Albert Pitterle: 20 Jahre als Hainfelder Ortschef. Von der Abwanderungsgemeinde zur Top-Location: Das ist das Ziel von Ortschef Albert Pitterle für die Stadt Hainfeld.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 01. November 2017 (05:56)
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Vizebürgermeister Andreas Klos arbeitet mit Stadtchef Albert Pitterle seit vielen Jahren bestens zusammen.
NOEN, Wohlmann

Diese Woche feiert Albert Pitterle (SP) sein 20-jähriges Jubiläum als Bürgermeister. Im NÖN-Interview blickt er auf zwei Jahrzehnte zurück.

NÖN: Hainfeld 1997 – 2017. Wie hat sich die Stadt entwickelt?
Albert Pitterle: Seit 1971 gab es eine Bevölkerungsabnahme in Hainfeld. Es gab keine Komfortfremdenzimmer, viele Straßen waren nicht asphaltiert. Beim Oberhammerareal neben dem Rathaus wurde seit Jahrzehnten über eine Renovierung oder einen Neubau zwischen den Parteien gestritten. Die Stimmung in der Hainfelder Wirtschaft war schlecht. Hainfeld war mit einer Finanzkraft unter dem Durchschnitt der NÖ Gemeinden. Heute haben wir ein Bevölkerungswachstum. Es stehen über 200 zusätzliche Wohnungen zur Verfügung, 130 weitere sind in Bau oder Planung. Auf den Lehrbaumergründen wurden über 40 Einfamilienhäuser neu errichtet. Es gibt über 20 moderne Fremdenzimmer, viele Straßen sind saniert.

„Familienvater zu sein, ist für mich keine Belastung, sondern all mein Glück und Stolz!“ Albert Pitterle zur Vereinbarkeit von Politik und Familie

20 Jahre Bürgermeister. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat?
1997 wurde ich innerhalb von zwölf Stunden überraschend zum Bürgermeisterkandidaten. Heute bin ich schon sehr stolz auf unser Hainfeld. Supermarktketten drängen nach Hainfeld, die Kommunalsteuer der Stadt steigt rasant. Hainfeld ist nun eine der finanzstärksten Gemeinden in Niederösterreich.

Wie hat sich das Amt des Stadtoberhauptes verändert?
Vom damals sehr repräsentativen Bürgermeisteramt ist das Gemeindeoberhaupt heute zum Kommunalmanager und zum Verantwortlichen für die Finanzen geworden.

„Die Anfangsjahre in Hainfeld waren echt hart“ 

Was waren die größten Herausforderungen der letzten Jahre?
Die Finanzkrise ab 2007. Hainfeld war eine von zwei Gemeinden im Bezirk, die keine Landesauflagen erfüllen musste, was besonders der Landwirtschaft und den Vereinen zugute kam. Es wurde aber auch die Gemeindeverwaltung nachhaltig reformiert, um für kommende Krisen gerüstet zu sein.

Welche Projekte konnten erfolgreich umgesetzt werden?
Das Ärzte- und Gemeindezentrum ist hier hervorzuheben. Es sind alle öffentlichen Gebäude saniert, die Infrastruktur auf dem neuesten Stand. Durch die Fusion der Hainfelder Gemeindesparkasse mit der Sparkasse St. Pölten 2002 zur Sparkasse NÖ wurden 10,1 Millionen Euro in eine gemeinnützige Hainfelder Stiftung eingebracht. Über 3.000.000 Euro flossen seither an die Stadtgemeinde und Hainfelder Vereine.

Welche Projekte stehen noch an?
Zurzeit investieren wir schon in Brückenrenovierungen, um die nächste Generation zu entlasten. Der Radweg auf der Bahntrasse wird hoffentlich 2018 verwirklicht.

"Die Finanzkrise verschaffte mir schlaflose Nächte, die aber einige gute Ideen brachten, die uns heute sehr helfen"

Was waren Ihre härtesten Jahre als Bürgermeister?
Die Anfangsjahre waren echt hart, als mir mit 34 Jahren mancher die Führung nicht zutraute und ich auch politisch mit allen Mitteln bekämpft wurde. 2005 nach dem grandiosen Wahlerfolg, gab es leider einige ganz wenige, die persönliche Befindlichkeiten in den Vordergrund stellten, was natürlich am allermeisten schmerzte. Die Finanzkrise verschaffte mir schlaflose Nächte, die aber einige gute Ideen brachten, die uns heute sehr helfen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Bürgermeister?
Immer, wenn ich bei der Arbeitssuche, der Wohnungssuche oder bei persönlichen Anliegen helfen konnte und ich heute noch manchmal darauf angesprochen werde.

Wie kann sich die Stadt noch mehr als Einkaufs- und Erlebnisstadt positionieren?
Wir unterstützen alle neuen Betriebsansiedelungen und Wiedereröffnungen massiv. Der Verein „Wir Hainfelder“ wird von der Stadtgemeinde Hainfeld als zentrale Drehscheibe mit allen möglichen Mitteln unterstützt.

"Wenn mich die Hainfelder noch wollen, stehe ich noch eine weitere Periode zur Verfügung"

Sie sind die fünfte Periode Bürgermeister. Wie lange wollen Sie noch im Amt bleiben?
Bis 2020 müssen alle Gemeinden auf Bilanzen umstellen. Das ist eine große Herausforderung für die Verwaltung. Ich möchte dabei mit meinem Wissen beitragen und auch die Verantwortung tragen. Aus der Bilanz wird der tatsächliche wirtschaftliche Erfolg von Gemeinden zu sehen sein. Wenn mich die Hainfelder noch wollen, stehe ich noch eine weitere Periode zur Verfügung.

Wie lässt sich diese Vierfachbelastung – Bürgermeister – SP-Bezirkschef – Fahrdienstleister und obendrein noch Familienvater bewältigen?
Ehrlich gesagt, bei dreien bin ich nun wirklich ausgelastet. Eine weitere Aufgabe ist zeitlich nicht möglich, ohne andere abzugeben. Familienvater zu sein, ist für mich keine Belastung, sondern all mein Glück und Stolz!

Was ist Ihr größter Wunsch für die Stadt?
Die Stadt Hainfeld soll zu den Top- Gemeinden in ganz Niederösterreich gehören.

Wenn man das Zeitrad 20 Jahre zurückdreht. Würden Sie wieder Bürgermeister werden?
Ja, aber sicherlich nur in Hainfeld.