Lilienfeld

Erstellt am 30. August 2018, 04:52

von Markus Zauner und Gila Wohlmann

Krach um neue Flüchtlinge. 30 Asylwerber, die permanenter medikamentöser Behandlung bedürfen, werden neu in der Flüchtlingsunterkunft betreut. Labenbacher (VP) will bei Waldhäusl (FP) protestieren.

Die Unterkunft ,,Lolita“ in der Bezirkshauptstadt Lilienfeld beherbergt mit 53 Personen die zweitmeisten Asylwerber im Bezirk Lilienfeld. NÖN  |  NOEN, unknown

Seit letzter Woche hat die „Lolita“, das Lilienfelder Flüchtlingsheim, 30 neue Bewohner. „Es handelt sich hierbei um Menschen mit medizinischem Sonderbedarf wie Dialyse oder auch um Rollstuhlfahrer“, heißt es aus dem für Asyl zuständigen Büro von FP-Landesrat Gottfried Waldhäusl.

Das bestätigt Christian Kogler, Geschäftsführer von SLC Asylcare, dem Betreiber der „Lolita“, die im Besitz von Unternehmer Herbert Eder steht: „Diese Menschen brauchen eine permanente medizinische Versorgung verschiedenster Art.“ Dass es sich hierbei neben der Dialyse mitunter auch um Leute mit psychischen Auffälligkeiten handeln könnte, möchte Kogler nicht ausschließen, verweist aber an das Büro Waldhäusl. Jetzt seien jedenfalls nicht mehr Flüchtlinge in Lilienfeld als bisher, betont man seitens der Freiheitlichen. „Wir liegen damit innerhalb der für unseren Bezirk vorgegebenen Quote“, so FP-Generalsekretär Christian Hafenecker.

Per 22. August 101 Asylwerber in Lilienfeld

VP-Bürgermeister Wolfgang Labenbacher ärgert sich: Mit der unangekündigten Zuteilung von 30 Personen in die „Lolita“ gehe es nach der zusammen mit den Parteikollegen Vizeortschef Manuel Aichberger und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erreichten deutlichen Reduktion der Asylwerber wieder in die verkehrte Richtung. „Das kann von der Gemeinde so nicht akzeptiert werden. Ich werde einen Protest beim zuständigen und verantwortlichen Landesrat Waldhäusl einbringen“, kündigt Labenbacher an.

„Das kann von der Gemeinde so nicht akzeptiert werden“, poltert Wolfgang Labenbacher.  |  privat

Die Vorgehensweise, dass Gemeinde und Exekutive über die Zuteilung von 30 Asylwerbern nicht in Kenntnis gesetzt werden, sei nicht hinnehmbar: „Wir können als Gemeinde die unmittelbar betroffenen Anrainer über die neue Situation gar nicht informieren.“ Labenbacher rechnet vor: „Am 5. Juli 2017 waren in Lilienfeld 153 Asylpersonen gemeldet. Am 22. August 2018 waren es 101. Für mich noch immer zu viele. Der empfohlene Prozentsatz ist bei weitem noch nicht erreicht.“

„Jetzt ist immer Sicherheitspersonal anwesend. Bislang gab es nur einen Notknopf.“ Christian Kogler, SLC Asylcare, über das neue „Lolita-Konzept“

Dass die „Lolita“ eine Neubelegung erfährt, liegt an der Sperre des Flüchtlingsquartiers im Helenental — dem Quartierbetreiber wurde der Mietvertrag gekündigt. Bis Ende August müssen rund 100 Flüchtlinge verlegt werden. „Darunter sind hilfsbedürftige, kranke Personen, aber jedenfalls keine schwer gestörten Fälle, wobei im Quartier in Lilienfeld schon immer Sonderbetreuungsfälle untergebracht wurden“, weiß Vizeortschef Aichberger.

Man sei sowohl mit den Flüchtlingsbetreuungsorganisationen als auch mit den Sicherheitsbehörden und der Polizei in bestem Kontakt, versichert er: „Aktuelle Problemfälle oder Gefährdungen sind uns derzeit nicht bekannt.“ Kogler unterstreicht dies auch damit, dass durch die Einführung eines Securitydienstes in der Nacht für mehr Sicherheit als bisher gesorgt sei: „Jetzt ist immer Sicherheitspersonal anwesend. Bislang gab es nur einen Notknopf.“

Der Quartierbetreiber bekommt laut Büro Waldhäusl pro Asylwerber mit Sonderbetreuungsbedarf je Tag übrigens maximal 44 Euro.