Fahrkartenautomaten aus: Anfrage an Verkehrsminister. Zur Kundenkritik am Abbau von Fahrkartenautomaten an Bahnhöfen — laut ÖBB wurden diese im Bezirk in Lilienfeld und Traisen entfernt — gesellt sich jetzt eine Anfrage des Nationalratsabgeordneten Christian Hafenecker (FPÖ) an Verkehrsminister Jörg Leichtfried von der SPÖ.

Von Markus Zauner. Erstellt am 28. März 2017 (05:26)
NOEN, Wodicka
Gut oder schlecht? Das Lösen von Fahrkarten im Zug spaltet die Geister der Bezirkspolitiker.

„Die ÖBB fahren mit dem Aus für die Ticketautomaten an den Bahnhöfen nun den nächsten Service herunter. Beim gelernten Lilienfelder kommt der Verdacht auf, dass man seitens der ÖBB dadurch mögliche Einnahmenverluste bewusst in Kauf nimmt, um später eine Diskussion über die Wirtschaftlichkeit zu initiieren, wie es damals bei der Bahnstrecke über den Gerichtsberg geschehen ist. Eine solche ,Salami-Taktik‘ der ÖBB, an deren Ende das Aus für die Linien stehen könnte, wäre nicht neu“, sagt Hafenecker.

„Hafenecker ist drei Monate zu spät dran. Wir haben sofort, nachdem die ersten Beschwerden an uns herangetragen wurden, reagiert.“Herbert Thumpser, SP

Die brisanteste Frage des FPÖ-Bezirkschefs an den SPÖ-Minister ist daher, ob dieser den Bestand des aktuell betriebenen Eisenbahnnetzes im Bezirk garantieren könne. Während Leichtfried laut Geschäftsordnung des Parlaments noch einige Wochen Zeit hat, um zu antworten, stellt ÖBB-Sprecher Christopher Seif fest: „Der Vorwurf, dass der Automatenabbau ein bewusster Schritt sein könnte, Bahnstrecken im Bezirk einzustellen, hat kein Fundament.“

Ökonomische Gesichtspunkte als Einsparungsgrund

Er verweist auf ökonomische Gesichtspunkte: „Es muss sichergestellt sein, dass die Automatenstandorte auch künftig wirtschaftlich darstellbar sind.“ Was im Falle von Lilienfeld und Traisen (inklusive Prognose für eine künftige Nutzung) nicht der Fall war. Seif zur ÖBB-Philosophie: „Auf Strecken, wo die Züge mit Ticketautomaten im Zug ausgestattet oder mit Zugbegleitern besetzt sind, können Automaten an der Station abgebaut werden.

Freiheitliche befürchten „Salami-Taktik“ zur Zugstrecken-Einstellung, Bahn dementiert.

Dies trifft hier auf die Traisentalbahn zu. Tickets können ohne Aufpreis beim Zugbegleiter oder im Zug erworben werden. Vorteilscard-Ermäßigungen werden in gleicher Höhe wie beim Kauf am Ticketautomaten anerkannt.“ Seif verweist zudem auf die erfolgreiche Verlagerung auf die digitalen Vertriebskanäle („Im Jahr 2016 wurden um insgesamt 50 Prozent mehr Tickets online und per ÖBB-App verkauft“) und kündigt weitere Verbesserungen an.

Hafeneckers Kritik dazu: „Gerade für ältere Menschen, die schon etwas gebrechlich sind und beim Automaten etwas länger brauchen, oder Behinderte muss es geradezu ein Hohn sein, wenn die ÖBB nun meinen, dass sie sich ihre Fahrkarte am Automaten im fahrenden und dadurch schlingernden Zug lösen sollen.“ Viele dieser Personen hätten zudem gar kein Internet.

Keine Reaktion der VOR und ÖBB

Unverständlich ist das Fahrkartenautomaten-Aus an manch Bahnhof auch für SP-Landtagsabgeordneten Herbert Thumpser. „Hafenecker ist aber leider drei Monate zu spät dran. Wir haben sofort, nachdem die ersten Beschwerden an uns herangetragen wurden, darauf reagiert und uns mit dem VOR beziehungsweise den ÖBB in Verbindung gesetzt. Reaktion gab es bisher jedoch, außer dass es überprüft wird, noch keine“, so Thumpser.

VP-Landtagsabgeordneter Karl Bader ortet keine Nachteile für die Kunden. In vielen Bahnhöfen habe es auch bisher schon keine Fahrkartenautomaten mehr gegeben. Bader: „Die Fahrgäste können ihr Ticket entweder beim Schaffner oder beim Automaten im Zug lösen. Das hat den Vorteil, dass sie nicht am Bahnhof in der Schlange stehen müssen.“ Und: Das Zusperren weiterer Bahnlinien im Bezirk sei überhaupt kein Thema, zerstreut er Befürchtungen der Freiheitlichen.

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