Polizist schlief im Nachtdienst ein. Um vier Uhr früh ging bei Polizei Notruf ein. Streife zur Nachschau schickte Beamter aber nicht. Nun sitzt er vor Gericht.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 08. Dezember 2018 (05:06)
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„An meine Tür hat ein Fremder heftig geklopft, er ist nicht mehr weggegangen, ist auf der Stufe sitzen geblieben. Ich hatte Angst und habe die Polizei gerufen“, erzählt eine 59-Jährige vor Gericht. Ihren Notruf nahm ein Polizist in Lilienfeld heuer am 6. August um vier Uhr früh entgegen, eine Streife zur Nachschau schickte er der Anruferin aber nicht.

Missbrauch der Amtsgewalt wird dem Exekutivbeamten nun vor Gericht vorgeworfen. Auch die Dokumentation des Anrufs soll er laut Staatsanwaltschaft unterlassen und Kollegen zum Amtsmissbrauch angestiftet haben. Er soll sie aufgefordert haben, eine Nachschau bei der Anruferin wahrheitswidrig zu protokollieren.

Zu den Vorwürfen ist der Exekutivbeamte im Prozess am Landesgericht nicht geständig.

„Ich wollte eine Streife hinschicken, bin aber eingeschlafen. In der Früh haben mich die Kollegen dann aufgeweckt“, sagt er. Weiters: „Ich hatte damals viele 24-Stunden-Dienste, war übermüdet, ich bin nicht mehr der Jüngste. Aus dem Vorfall ziehe ich die Lehre: Wenn’s einem nicht gut geht, sollte man in den Krankenstand gehen.“

Der Verteidiger des Angeklagten meint: „Im Schlaf kann man keinen Amtsmissbrauch begehen.“ Und zum Vorwurf der Anstiftung sagt er: „Das war ein Missverständnis.“ Der Richter vertagt. Bevor er ein Urteil fällt, möchte er noch Zeugen befragen.