Streit im Suff eskalierte: Mit Wasserwaage geprügelt. Bei Disput zwischen zwei Männern schlug einer mit Wasserwaage zu. Brille demolierte der andere.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 27. September 2017 (05:59)
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Symbolbild

Turbulent ging es zu, heuer im April in einer Imbissbude in Lilienfeld. Zuerst gerieten alkoholisierte Gäste im Lokal aneinander, vor dem Lokal setzten sich Handgreiflichkeiten fort.

Zwei Lilienfelder (43 und 50 Jahre alt) sitzen nun vor Richterin Alexandra Glösl im Prozess am Landesgericht St. Pölten und müssen wegen gefährlicher Drohung, Sachbeschädigung und Körperverletzung Rede und Antwort stehen.

Die Brille des Mitangeklagten soll der 40-Jährige im Lokal demoliert und draußen massiv mit dem Umbringen gedroht haben. Der 50-Jährige wiederum griff, um sich zur Wehr zu setzen, sagt er, zu einer Wasserwaage aus dem Kofferraum seines Autos und ging damit auf den 43-Jährigen los. Wild eingeschlagen haben auf den Kontrahenten will er aber nicht.

„Wenn ein Betrunkener herumgrölt, dann wird man das als Unmutsäußerung qualifizieren.“ Der Lilienfelder Rechtsanwalt Peter Eigenthaler im Prozess

Um Milde bittet Verteidiger Peter Eigenthaler für seinen Mandanten, den 43-Jährigen. „Er hat fünf bis sechs Bier konsumiert, war stark betrunken. Zeugen haben bei der polizeilichen Einvernahme gesagt, dass sie eine Drohung nicht ernst genommen haben. Wenn ein Betrunkener herumgrölt, im Zuge eines Rausches, wird man das als Unmutsäußerung qualifizieren, und dass er eine Viertelstunde lang gedroht haben soll, scheint mir gar nicht nachvollziehbar“, so der Rechtsanwalt. Das letzte Wort seines Mandanten: „Ich ersuche bitte um Milde.“

Schuld- und tatangemessene Bestrafung für beide Männer fordert die Staatsanwältin.

„Ich bin mir gar nicht sicher, ob überhaupt eine Drohung gefallen ist"

Für eine Verurteilung des 43-Jährigen wegen gefährlicher Drohung sind der Richterin die Ergebnisse des Beweisverfahrens zu dünn. „Ich bin mir gar nicht sicher, ob überhaupt eine Drohung gefallen ist. Bei der Sachbeschädigung, da glaube ich schon, dass der Angeklagte die Brille genommen, zerdrückt und weggeschmissen hat. Da muss man aber die Kirche im Dorf lassen, die Beschädigung einer Brille ist kein schweres Delikt, hier kann man auch diversionell vorgehen“, sagt sie zu dem 43-Jährigen.

Von gefährlicher Drohung spricht die Richterin diesen Angeklagten somit frei (rechtskräftig). Wegen der Sachbeschädigung wird das Verfahren auf Probezeit von zwei Jahren eingestellt. Verhält sich der Angeklagte in dieser Zeit gesetzeskonform, kann dieses Verfahren gegen ihn eingestellt werden.

„Die Glaubwürdigkeit dieses Angeklagten ist eingeschränkt“

Der 50-Jährige will vor der Urteilsverkündung nichts mehr sagen, er schweigt und wird wegen Körperverletzung zu drei Monaten bedingt verhängter Freiheitsstrafe verurteilt, „weil gegen ihn bereits schon einmal ein Verfahren wegen Körperverletzung diversionell erledigt wurde“, so die Richterin.

Und weiters: „Die Glaubwürdigkeit dieses Angeklagten ist eingeschränkt.“ Zugeschlagen habe der 50-Jährige mehrmals. Denn: „Dem Akt beigelegte Fotos dokumentieren Rötungen und Prellungen des Opfers am ganzen Körper.“ Der 50-Jährige erbittet drei Tage Bedenkzeit, das Urteil ist nicht rechtskräftig.