Urteil nach Wanderunfall ist da: Verein muss blechen. Nach Absturz am Muckenkogel bekommt Unfallopfer vom Gericht 3.820 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.

Von Markus Zauner. Erstellt am 02. April 2020 (03:58)
Nach dem Wanderunfall am Muckenkogel im Juni 2018 liegt nun das Urteil des Landesgerichts St. Pölten vor.
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Brisante Post in der Causa Wanderunfall landete mitten in der Coronakrise am Schreibtisch von Rechtsanwalt Alfred Schneider. In einem schriftlich ausgefertigten Urteil wird der Fremdenverkehrsverein (FVV) Lilienfeld als Wegehalter zum Zahlen von rund 3.820 Euro Schmerzensgeld verdonnert. Dazu kommen 1.700 Euro Verfahrenskosten, die der Verein ebenfalls zu tragen hat.

Geklagt hatte ein Wiener, weil im Juni 2018 am Muckenkogel ein Geländer gebrochen und der Wanderer daraufhin etwa 30 Meter in die Tiefe gestürzt war.

„Zusammengefasst ist der beklagte Verein als Wegehalter der gegenständlichen Landfläche aufzufassen, war das am Weg angebrachte Geländer mangelhaft und die Mangelhaftigkeit dem beklagten Verein objektiv und subjektiv vorwerfbar. Die Haftung des Klägers besteht daher dem Grunde nach zu Recht“, heißt es auszugsweise im Urteil, das der NÖN exklusiv vorliegt.

Anwalt des FVV schlägt Berufung vor

Rechtsanwalt Alfred Schneider, der den FVV Lilienfeld vertritt, schlägt den Gang in die nächste Instanz vor. „Ich würde empfehlen, dieses Urteil zu bekämpfen und in Berufung zu gehen, da die Sorgfaltspflichten, die der FVV hätte beachten müssen, völlig überspitzt sind und die erforderliche grobe Fahrlässigkeit nicht wirklich ersichtlich erscheint“, begründet Schneider. Seitens des FVV kündigt Obmann Martin Tröstl an, über den vorgeschlagenen Einspruch noch zu beraten.

„Die Sorgfaltspflichten, die der FVV hätte beachten müssen, sind völlig überspitzt und die erforderliche grobe Fahrlässigkeit erscheint nicht wirklich ersichtlich.“ Rechtsanwalt Alfred Schneider zum Urteil

Bürgermeister Wolfgang Labenbacher hatte im Zusammenhang mit der Klage gegen den FVV zuletzt die Leistungen desselben in der Betreuung und Erhaltung des langen Lilienfelder Wege-Netzes gewürdigt.

„Es ist eine enorme Leistung, die die Freiwilligen des Fremdenverkehrsvereins für die Allgemeinheit erbringen. Dafür muss man ihnen danken, anstatt sie im Regen stehen zu lassen, wenn es einmal einen bedauerlichen Vorfall gibt“, so Labenbacher.