St. Anton kehrt dem Naturparkverein den Rücken. Austritt statt 50-jähriges Jubiläum: Gemeinde St. Anton kehrt dem Naturparkverein den Rücken.

Von Markus Zauner, Claudia Christ und Christian Eplinger. Erstellt am 13. Mai 2020 (05:29)
Die Gemeinde St. Anton kehrt dem Naturparkverein Ötscher-Tormäuer den Rücken und tritt aus dem Verein aus. 
Christian Eplinger

Der Naturpark Ötscher-Tormäuer, der größte Naturpark Niederösterreichs, feiert heuer sein 50-jähriges Bestandsjubiläum. Und die Jubiläumssaison beginnt mit einem Knalleffekt. Die Gemeinde St. Anton, mit Gaming und Puchenstuben eine der drei Gründergemeinden des Naturparkvereins, trat aus dem Verein, der seit 2001 auch die Gemeinden Annaberg und Mitterbach umfasst, aus. Der diesbezügliche einstimmige Gemeinderatsbeschluss erfolgte still und leise schon im Dezember, offiziell gemacht wurde der Schritt erst jetzt. Umso größer sind Überraschung und Ärger bei den übrigen Mitgliedsgemeinden.

„Unser Austritt hat sich schon abgezeichnet. Es gab in den letzten Jahren immer wieder Mehrheitsbeschlüsse in unserem Gremium, die ohne unsere Zustimmung erfolgt sind. Wir haben einfach das Gefühl, dass das Geld nicht mehr gleichmäßig auf alle fünf Gemeinden aufgeteilt wurde, sondern sich die Hauptinvestitionen in Richtung Ötscherbasis und den drinneren Bereich verlagert haben“, erklärt St. Antons Bürgermeisterin Waltraud Stöckl (ÖVP), seit 2010 auch Obfrau des Naturparkvereins. Das Fass zum Überlaufen gebracht hätten jetzt laut Stöckl die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge der einzelnen Gemeinden von 5.000 auf 10.000 Euro pro Jahr sowie die geplanten Statutenänderungen samt Syndikatsvertrag zwischen Verein und der im November 2012 gegründeten Naturpark GmbH. An dieser hält der Naturparkverein 100 Prozent der Anteile. Durch die neuen Regelungen müsse der Verein für etwaige finanzielle Probleme der GmbH aufkommen, berichtet Stöckl.

„Unser Austritt hat sich schon abgezeichnet"

„Wir müssen auf unser Budget achten, da wir diesen Beitrag ja aus dem ordentlichen Haushalt finanzieren. Nur gibt es einfach ein Ungleichgewicht im Verein“, schildert Stöckl. Die Parkplatzgebühren wären da ein gutes Beispiel. Während St. Anton an den gut frequentierten Eingängen am Hochbärneck oder Eibenboden durch die Gebühren dem Verein und damit auch der GmbH Mittel einspiele, würden sich andere Gemeinden nach wie vor weigern, Gebühren zu verlangen.

Purt: „Für den Naturpark sehr schmerzhaft“

„Der Austritt einer Gründergemeinde im Jubiläumsjahr ist natürlich alles andere als erfreulich und schmerzt uns alle. Ich kann auch das finanzielle Argument der Gemeinde nicht ganz nachvollziehen. Einerseits haben wir St. Anton, sei es am Hochbärneck mit der Naturparkschule oder den Naturvermittlern, sowie natürlich bei allen Werbemaßnahmen immer voll eingebunden, andererseits sind die Finanzmittel zum Teil ja Durchlaufposten. Weil es sich hier um Bedarfszuweisungen des Landes handelt, die nur der Verein nicht aber die GmbH bekommen kann“, erklärt Naturpark GmbH- und Mostviertel Tourismus GmbH-Geschäftsführer Andreas Purt.

Nun gelte es in den nächsten Wochen alle Konstrukte zu entflechten und den Verein neu aufzustellen. „Da geht es einerseits um Anschaffungen in der Gemeinde St. Anton und andererseits natürlich auch um die Neuzusammensetzung von Vorstand und Aufsichtsrat“, weiß Purt. Diesbezügliche Gespräche zwischen Verein, GmbH und Bürgermeisterin Stöckl sind für die nächsten Wochen geplant. Vorerst wird der erste Stellvertreter Alfred Hinterecker, Bürgermeister außer Dienst aus Mitterbach (ÖVP), gemeinsam mit der zweiten Stellvertreterin Bürgermeisterin Renate Gruber aus Gaming (SPÖ) den Verein führen.

Das Gebiet des Naturparks soll trotz des St. Anton-Austritts gleich groß wie bisher bleiben, Nachteile finanzieller Natur seien aber nicht abzuwenden: „In Summe wird es weniger Bedarfszuweisungen geben“, sagt Hinterecker. Zudem gelte es nun offene Fragen zu klären. „Was passiert mit Anlagevermögen in St. Anton, das dem Naturpark gehört, und wer übernimmt die Verantwortung für die Wege in St. Anton?“, nennt Hinterecker zwei Beispiele.

Was mit der Naturparkvolksschule St. Anton passiert, ist ungewiss. „Bei den Auditierungen ist natürlich das Zusammenspiel mit dem Verein ein wichtiges Kriterium“, weiß Purt.

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