Schwere Schläge bei Disput ums Grillen. 24-Jähriger gibt schwere Körperverletzung vor Gericht zu. Staatsanwältin will Schweregrad der Verletzung abklären lassen.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 10. Mai 2019 (03:09)
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Symbolbild

„Mein Bruder lag am Boden, er war bewusstlos, seine Augen waren verdreht. Ich habe die Rettung gerufen“, erzählt eine Zeugin in einem Prozess gegen einen 24-Jährigen aus Lilienfeld. Im Streit verpasste dieser einem 22-Jährigen Faustschläge, schwere Körperverletzung wird ihm nun in einem Prozess am Landesgericht in St. Pölten vorgeworfen.

Zur Anschuldigung ist der 24-Jährige geständig. „Ich habe ihn zwei Mal mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Ich habe mich dann bei seiner Mutter entschuldigt. Ich kenne die Familie schon lange“, sagt der Angeklagte. Warum er nach dem Vorfall geflüchtet ist? „Ich hatte große Angst.“ „Vor den Konsequenzen, nehme ich an, Sie haben ja drei einschlägige Vorstrafen und immer waren bei Auseinandersetzungen Faustschläge im Spiel“, weiß die Richterin.

„Ich habe jetzt drei Titanplatten unterm Auge. Die Sehstärke ist beeinträchtigt.“ Das Opfer im Prozess über die Folgen der Attacke

Das Opfer könne sich an den Vorfall nicht genau erinnern. „Ich weiß nur, dass ich im Krankenhaus aufgewacht bin“, sagt der 22-Jährige. Weswegen gestritten wurde, kann der Mann erklären: „Es ging ums Grillen.“

Ob er heute noch Beschwerden hat? „Ich habe jetzt drei Titanplatten unterm Auge. Lange habe ich alles doppelt gesehen und das Auge hat gezuckt. Die Sehstärke ist beeinträchtigt.“ Schmerzensgeld verlange er keines. „Der Angeklagte ist ein guter Freund von mir, meine Familie hat ihm vergeben.“ Und er sagt weiters: „Zur Kontrolle beim Arzt gehe ich erst nach dem Prozess.“

„Das werden Sie noch vor Prozessende machen“, meint darob die Staatsanwältin und beantragt die Einholung eines medizinischen Gutachtens, „zur Feststellung des Schweregrades der Verletzung“. „Es ist abzuklären, ob schwere Dauerfolgen zu erwarten sind. Denn dann ist nicht ein Einzelrichter, sondern ein Schöffensenat zuständig“, so die Anklägerin.

Die Richterin gibt dem Antrag statt. Der Prozess wird zur Einholung einer Expertise auf unbestimmte Zeit vertagt.