Mit Abstand auf den Berg. Ab Mitte Mai gibt‘s auf den Gipfeln im Bezirk Lilienfeld und im Pielachtal wieder Option zur Einkehr. Vereine sind in Vorbereitung.

Von Marlene Groihofer und Gila Wohlmann. Erstellt am 09. Mai 2020 (03:07)
Vor geschlossenen Pforten steht man seit Beginn der Coronakrise am Gipfel des Eisensteins: Ab Mitte Mai hat die Julius-Seitner-Hütte wieder offen.
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Traumhaftes Wanderwetter. Doch die Freude an ausgedehnten Touren ist durch Corona-Einschränkungen bei vielen deutlich getrübt, nicht zuletzt, weil die Hütten noch geschlossen bleiben müssen. Verdursten muss man aber nicht, zumindest bei der Josef-Franz-Hütte in Rabenstein. Hier ist weiter der Getränkebrunnen in Betrieb.

Jürgen Karner, Johann Wieland und Anton Steigenberger beim Getränkebrunnen der Josef-Franz-Hütte in Rabenstein, ein Foto aus Tagen ohne Corona-Abstandsregel.Karner
Erika

„Dafür gab es auch schon Lob und Dank per Mail an die Ortsgruppe“, freut sich Naturfreunde-Landesgeschäftsführer Ernst Dullnigg, selbst Pielachtaler. Doch das war es dann im Moment auch schon mit der „Verpflegung“ durch die alpinen Vereine. Diese sind, genauso wie alle Vereine und die Gastronomie, von den Entschlüssen der Regierung abhängig. Eine stufenweise Öffnung soll ab Mitte Mai stattfinden, eine volle Schutzhütten-Öffnung wird wohl erst ab 1. Juli parallel zur Lockerung des Veranstaltungsverbotes erwartet.

„Nach Möglichkeit werden wir eine Umstellung auf Selbstbedienung, also Abholung der Speisen von der Schank, aber keine Buffets, durchführen“

Welche Auswirkungen dies auf den Hüttenbetrieb hat, erklärt Ernst Dullnigg: „Allenfalls werden Einzel- und Doppelzimmer zur Nutzung für Personen aus einer Hausgemeinschaft angeboten, sicher keine Gemeinschaftsschlafräume wie Matratzenlager.“ Man könnte, überlegt er, die Lager räumlich in Zweier-Kojen abtrennen, um hier mehr Personen unterzubringen. „Diese Möglichkeit haben wir dem Ministerium vorgeschlagen“, so Dullnigg. Fix ist: Nur reservierte Plätze werden vergeben.

„Das widerspricht zwar der alpinistischen Grundeinstellung, wird aber wohl nicht anders zu lösen sein“, bedauert er. Lockerungen bei der Verabreichung von Speisen und Getränken werden denen in der Gastronomie gleichen, also maximal vier Personen pro Tisch oder Personen aus dem gleichen Haushalt; jeder zweite Tisch muss frei bleiben und Maskenpflicht, ausgenommen direkt beim Essen. „Nach Möglichkeit werden wir eine Umstellung auf Selbstbedienung, also Abholung der Speisen von der Schank, aber keine Buffets, durchführen“, erläutert Dullnigg. Aufgrund des Veranstaltungsverbots dürfen bis auf Weiteres auch keine Hüttenfeste stattfinden. „Mund-Nasen-Schutzmasken sollten aber auf den Hütten erhältlich sein. Der Verkauf zum Selbstkostenpreis wäre unser Vorschlag“, empfiehlt er.

„Was versäumt wurde, kann nicht mehr aufgeholt werden. Aber wir hoffen auf Urlaub in Österreich.“ Christian Schreiter, Gebirgsverein

Die Julius-Seitner-Hütte am Eisenstein, das Annaberger Haus am Tirolerkogel, die Lilienfelder Hütte am Muckenkogel und die Hütte am Türnitzer Höger werden vom Gebirgsverein betrieben. Auch hier bereitet man sich derzeit auf die Öffnung des gastronomischen Betriebs Mitte Mai vor, sagt Vereinsmanager Christian Schreiter, der durchaus mit Andrang rechnet: „Ich denke, Urlaub in Österreich wird in diesem Sommer boomen. Was versäumt wurde, kann aber nicht mehr eingeholt werden. Dennoch kann es sich zu einer ordentlichen Saison entwickeln.“

Zusätzlich zur beschränkten Platzzahl auf Tischen könne man auch Alternativen andenken, meint Schreiter, etwa Picknickangebote auf der Wiese. „Es ist eine schwierige Zeit, auch für unsere Pächter. Wir versuchen sie bestmöglich zu unterstützen“, so der Vereinsmanager. Viele der Gebirgsvereins-Hütten fallen ohnehin unter eine Umsatzpacht, bei jenen, wo das nicht gegeben sei, komme man entgegen: „Wir wollen, dass unsere Pächter ordentlich weitermachen können.“

Zwei Mal pro Woche war Josef Schachinger, Betreiber des Annaberger Hauses am Tirolerkogel, auch in den letzten Wochen auf seiner Hütte: „Es gibt immer was zu tun. Nun fangen wir langsam an, die Speisekarte neu zu machen. Die Wegereferenten erneuern die Beschilderung. Damit wir vernünftig starten können.“ Die Einbußen der letzten Wochen seien gewaltig gewesen. Die Wanderlust aber sieht Josef Schachinger als ungebremst: „Ich bin positiv eingestellt, dass der Betrieb halbwegs brav anlaufen wird.“

Thomas Krösbacher von der Julius-Seitner-Hütte am Eisenstein rechnet ebenso mit einem Andrang. Auch während der Ausgangsbeschränkungen habe es trotz geschlossener Hütte viele Wanderer auf den Gipfel gezogen, weiß er. Am Eisenstein wären heuer eigentlich große Sanierungsarbeiten angestanden: „Nun steht nicht fest, in welchem Maß sie umgesetzt werden können.“ Und: „Auch das Winterbier ist inzwischen abgelaufen.“