Erwin Frieb: Hinter Stacheldraht. In Gefangenschaft war Erwin Frieb im Ersten Weltkrieg. Seine Erlebnisse in Sibirien und der Mandschurei schrieb er auf.

Von Astrid Krizanic-Fallmann. Erstellt am 05. September 2016 (09:29)
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Handschriftlich notierte Erwin Frieb die Ereignisse, die er fern seiner Heimat erlebte. Foto: privat

Während des Ersten Weltkrieges war Erwin Frieb, am 2. September 1880 geboren und am 12. September 1959 verstorben, als Gefangener in Sibirien inhaftiert. Erst 1919 kam er nach Österreich zurück, mit im Gepäck ein handschriftliches Manuskript über die Erlebnisse.

So durfte der Rohrbacher bei einer von der Roten Armee erlaubten Reise mit dem Vertreter des schwedischen Roten Kreuzes, Kapitän Astrand, und dem deutschen Kriegsgefangenen Jonas in die Mandschurei fahren, um Lebensmittelspenden abzuholen. Im September 1918 saß der Major wieder im Lager nahe Tschita. Dieses wurde plötzlich aufgelöst, Mannschaft und russisches Aufsichtspersonal Richtung Wladiwostock geschickt.

Von dort aus fuhr Frieb im März 1919 mit einer dänischen Delegation nach Irkutsk. Sein Urteil über die Betriebsverhältnisse auf der sibirischen Bahn fiel nicht berauschend aus. „Das Waggonmaterial war schlecht, die wenigen Züge verkehrten unpünktlich und waren dermaßen überfüllt, dass auf kleineren Zwischenstationen kein Mensch einsteigen konnte. Die Lokomotiven waren ausgewerkelt“, zählte er auf. Ohne Unterstützung aus Amerika und Japan hätte laut ihm überhaupt die Einstellung gedroht. „Auf größeren Stationen, wie Tschita, Charbin, sah ich mehrere Waggonladungen mit Lokomotivbestandteilen, Kesseln und Rädern, welche in die große Reparaturwerkstätte nach Wladiwostock abgeschickt wurden.“

Probleme hatten die Entente-Mächte mit bolschewikischen Truppen, die Strecken zerstörten. „Man hätte viel mehr Truppen zum Schutze der Bahnlinie entsenden müssen, um den Verkehr zu garantieren“, meinte der Österreicher in der Rückschau. „Es spielte aber gerade in diesem Punkte so viel Eifersüchtelei unter den Verbündeten mit, dass schließlich die Bahn ein Spielzeug der Bolschewiks wurde.“ Bei einem Abzug der internationalen Truppen aus Sibirien wäre die Weiße Armee im russischen Bürgerkrieg nicht imstande, allein die Eisenbahn zu halten, war der Rohrbacher außerdem überzeugt.

Ende März entkam Erwin Frieb dem sibirischen Winter und erreichte im Vorfrühling wieder Wladiwostock. Vom Bahnhof ging’s mit zwei chinesischen Kulis dem Lager zu. „Als ich aber den Stacheldraht vor mir glitzern sah, da wurden meine Schritte immer langsamer, und gerne wäre ich wieder rechtzeitig umgekehrt nach meiner geliebten traurigen mandschurischen Steppe, wo Freiheit herrscht“, erinnerte sich der Kriegsgefangene.