Bezirk Lilienfeld: Bauboom mit Kehrseite. Materialengpässe und starke Preisschübe betreffen Private genauso wie Unternehmen.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 28. April 2021 (04:00)
Christian Liegle, Raphaela Fasching und Anna-Lena Liegle vor ihrem Eigenheim in Traisen. Hinsichtlich der Fassade erwartet die junge Familie eine längere Lieferzeit.
Johanna Hörtzer, Johanna Hörtzer

Wenn die Baustelle plötzlich zur Baustelle wird: Baumaterial ist nicht nur viel teurer geworden, bestimmte Produkte sind überhaupt nur schwer oder momentan gar nicht zu bekommen.

„In manchen Bereichen ist der Mangel, die Verknappung eklatant. Wenn wir Baustoffe bestellen, beträgt die Lieferzeit üblicherweise vier bis sechs Wochen, in einem speziellen Fall können wir damit nun nicht vor Oktober rechnen“, veranschaulicht Baumeister Hans-Peter Zefferer die aktuelle Situation.

„Wenn die Materialien nicht geliefert werden können, kann eine Sanierung in den Ferien so richtig problematisch werden.“ Bürgermeister Wolfgang Labenbacher

Die Mariazeller Firma Hölblinger und Zefferer führt Hochbau-, Tiefbau-, und Sanierungsarbeiten samt deren Planung aus und betreibt zudem Handel mit Baustoffen. Ein Unternehmens-Standort liegt unter anderem in Hohenberg. „Im Bezirk betreuen wir gerade eine große, private Baustelle. Allerdings kann das Dach dort nicht runter, weil notwendige Leimbinder erst in zwei Monaten wieder verfügbar sind“, weiß Zefferer. Es sei teilweise recht kompliziert, weil Bauzeitpläne umgestellt werden müssten.

Die Lieferengpässe betreffen Baumaterialien quer durch die Bank: Stahl, Eisen, Holzbaustoffe, Abdichtungen, Leimbinder oder Dämmstoffe. Die Verknappung führt zu teils extremen Preisschüben. Markus Halbwax aus Kaumberg hat beruflich mit dem Baustoff Holz und ähnlichen Produkten zu tun: „In den letzten Monaten gab es bis zu 70 Prozent Preissteigerung und Ende ist noch keines absehbar.“

Auch Christian Liegle und Raphaela Fasching aus Traisen beobachten einen Kostenanstieg der Baustoffe. Sie mussten beispielsweise Ziegelsteine vorreservieren, da keine Lieferungen mehr nachgekommen wären: „Bei einigen Produkten mussten wir kleinere Mengen desselben Stoffes von mehreren Firmen kaufen.“

Das Haus der Rohrbacher Familie Kaiblinger steht – zumindest im Rohbau. Baustoffmangel ist kein Thema mehr. „Aber die starke Preiserhöhung macht uns große Sorgen, da wir bei der Planung unseres Hauses mit anderen Kosten kalkuliert haben“, so Barbara Kaiblinger. Und auf Fixkosten sind vor allem private „Häuslbauer“ angewiesen. Das könnte ein Fertigstellen oder den Beginn neuer Projekte erschweren. Einfamilienhäuser sind von der Kehrseite des Baubooms genauso betroffen wie die Branche selbst.

„Wir haben bei der Vergabe von Aufträgen jeweils mit den Firmen die Preise nochmals besprochen und hinterfragt.“

Und wie sieht es bei den Gemeinden aus? „Längere Lieferzeiten von Baumaterial haben wir schon bemerkt. Ich hoffe aber dennoch, dass wir unsere Vorhaben fristgerecht umsetzen können“, so Rohrbachs Bürgermeister Karl Bader. Und: „Wir haben bei der Vergabe von Aufträgen jeweils mit den Firmen die Preise nochmals besprochen und hinterfragt.“ In Lilienfeld sieht sich Bürgermeister Wolfgang Labenbacher wahrscheinlich mit der nächsten großen Baustelle betroffen: „Gerade sind wir in der Endplanung für die Volksschulsanierung. Wenn die Materialien nicht geliefert werden können, kann eine Sanierung in den Ferien so richtig problematisch werden. Mit Architekt Beisteiner ist daher schon vorweg abgesprochen, dass wir mit dem Turnsaal beginnen, denn für diesen Bereich ist die Material- und Zeitfrage vielleicht nicht so groß.“ In diesem Bereich sehe man die weltweit entstandenen Zusammenhänge sehr deutlich, „vom Holzüberschuss in den Vorjahren bis zum Mangel 2021 ist es nur ein kleiner Schritt“, erinnert Labenbacher.

Die Baustelle zur Erweiterung der Firma IPA in Rohrbach, in die sieben Millionen Euro investiert werden (NÖN/16), ist derzeit eine der größten Baustellen im Bezirk Lilienfeld.
Steyrer, Steyrer

Das bestätigt zudem Johann Haas, Forstsekretär der Landwirtschaftskammer für den Bezirk Lilienfeld: „Der positive Trend in der Bauwirtschaft hält an und die Nachfrage an Schnittholzsortimenten übersteigt das Angebot.“ „Diese Marktsituation würde sich natürlich positiv auf die Einkommenssituation der Forstbetriebe auswirken und so eine nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft für die nächsten Generationen sicherstellen. Denn aus forstlicher Sicht waren die letzten Jahre stark von Kalamitäten wie Windwürfen, Schneedruck und Borkenkäfer geprägt“, so Haas.

Außerdem: „Europaweit kam es zu erhöhtem Rundholzanfall und Schadholzmengen bei niedrigen, kaum kostendenkenden Rundholzpreisen für die Forstbetriebe. Der günstige Witterungsverlauf 2020 und die geringeren Schadholzmengen in unseren Wäldern im Vorjahr, verbunden mit dem Konjunkturaufschwung bzw. der starken Nachfrage nach Holz im Holzbau, lassen die Rundholzpreise wieder steigen.“

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