Silvester mit Nachspiel: 24-Jähriger rastete aus. Vorbestrafter konnte sich im Nachhinein nicht mehr an heftigen Widerstand gegen seine Festnahme erinnern. Richter verhängte ein Jahr unbedingte Haft.

Von Bernhard Herzberger. Erstellt am 21. Februar 2021 (03:42)
Am Landesgericht St. Pölten warteten Richter und Zeugen vergeblich auf den Angeklagten.
Erna Kazic

„Ich geh´ ja auf jeden los, wenn ich was getrunken habe“, zeigte sich der Mann bei seiner Einvernahme am Landesgericht St. Pölten reumütig. Nach dem Konsum von fünf Bier, acht Jägermeister-Fläschchen und drei Gin-Tonic hatte er in der Silvesternacht bereits um 23.30 Uhr genug gehabt vom Feiern mit den Freunden. „Wie ich an die frische Luft gegangen bin, war Schluss“, beschreibt der 24-Jährige auf Nachfrage des Richters seine letzten Erinnerungen in St. Veit.

„Ich geh´ ja auf jeden los, wenn ich was getrunken habe“,

„Er war schwer angeschlagen. So einen Rausch hat er selten“, schilderte der Sohn des Stiefvaters des Betrunkenen, bei dem dieser anschließend eintraf und randalierte. Die zu Hilfe gerufenen Polizeibeamten versuchten, ihn zum Schlafengehen zu überreden und ins Haus zu geleiten. Dabei stieß der Alkoholisierte eine Beamtin zur Seite. Ob eine Hautabschürfung am Bein, die ein anderer Polizist nach dem Einsatz feststellte, auch von der heftigen Gegenwehr des Angeklagten stammte, konnte der Richter nicht klar zuordnen. Ein versuchter Faustschlag gegen einen weiteren Beamten im Zuge der anschließenden Arrestierung dürfte wegen eines Schlauchschals, den dieser trug, seine Wirkung verfehlt haben. Deshalb sprach der Richter den Mann vom Vorwurf der Körperverletzung frei.

„Bei ihnen war es leider fünf nach zwölf“

Der Widerstand gegen die Staatsgewalt wurde dem Beklagten jedoch, nicht zuletzt aufgrund seiner Vorstrafen, unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und eines Autounfalls unter Alkoholeinfluss, zum Verhängnis. Der Richter sah, trotz Bereitschaft des Mannes, eine langfristige Therapie anzutreten, keine mildernden Umstände: Bei manchen stelle sich die Einsicht fünf vor zwölf ein. „Bei ihnen war es leider fünf nach zwölf“, meinte der Richter und lehnte auch die bedingte Nachsicht der Strafe bei Inanspruchnahme einer Therapie beim Grünen Kreis — wie von der Verteidigung beantragt — ab.

Fazit für den Angeklagten: Ein Jahr unbedingt mit Therapie und fünf Monate Haft aus einer teilbedingten Vorstrafe — abzüglich der eineinhalb Monate Untersuchungshaft, die er bereits verbüßt hat.