Lilienfeld setzt auf Energiegemeinschaft. Stadt will Photovoltaik-Anlagen in Energiegemeinschaft einbringen und so den Eigenstromverbrauch deutlich steigern.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 08. April 2021 (03:14)
Die beiden Geschäftsführer der neuen EZN GmbH, Andreas Rautner und Roland Matous, Vizebürgermeister Manuel Aichberger und eNu-Regionsleiter NÖ-Mitte Martin Ruhrhofer (von links) trafen sich zur Konzeptionierung einer Energiegemeinschaft für Lilienfeld.
eNu, eNu

Auf den Dächern der Volksschule sowie beim Sportplatz und Muckenkogel-Lift werden in den nächsten Monaten Photovoltaik-Anlagen errichtet. Diese sollen eine Leistung von rund 150 kWp erbringen.

In einem Pilotprojekt möchte die Stadtgemeinde Lilienfeld die PV-Anlagen nun als eine der ersten Gemeinden in Österreich in eine Energiegemeinschaft einbringen und so den Eigenstromverbrauch deutlich steigern. Das aktuell präsentierte „Erneuerbare-Ausbau-Gesetz (EAG)“ beinhaltet nämlich die Möglichkeit dazu.

„Regional oder lokal angesiedelte erneuerbare Energiegemeinschaften sind neue Akteure am Energiemarkt. Sie haben die Möglichkeit, Energie zu erzeugen, zu verbrauchen sowie zu speichern. Vor allem wird es ermöglicht, innerhalb der Gemeinschaft Energie gemeinsam zu nutzen, sofern die jeweiligen Mitglieder im örtlichen Nahebereich zueinander sind“, erklärt der für Bau- und Infrastrukturmaßnahmen ressortzuständige Vizebürgermeister Manuel Aichberger.

„Mit den Energiegemeinschaften können wir Strom selbst produzieren und für eigene Gebäude nutzen, die sich etwa aufgrund einer Schattenlage nicht für PV-Flächen eignen.“ Stadtrat Thomas Gravogl

Als eigene Rechtspersönlichkeiten könnten erneuerbare Energiegemeinschaften, etwa als Vereine, Genossenschaften, GmbHs etc. organisiert sein. Die Mitgliedschaft in der Energiegemeinschaft sei für alle Teilnehmer freiwillig, weiß Aichberger: „Diese schaffen also die Gelegenheit, den selbst durch eine Ökostrom-Anlage erzeugten Strom mit den Nachbarn zu teilen beziehungsweise zu verkaufen, anstatt ihn als Überschuss-Strom direkt ins Netz einspeisen zu müssen.“

Da Lilienfeld eine aktive, nachhaltige Klima- und Energiepolitik betreibe, wolle man diese innovativen Chancen nutzen. Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf ergänzt: „Vor allem im ländlichen Raum bedeutet das eine große Chance: Jeder kann mitmachen, auch Landwirtschaften oder kommunale Betriebe und ganze Gemeinden, wenn sie etwa am Dach des Feuerwehrhauses, des Kindergartens oder der Schule Strom produzieren und verkaufen.“

„Regional oder lokal angesiedelte erneuerbare Energiegemeinschaften sind neue Akteure am Energiemarkt"

Der in Lilienfeld für Energie- und Umweltthemen zuständige Stadtrat Thomas Gravogl weiß in Sachen Energiegemeinschaften bestens Bescheid und nahm bereits an einer Online-Informationsveranstaltung über Energiegemeinschaften mit Landes-Vize Stephan Pernkopf teil. Dabei wurden die Möglichkeiten und die Sinnhaftigkeit, Energiegemeinschaften zu gründen, interessierten Kommunen präsentiert.

Gravogl ist von den Chancen der Energiegemeinschaft überzeugt und will ein entsprechendes Projekt rasch vorantreiben: „Mit den Energiegemeinschaften können wir Strom selbst produzieren und für eigene Gebäude nutzen, die sich beispielsweise aufgrund einer Schattenlage nicht für PV-Flächen eignen. Damit lässt sich der Eigenstromverbrauch deutlich heben und wir entlasten die überregionalen Stromnetze.“

Dazu betont er abschließend: „Mit der Servicestelle Energie Zukunft Niederösterreich sowie der Energie- und Umweltagentur NÖ haben wir uns Vollprofis für die Realisierung unserer PV-Projekte in die Gemeinde geholt, damit wir den Klimaschutz in Lilienfeld weiter aktiv vorantreiben können. Lilienfeld wird sich jedenfalls um ein Pilotprojekt bewerben.“