Franz Gschaider: Ein richtiges "Original" wird 90. Seit seinem 17. Lebensjahr raucht er, fettes Essen liebt er und zu Kriegsende hat er sich neun Tage unter Brettern und Laub eingegraben: Nun feiert der Ramsauer Franz Gschaider Geburtstag.

Von Traudl Wolfschwenger. Erstellt am 11. September 2020 (03:39)
Zu „seinen“ Fischen fährt Franz Gschaider noch täglich.
privat

Einen Fuß auf eine Mauer aufgestützt, meist eine Zigarette zwischen den Fingern – in dieser Pose kennt man ihn. Denn so steht er vor seinem Hauseingang auf Höhe der Ortstafel Ramsau und sieht jeden, der vorbeikommt. Viele bleiben stehen, um mit ihm zu reden. Die Rede ist vom „Gschaider Franzl“, auch unter dem Spitznamen „Sheriff“ bekannt.

Als er jünger war, saß er in seinem Jeep am Dorfplatz und wusste alles. Jetzt wird er 90 Jahre jung. Das bringt viele zum Staunen, man schätzt ihn jünger ein. Er ist noch sehr agil und überhaupt, er wird in der Bevölkerung als medizinisches Wunder gesehen: Seit seinem 17. Lebensjahr „tschickt“ Franz Gschaider, raucht mehrere Packerl Zigaretten am Tag. „Jetzt eh nur noch drei“, betont er die Reduzierung einer Packung. Selbst bei einem Aufenthalt im Krankenhaus wurden ihm die Zigaretten erlaubt.

„Der Gschaider darf rauchen“ so der Oberarzt, sonst rebelliert sein Organismus. Das medizinische Wunder Franz Gschaider ist aber weiterreichend: Am Abend ein Kaffee hindert ihn nicht, gut zu schlafen, am Morgen zum Tee ein Schluck Schnaps und zu Mittag fettes Fleisch. Seine Lieblingsspeise ist ein gebackenes Schnitzel aus Bauchfleisch. „Das Fett muss triefen“, lacht er. Tochter Monika, die ihn liebevoll umsorgt, hat resigniert, ihm „gesundes Leben“ beizubringen. Was er am Speisezettel gar nicht mag, ist Fisch. Aber gerade Fische bestimmen seit vielen Jahren einen großen Teil seines Lebens.

In seiner Jugend hat er geschickt Forellen mit der „Maxn“ (Drahtschlinge) aus dem Ramsaubach, der Inneren Gölsen, geholt. Und weil er so viel Erfahrung hatte mit heimischen Fischen, bekam er die Fischaufsicht über die Fischteiche der Familie Pauker. Zu „seinen“ Fischen fährt er heute noch täglich mehrmals ins Haraseck, nachschauen, ob es ihnen gut geht. „Es zieht mich einfach hin zu den Fischteichen“ , erklärt er sein Interesse. Gschaiders Interesse gehört aber auch der Jagd, vom Jagdaufseher wurde er in den 70er-Jahren zum Jagdverwalter ernannt, ein Amt, das er noch innehat. Jetzt denkt er daran, aufzuhören, weil ihm alles zu bürokratisch wird, er will lieber von der Stube hinaus in die Natur. In der Stube, sprich Wirtshaus, hält er sich nur zum Schnapsen auf.

„Das Fett muss triefen.“ Franz Gschaider (90) zu seinen Essensvorlieben

Als Junger hat er im Steinbruch gearbeitet, hat Luftschutzkeller gebaut und das Sägewerk Steigenberger mit aufgebaut, das im Krieg abgebrannt ist. Dem Sägehandwerk, als „Sagler“ wie es im Volksmund heißt, blieb er bis zu seiner Pensionierung treu.

Russen hielten Gschaider für SS-Mann

Eine schreckliche Erinnerung hat er an die Kriegszeit, davon erzählt er oft. Und die Geschichte ist auch im Buch von Franz Vonwald („Gegen das Vergessen“) nachzulesen. Als Franz knapp vor Ende des 2. Weltkrieges zum Volkssturm einberufen wurde, hat er sich versteckt – im Wald unter einem Felsen beim Großbichler-Bauern. Mit seinem älteren Bruder Ignaz und Hermann Eder, die beide auch desertiert waren. Sie haben sich neun Tage eingegraben, unter Brettern und Laub. Franz war glücklich, davongekommen zu sein. Aber zu früh, denn dann wollten ihn die Russen erschießen, die ihn ob seiner Kleidung für einen SS-Mann hielten. Ladi, ein ukrainischer Kriegsgefangener, rettete ihm das Leben, er sprach russisch. Franz Gschaider kam mit dem Leben davon. Ein Leben, mit dem er nie zimperlich umging. Glück hatte er wiederholt, immer wieder hatte er Unfälle. Einmal, am Sägewerk, so erzählt er, beim Ausschneiden von Bauholz, kamen die Bloche ins Rollen, sein linkes Bein war nur noch „Brei“.

Auch seinen Geburtstag wird er mit einer Verletzung an der Hand feiern. Beim Holzschlichten fielen ihm Scheiter auf die Schulter und den Arm. Mit Hausmitteln bringt er die Wunde wieder zum Heilen. . .