Einblicke in das Leben der Josefa Gober: Zeitzeugin erzählt

Entbehrungen, harte Arbeit und stolze Mutter: 95-Jährige aus Ramsau (Bezirk Lilienfeld) erzählt von damals.

Erstellt am 15. Januar 2022 | 05:48
Lesezeit: 2 Min
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Josefa Gober blickt auf ein abwechslungsreiches Leben mit vielen Entbehrungen zurück.
Foto: Wolfschwenger

„Manchmal trage ich ganz Niederösterreich am Buckel“, lacht die Ramsauerin Josefa Gober, „ich bin mit Niederösterreich sehr verwachsen, möchte nirgends anders leben“. Peperl (so nennen sie Freunde) Gober ist 95 Jahre jung – fünf Jahre jünger als das Land Niederösterreich, das heuer seinen 100. Geburtstag feierte, die NÖN berichtete in der Vorwoche:

Josefa Gober ist quirlig, gesellig, unternehmungslustig und für jeden Spaß zu haben.

„Ich hatte eine sehr karge, ja arme Kindheit, ein Apfel war schon was Besonderes“, erzählt Peperl Gober. „Der Schulweg im Winter war hart, wenn wir in der Schule ankamen, hatten wir Eisklumpen an den Wollstrümpfen und am Rocksaum, Hosen gab es für Mädchen nicht, der Lehrer setzte uns rund um den Holzofen, damit wir wieder halbwegs trocken wurden.“

Sie ist überzeugt, dass sie diese harte Kinderzeit zäh gemacht hat und dass sie aus diesem Grund heute noch so fit ist. „Natürlich hatten wir auch manchmal rotzige Nasen, aber gegen Husten gab es Eibischtee, gegen Fieber ein Stück Kren auf einer Schnur um den Hals gehängt.“ Daran erinnert sie sich noch gut. Sie braucht bis heute kaum Medikamente, berichtet sie stolz.

Natürlich hatten wir rotzige Nasen, aber gegen Husten gab es Eibischtee, gegen Fieber ein Stück Kren auf einer Schnur um den Hals gehängt.“ josefa Gober Pensionistin

Mit 17 Jahren, im November 1944, also mitten im Krieg kam sie nach Ramsau und trat ihren Dienst im Gasthof Gruber an. „Ich fuhr mit dem Rad vom Kerschenbach in St. Veit, dort bin ich aufgewachsen, nach Ramsau. Am halben Weg von Hainfeld nach Ramsau dachte ich mir, da bleibe ich nicht, so weit kam mir der Weg vor.“ Aber sie blieb – ein ganzes Leben lang. „Beim Gruber war ich Mädchen für alles, Kühe melken, Wäsche waschen und im Bach schwemmen, Zimmermädchen, in der Küche helfen und manchmal auch in der Gaststube servieren.“

So lernte sie ihren Mann, Heinz Gober, kennen, der unmittelbar danach einrücken musste. Sie warteten aufeinander und es wurde eine glückliche Ehe. Drei Kinder – Helga, Heinz und Anita – wurden geboren. Es war ihre schönste Zeit, sagt sie. Trotz Kriegs- und Nachkriegszeit.

Vor allem die Nachkriegszeit, in der wieder Armut und Entbehrung herrschte, möchte sie nicht mehr erleben. „Wir lebten in einem Raum mit einem Sessel, Helga war bereits auf der Welt.“ Aber sie waren fleißig, ein Motorrad ermöglichte ihnen Ausflüge in die nähere Heimat, nachbarschaftliche Geselligkeit war groß geschrieben. Sie bauten das Haus, in dem Josefa Gober heute noch lebt. Ihre Kinder und ihre Enkel leben nicht in der nächsten Umgebung, kümmern sich aber liebevoll um Mama und Oma.

„Wenn ich noch einmal auf die Welt kommen könnte, ich würde alles wieder genauso machen wie in diesem Leben.“