerne“, so die Antwort der Journalistin. Was hat wohl jener Lilienfelder zu erzählen, der als erster Bürger des Bezirkes Lilienfeld aufgrund von Covid-19 ins Spital musste und um den viele, vor allem auch seine Kameraden der Betriebsfeuerwehr Neuman-Marktl, große Sorge trugen?

Feuerwehrreservist Franz Spilka ist jetzt wieder daheim in Marktl. Genesen. Der 66-Jährige, vielen auch als Obmann des Marktler Dorferneuerungsvereins bekannt, hat am Telefon eine kräftige Stimme, die nicht auf eine soeben überwundene, schwere Erkrankung hindeuten ließe.

„Man darf dieses Virus nicht unterschätzen. Ich hatte das Glück, dass ich sportlich bin und eine gute Grundkonstitution habe.“ Franz Spilka, Covid-19- Genesener, Lilienfeld

Doch vor einigen Tagen sah die Welt für den ehemaligen Sicherheitsexperten der Firma Neuman ganz anders aus. Akutes Nierenversagen, Aufenthalt auf der Intensivstation. Dabei hatte doch alles ganz harmlos angefangen. Mit einem Skiurlaub in Südtirol.

„Wir waren mit einer Reisegruppe mit dem Bus eine Woche im Fassatal, es waren auch einige andere aus dem Bezirk Lilienfeld mit dabei“, erinnert er sich. Wunderbare Tage auf der Piste wurden gemeinsam genossen. Alle glaubten, sie seien gesund. Die meisten auch noch nach der Rückkehr. Doch das änderte sich für einige. „Auf einmal erhielten wir einen behördlichen Bescheid, dass eine mitgereiste Oberösterreicherin an Covid-19 erkrankt sei“, erzählt Spilka.

Er selbst fühlte sich zu diesem Zeitpunkt noch gut. „Dann wurde an mir zu Hause der Coronatest vorgenommen. Das ist ein Abstrich in der Nasen- und auch Mundhöhle“, schildert er. Doch bevor er das Ergebnis hatte, stellten sich erste Krankheitsanzeichen ein. „Ich war extrem matt und abgeschlagen, bekam Halsweh“, erinnert er sich. Sofort suchte er das Universitätsklinikum St. Pölten auf, von wo er nach wenigen Stunden ins Kaiser-Franz-Josef-Spital nach Wien überstellt wurde und dann dort 14 Tage verbleiben musste.

„Ich fühlte mich im Krankenhaus bestens betreut, doch es sah aus, wie wenn lauter Aliens um mich wären“, schmunzelt er, weist aber zugleich auf die strengsten Sicherheitsvorkehrungen im Spital mit Gesichtsmasken des medizinischen Personals hin. Fieber, Brennen in der Lunge oder Durchfall – Symptome, die Covid-19 mit sich bringen kann, hatte Spilka nie.

„Spontan bekam ich aber ein akutes Nierenversagen und musste auf die Intensivstation“, erzählt er über die schlimmste Zeit seiner Corona-Erkrankung. Im Krankenhaus wurde er mit einer HIV-ähnlichen Therapie behandelt. „Vier Tabletten musste ich am Tag schlucken. Ich bekam Infusionen und wurde immer wieder beatmet“, lässt er die Eindrücke Revue passieren.

„Ich fühlte mich im Krankenhaus bestens betreut, doch es sah aus, wie wenn lauter Aliens um mich wären“

Zum Zeitpunkt des NÖN-Telefonats war er noch in häuslicher Quarantäne mit seiner Gattin Helga. Auch sie war positiv getestet worden. Es geht ihr aber gut. „Sie putzt die ganze Zeit, sodass ich schon ein schlechtes Gewissen bekomme“, lacht er. Er selbst fühlt sich noch ein wenig erschöpft und verbringt die Zeit mit Fernsehen und Lesen. Versorgt werden die beiden von ihren Kindern mit Einkäufen über den Gartenzaun. Die Unterhaltung mit diesen als auch den Enkerln erfolgt via Skype.

Jetzt hoffen die Spilkas, die behördliche Genehmigung zu bekommen, um wieder (gesund natürlich) ins Freie zu dürfen. „Man darf dieses Virus nicht unterschätzen. Ich hatte das Glück, dass ich sportlich bin und eine gute Grundkonstitution habe“, resümiert Spilka, appelliert aber an die Bürger: „Bitte haltet die behördlich angeordneten Maßnahmen ein. Diese machen wirklich Sinn!“