Polizei im Bezirk Lilienfeld setzt auf Dialog. Bezirkspolizeikommandant Michael Hochgerner über die Herausforderungen für die Exekutive im Corona-Jahr 2020.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 07. Januar 2021 (04:56)
Bezirkspolizeikommandant Michael Hochgerner: „Die Einbrüche sind zurückgegangen.“
Wohlmann

Das Jahr 2020 – ein außergewöhnliches Jahr. Corona hat das Leben grundlegend verändert. Einschränkungen bestimmen den Alltag, aktuell jetzt im dritten Lockdown. Bezirkspolizeikommandant Michael Hochgerner erzählte der NÖN, wie die Exekutive in der Region das Corona-Jahr wahrgenommen hat.

NÖN: Wie gehen die Bürger mit den Einschränkungen um?
Michael Hochgerner:
Die Akzeptanz, Mitwirkung und Disziplin hinsichtlich der Einhaltung der Covid-19-Verhaltensnormen ist – bis auf wenige Ausnahmen – sehr groß. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken. Dort, wo im Einzelfall konkreter Bedarf besteht, müssen und werden wir aber auch konsequent einschreiten.

Gab es mitunter durch das „Eingesperrtsein“ in den eigenen vier Wänden einen Anstieg im Bereich Gewalt in der Privatsphäre ?
Ein Anstieg, verursacht durch die Corona-Pandemie, ist im Bezirk Lilienfeld nicht zu verzeichnen. Immer wieder werden wir jedoch zu Einsätzen – aggressives Verhalten durch psychische Ausnahmesituationen – gerufen.

Wie agiert die Polizei in solchen Situationen?
Generell vertreten unsere Polizeibeamten beim Einschreiten die „3-D-Philosophie“: Deeskalation, Dialog , Durchsetzung. Erfreulicherweise reicht meist ein klärendes Gespräch aus. Die Durchsetzung kommt nur in Ausnahmefällen zur Anwendung.

Corona-Auflagen und täglicher Dienstbetrieb. Wo liegen die großen Herausforderungen ?
Die Einhaltung der Präventionskonzepte für jede Polizeidienststelle, bestmögliche Risikominimierung bei der Infektionsgefahr waren und sind nach wie vor die größten Herausforderungen. Die Erfüllung der Aufträge der Bezirkshauptmannschaft als Gesundheitsbehörde – insbesondere tägliche Kontrollen der Gastgewerbe betriebe und Bescheidzustellungen – stellen zusätzliche Herausforderungen dar. Hier bewährt sich die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Bezirkshauptmannschaft und Bezirkspolizei.

Generell vertreten unsere Polizeibeamten beim Einschreiten die „3-D-Philosophie“: Deeskalation, Dialog , Durchsetzung

Ist die Einbruchskriminalität zurückgegangen, weil die Menschen mehr zu Hause waren ?
Die Lockdowns und damit verbundene Ausgangsbeschränkungen, andererseits die Reisebeschränkungen – Grenzkontrollen – haben zu einem deutlichen Rückgang der Kriminalität beigetragen. Die Intensität der polizeilichen Überwachungsmaßnahmen mit Schwerpunkt Dämmerungs-Wohnhaus/Wohnungs-Einbruchsdiebstähle wird aber nach wie vor hoch gehalten.

Cybercrime ist gestiegen. Wie sieht es hier im Bezirk aus ?
Dieses Phänomen ist auch im Bezirk feststellbar. Speziell geschulte Bezirksdatenermittler sind, in enger Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt, sehr gefordert. Wir gehen davon aus, dass sich diese Kriminalitätsform weiter verstärken wird.

Wo erkennt die Exekutive Hotspots auf den Straßen?
Hotspots hinsichtlich Unfallhäufigkeit und exzessiven Geschwindigkeitsüberschreitungen sind die beliebten Motorradstrecken Kleinzell – Kalte Kuchl – Ochsattel, aber auch die LB 20 Türnitz – Annaberg, Josefsberg weiter nach Mariazell. Erwähnenswert sind hier die gemeinsamen Motorradschwerpunktaktionen mit der Landesverkehrsabteilung Niederösterreich und den Nachbarbezirken.