Debatte wegen Verkauf von Lilienfelder Wohnhäusern

Erstellt am 22. Juni 2022 | 04:32
Lesezeit: 3 Min
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SPÖ-Stadträtin Annemarie Mitterlehner spricht sich klar gegen den Verkauf der drei Gemeindewohnhäuser in der Marktler Straße aus. Gemeindewohnungen sollten in den Händen der Gemeinde bleiben, findet sie.
Foto: privat
Gemeinderat beschloss den Verkauf der Mehrparteienhäuser in der Marktler Straße 18, 20 und 22, mit Gegenstimmen der SPÖ.
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Die Stadtgemeinde Lilienfeld verkauft die Gemeindewohnhäuser Marktler Straße 18, 20 und 22 an die Domus Liegenschaftsverwaltung GmbH. Das hat der Gemeinderat mit Gegenstimmen der SPÖ beschlossen.

„Nach dem vor drei Jahren das Doppelhaus 24 bis 26 an die Domus nach damals einstimmigem Gemeinderatsbeschluss verkauft worden war, ist dieser weitere Verkauf einfach logisch. Die Domus hat das Haus 24-26 vorbildlich generalsaniert. Wärmetechnisch wurde das Haus total erneuert, die Sanitärbereiche sind neu gestaltet, die elektrischen Leitungen überarbeitet, neue Fenster eingebaut und sogar Balkone wurden angebaut. Die Wohnqualität hat sich dort um ein Vielfaches verbessert“, begründet ÖVP-Bürgermeister Wolfgang Labenbacher diesen Entscheid.

Für Labenbacher ist es ein „Glücksfall für die Gemeinde, dass die Domus und Dr. Grupp hier wesentlich mehr gemacht haben als bei einer Sanierung, wie sie die Gemeinde umgesetzt hätte“. Für die drei Häuser wurde ein Bewertungsgutachten erstellt, um den Verkaufspreis festzulegen. Dieser ist mit 478.700 Euro angegeben.

Sanierungen wären laut Ortschef zu teuer

Labenbacher: „Wir haben im März eine Besprechung mit den Mietern durchgeführt. Alle waren mit der Vorgehensweise einverstanden und freuen sich über die Sanierung. Meine Arbeitsweise ist rein pragmatisch und die Beantwortung der Fragen ,Was ist das Beste für die Mieter? Was ist das Beste für die Gemeinde?‘ ist für mich die Entscheidungsgrundlage. Für mich ist das keine ideologische Frage und ich habe keine sachbefreiten Emotionen gegen die Domus“, betont Labenbacher.

Die Gemeinde könnte diese Sanierung in absehbarer Zeit nicht in Angriff nehmen, denn rund 1,5 Millionen wären dazu als Darlehen aufzunehmen, was den Rahmen an Schulden bei den anstehenden weiteren Gemeindeprojekten überschreiten würde. Die Alternative, „nichts zu tun“, sei bei den drei Häusern nicht zielführend. „Das führt über kurz oder lang zu leer stehenden Wohnungen“, meint der Ortschef. Die Mittel aus dem Verkauf werden für den ersten Sanierungsschritt in der Volksschule verwendet.

Warum die Roten dagegen stimmten, erklärt SPÖ-Stadträtin Annemarie Mitterlehner: „Besitz der Gemeindebürger zu verkaufen, geht einfach, ist aber unwiderruflich.“ Wohnraum sei ein Grundbedürfnis, das für alle leistbar sein müsste. „Alle privaten Betreiber sind logischerweise gewinnorientiert“, findet sie.

Dass ein großer Sanierungsbedarf besteht, ist für sie nicht verwunderlich: „Es ist Jahrzehnte lang nichts gemacht worden. Das könnte die Gemeinde jetzt machen.“ Das Argument der ÖVP, dass durch die Sanierung kein Gewinn möglich sei, lässt sie nicht gelten, denn: „Investitionen sind Abschreibungen und eine Investition in die Zukunft.“

Die Behauptung, dass nur dadurch die Volksschule saniert werden kann, ist für sie so nicht nachvollziehbar. „Die Schulsanierung ist auch ohne Verkauf der Gemeindewohnhäuser möglich“, ist sie überzeugt.

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