15 Jahre Schulsozialarbeit: „Probleme verschwunden“. Aus einem mit Skepsis betrachteten Projekt hat sich ein von Mittelschülern gerne genutztes Beratungsangebot entwickelt.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 10. Oktober 2019 (16:57)
Wohlmann
15 Jahre Schulsozialarbeit an der Neuen Mittelschule Traisen: Zum Erfolgsprojekt zogen Schulsozialarbeiterin Katharina Waidmayr, Vizebürgermeister Karl Slama, Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, Bürgermeister Herbert Thumpser (vorne, von links), Schuldirektorin Elisabeth Höhenberger, Gerda Bernauer, Geschäftsführerin vom Verein „Young“, einem der Trägervereine, die Schulsozialarbeit anbieten, und Kathrin Liebing, fachliche Leiterin von x-Point, der Schulsozialarbeit (hinten, von links) Bilanz.

15 Jahre Schulsozialarbeit: Dieses Jubiläum wurde am Donnerstag an der Neuen Mittelschule Traisen gefeiert. Aus einem einst von Eltern und zum Teil auch Schülern wie Pädagogen voller Skepsis betrachteten Versuch hat sich eine nicht mehr aus der Traisner Bildungsstätte wegzudenkende Einrichtung entwickelt.

„Wir haben damals gesehen, dass unsere Jugendlichen Probleme haben“, erinnert sich Direktorin Elisabeth Höhenberger. Es war damals kein Geheimnis im Ort. Mehrere Traisner Jugendliche hatten Kontakt mit Suchtgiften. Zirka zeitgleich einhergehend mit der Installierung der Traisner Streetswork wollte die Schulleitung direkt an der Schule ein umfassendes Beratungsangebot für Jugendliche schaffen.

„Es geht um das Ausdrücken von Gefühlen wie Wut, Trauer oder auch Angst.“ Katharina Waidmayr, Sozialarbeiterin an der Neuen Mittelschule Traisen

Traisen war eine der ersten Schulen in Niederösterreich, die „X-Point Schulsozialarbeit“ in Anspruch genommen hat – mit Erfolg: „Die Probleme von damals sind verschwunden“, ist Höhenberger überzeugt. Dennoch ist die Schulsozialarbeit heute genauso wichtig wie 15 Jahren. Einmal die Woche für rund drei Stunden ist Diplomsozialarbeiterin Katharina Waidmayr vor Ort. Schüler können sich über einen Briefkasten, der im Schulgebäude aufgehängt ist, mit ihren Probleme an sie wenden oder sie auch direkt aufsuchen. „Es geht meist um das Ausdrücken von Gefühlen wie Wut, Trauer oder auch Angst“, versteht sich Waidmayr als Vertrauensperson.

Beratungsangebot kostenlos

Das Beratungsangebot ist kostenlos und kann das ganze Schuljahr in Anspruch genommen werden. „Es wird auch versucht, die Eltern mit ins Boot zu holen“, erzählt sie. Nach einer mehrmaligen Beratung müssen die Erziehungsberechtigen nämlich eine Einverständniserklärung, dass ihr Kind das Angebot in Anspruch nimmt, abgeben.

Es können sich auch Eltern oder Pädadgogen an die Schulsozialarbeiterin werden. Gemeinsam werden Lösungsansätze erarbeitet oder im Bedarfsfall, wie etwa bei Essstörungen, wird an andere Beratungsangebote verwiesen. Sollte der Verdacht der Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegen, besteht für die Schulsozialarbeit behördliche Meldepflicht. Solche Fälle sind laut Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig nicht die Mehrheit: „Die großen Krisen gibt es meist nicht mehr. Es geht um normale Emotionen wie Freundschaft, Liebe, Sexualität. Um Gefühle, über die man nicht immer mit den Eltern reden möchte.“

715.000 Euro jährlich bringt das Land für die Schulsozialarbeit landesweit auf. 102 Schulen nehmen das Angebot in Anspruch. Zwei Drittel finanziert das Land, ein Drittel die jeweilige Gemeinde.