Leistbare Baugründe im Bezirk Lilienfeld. Die Problemfelder reichen von teilweise zu wenig Platz bis hin zu privaten Spekulationen.

Von Anna Dallinger. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:00)
Symbolbild
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Zwischen Quadratmeterpreisen, Bauland-Reserven, Bauzwang und fehlenden Bauflächen – die NÖN verschafft sich einen Überblick: Wie leistbar sind die Baugründe für private Einfamilienhäuser im Bezirk? Was steckt dahinter?

Vorerst die Fakten: Laut OGM-Studie (Stand 2020) sind Annaberg , Mitterbach und Türnitz jene Standorte mit dem vergleichsweise niedrigsten durchschnittlichen Quadratmeterpreis für Baugründe (39 Euro). Wobei anzumerken ist, dass Mitterbach deutlich als „die erschwinglichste Gemeinde“ des Bezirks hervorsticht. Hainfeld, Kaumberg und Lilienfeld sind hingegen teurere Pflaster. Die Bauflächen verlangen dort bezogen auf den durchschnittlichen Preis für einen Quadratmeter fast schon eine doppelt so hohe Geldsumme. Das Gesamtbild im Bezirk schreit erst nach „schwer leistbar“, zoomt man allerdings aus den heimischen Gemeinden raus und schaut auf Niederösterreich, wird klar: Der Bezirk Lilienfeld bewegt sich im finanziell tragbaren Mittelfeld.

OGM

Doch nun genug von den statistischen Daten. Wie sieht das Stimmungsbild vor Ort aus und was steckt im Detail hinter der Erschwinglichkeit der bebaubaren Regionen?

Eingekesselt von Bergen sei es nicht verwunderlich, die leistbarsten Baugründe des Bezirks vorzuweisen, kombiniert Mitterbachs Bürgermeister Thomas Teubenbacher die Tatsachen. Aber was bringt es denn, in der Theorie die relationsmäßig bezahlbarsten Grundstücke zu besitzen, wenn die Gemeinde – trotz mobilisierbarem Bauland – selbst praktisch nicht mal ein einziges Stück Baugrund besitzt? Mitterbach hat also flächenweise zu wenig Platz und die leistbarsten, nicht erwerbbaren Grundstücke im Bezirk. Hier jagt ein Oxymoron das andere, doch die Gemeinde steht vor einem ernst zu nehmenden Problem: Die Nachfrage nach Baugründen ist vorhanden, aber die für den Hausbau autorisierten Flächen im Privatbesitz werden nicht zugänglich gemacht.

„Irgendwie ist es eh verständlich, wenn Privatpersonen ihr bebaubares Land nicht verkaufen wollen, wenn sie nicht auf das Geld angewiesen sind.“

Ein Blick nach Kleinzell unterstreicht die komplizierte Lage. Vizebürgermeisterin Heidemarie Teveli will beide Seiten verstehen: „Irgendwie ist es eh verständlich, wenn Privatpersonen ihr bebaubares Land nicht verkaufen wollen, wenn sie nicht auf das Geld angewiesen sind.“ Schade sei es trotzdem, da in Kleinzell das Bedürfnis nach Baufläche ebenso präsent ist. Teveli weiß auch, dass ein Bauzwang als vermeintliche Lösung für die privaten Spekulationen seine Vor- und Nachteile mit sich bringt. Übrigens: Kleinzell liegt mit einem Durchschnitts-Quadratmeterpreis von 47 Euro – identisch mit Ramsau – nah an den finanziell tragbarsten Gebieten im Bezirk.

 

Traisen führt – mehr oder weniger mit Eschenau , Hohenberg , Rohrbach , St. Aegyd und St. Veit – zu den Summen der preislich forderndsten Gemeinden hin. Ortschef Herbert Thumpser setzt die Erschwinglichkeit der Grundstücke überhaupt nicht in Verbindung mit gescheiterten Mobilisierungs-Versuchen. Viel mehr sieht er eine Schwierigkeit in der Gemeindegröße an sich: Die raren Bauland-Reserven werden durch einen Bauzwang demnach klug verwaltet. Denn man solle in 20 bis 30 Jahren ja immer noch in Traisen leben können, so Thumpser.

Bürgermeister Christian Leeb betrachtet die gute Leistbarkeit von Türnitz als einen Auslöser für fehlendes Verständnis: „Die Ausgewogenheit zwischen urbanen und ländlichen Strukturen fehlt. Am Land muss alles super schön hergerichtet sein, darf aber gleichzeitig nichts kosten.“ Ihm geht es vor allem um die Dienstleistungen und Infrastruktur, welche die Gemeinde stellt – so finanziere sich ein Ort prinzipiell doch beispielsweise mit den Aufschlussgebühren.

„Eh gut“ ist die Situation in Lilienfeld für Ortschef Wolfgang Labenbacher. Er zeigt sich zufrieden; einen Bauzwang gibt es. Er will die Corona-bedingt steigende Nachfrage nach Bauland allerdings nicht unterschätzen.

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