Häuslbauer haben es jetzt nicht leicht: Rundblick im Bezirk Lilienfeld

Erstellt am 16. August 2022 | 20:03
Lesezeit: 3 Min
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Mario Hochecker und Nicole Lechner errichten in der Kleegasse, gegenüber der Rohrbacher Volksschule, ein schmuckes Einfamilienhaus, im Bild mit Tochter Valentina.
Foto: Steyrer
Wer nicht genug Eigenkapital hat, bekommt keinen Kredit mehr. Immobilienmakler warnt vor Mietfalle als Alternative zum Kauf.
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Den Traum vom Eigenheim hegen viele. Für manche scheint dieser jedoch in weite Ferne gerückt, denn die Regeln für die Kreditvergabe wurden mit 1. August verschärft. Käufer müssen künftig 20 Prozent des Kaufpreises durch Eigenkapital nachweisen können.

Nicht genug: Die monatliche Kreditrate darf höchstens 40 Prozent des monatlich verfügbaren Nettohaushaltseinkommens ausmachen und die Laufzeit der Finanzierung 35 Jahre nicht übersteigen, ausgenommen sind Kredite bis 50.000 Euro.

„Es wird eine stärkere Hürde geschaffen für jene, die sich eine Wohnung oder ein Haus anschaffen wollen.“ Karl Teicher, Immobilienmakler aus Eschenau

Wie denken die Bürger darüber? Der Eschenauer Immobilienmakler Karl Teicher sieht die Neuregelung skeptisch, denn: „Dadurch wird eine stärkere Hürde geschaffen für jene, die sich eine Wohnung oder ein Haus anschaffen wollen.“ Nicht alle, vor allem junge Familien, hätten so viel Eigenkapital angespart. „Wenn dann nicht Eltern oder Großeltern mitfinanzieren, wird es für manche Junge mitunter schwierig“, meint er.

Wenn eine Immobilie beispielsweise 400.000 bis 600.000 Euro im Raum Lilienfeld und St. Pölten kostet, müsste dann der Käufer 80.000 bis 120.000 Euro haben. „Das ist dann doch eine sehr beträchtliche Summe“, findet der Immobilienexperte. Die Folge ist für ihn klar: „Anstatt zu kaufen, werden diese Leute in die Mietfalle tappen. Das Geld der Miete ist aber verloren. Besser wäre es, sinnvoll in Eigentum zu investieren.“

Die neuen Kreditregeln sollen auch die Bereitschaft zu Sanierungen steigern und den Umstieg auf erneuerbare Energieträger erleichtern. „Was soll da leichter werden?“, stellt Teicher in den Raum.

Hainfelder Baumeister begrüßt Sanierungen

Der Erhalt energiesparender Förderungen wie der Energieausweis sei „schon so mit bürokratischen Hürden verbunden“, findet er. Der Hainfelder Bauunternehmer Erich Lux steht indes den neuen Regeln offen gegenüber: „Ich begrüße es, wenn Sanierungen erleichtert werden.“

Er selbst hat sein Bürogebäude saniert und setzt im Betrieb auf Nutzung alternativer Energien. Lux: „So werden Ressourcen gespart. Wenn man saniert und nicht auf einem anderen Grund neu baut, wird die Bodenversiegelung eingedämmt“, meint er.

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Marinko Bradaric, Leiter der Planung bei Lux Bau, und Baumeister Erich Lux (v. l.) präsentieren das 2012 sanierte Bürogebäude von Lux Bau, eine Villa, erbaut zirka 1905.
Foto: Lux Bau

Im neuen Rohrbacher Siedlungsgebiet haben Mario Hochecker und Nicole Lechner vor einem halben Jahr ein rund 700 Quadratmeter großes Grundstück erworben. Die verschärften Regeln treffen auf sie nicht mehr zu, da sowohl Planung als auch Baufinanzierung erledigt sind. Die beiden haben einen guten Zinssatz von 1,6 Prozent mit einer Laufzeit von 20 Jahren bekommen.

„Die 20 Prozent hätten wir aber gestemmt und die 40 Prozent des monatlich verfügbaren Nettoeinkommens wären sich ausgegangen, aber wahrscheinlich hätten wir keinen Kredit aufgenommen, da die monatlichen Raten inzwischen um ein Vielfaches gestiegen sind“, sagt er. Zur Neuregelung meint Hochecker: „Grundsätzlich bietet sie wahrscheinlich mehr Schutz für manche Menschen, damit sie sich finanziell nicht überfordern.“

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