Gemeinde Eschenau wegen Lärm verklagt. Anrainer zogen wegen fußballspielender Jugendlicher vor Gericht. Sie wollen den Platz im Betriebsgebiet sehen.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 12. Mai 2021 (04:25)
Die Kinder der Huber-Wiese wollen weiter am Funcourt Ball spielen. Dafür setzen sich nun ihre Eltern ein. Für die Klage von Anrainern wegen Lärmbelästigung zeigen sie kein Verständnis.
privat, privat

Der Funcourt, das Jugendsportareal auf der Huber-Wiese, brachte der Gemeinde eine Klage ein. Streitwert des Unterlassungsbegehrens: 3.500 Euro. Der Grund: wiederkehrende Lärmbelästigung durch Fußballspielen.

„Es kann nicht sein, dass man Kinder extra zum Spielen wo hinführen muss.“ Alois Kaiser, Bürgermeister

Die Sache landete am Bezirksgericht. Kläger ist die Familie Niese, die unweit, wenn auch nicht direkt angrenzend, des Funcourts wohnt. „Unsere Lebensqualität ist durch den Lärm vom Funcourt stark eingeschränkt. Wenn man im Garten ist, hört man das Prellen der Bälle, im Haus ebenso“, weiß Roland Niese. Er hatte eine Zeitlang im Haus seiner Eltern als Selbstständiger hier sein Büro eingerichtet. Seit Jahren kämpft seine Familie schon für eine Verminderung des Lärmaufkommens und hat sich immer wieder an die Gemeinde gewendet. Dass diese reagiert hat, bestätigt Niese.

Die Maßnahmen hätten jedoch keine Verbesserung gebracht. Probleme gab es seit der Eröffnung 2015. Volleyball wurde nur am Anfang gespielt, die Basketballkörbe waren bald kaputt und wurden entfernt. Bälle flogen in einen angrenzenden Garten, auch eine Außen-Jalousie ging zu Bruch. Die Gemeinde antwortete: Ein Netz wurde aufgestellt, ein Schallschutz errichtet. Volley- und Basketball war nun aufgrund des Netzes nicht mehr möglich.

„Der Multi-Funcourt ist somit nur mehr ein Fußballplatz. Dieser wird aber kaum von Anrainerkindern, sondern vorrangig von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zum Teil aus umliegenden Orten, genutzt“, weiß Niese. Und diese seien, so seine Erfahrungen, nicht besonders einsichtig – vor allem, wenn es um die Einhaltung der Spielzeiten am Abend geht. „Wenn man sie darauf hinweist, wird man meist ignoriert“, bestätigt sein Vater Kurt Niese. Die Nieses sahen sich deswegen bereits gezwungen, die Exekutive wegen Lärmerregung zu rufen. Wenn der Spiellärm aber noch innerhalb der erlaubten Zeit ist, sind der Polizei die Hände gebunden.

Die meisten Anrainer stört der Funcourt nicht

Lösungsansatz der Familie Niese: Den Funcourt verlegen, am besten ins Betriebsgebiet Rotheau. Dort zwischen Firmen würde der Lärm nicht stören. „Es kann nicht sein, dass man Kinder extra zum Spielen wo hinführen muss“, meint dazu Bürgermeister Alois Kaiser. Immerhin müssten diese dann die Siedlung zum Spielen verlassen und die stark befahrene Bundesstraße 20 queren. Aussagen von anderen Siedlungsanrainern unterstreichen die Notwendigkeit des Funcourts für die Kinder der Huber-Wiese. Und dieser soll – zu den vorgegebenen Zeiten – Kindern und Jugendlichen, ebenso aus der Umgebung, zur Verfügung stehen.

Am Mittwoch fand im Rahmen des richterlichen Lokalaugenscheins eine Zeugenanhörung von Anrainern statt, auch wurde ein „Testspiel“ durchgeführt. Ein Urteil des Gerichts steht noch aus.

„Die meisten Anrainer, die befragt wurden, stört der Funcourt aber nicht“, stellt Bürgermeister Alois Kaiser fest. Eine Sportanlage mitten in einem Gebiet, wo selbst viele Familien mit Kindern wohnen, sieht er als notwendige Infrastruktur. Denn: „Man muss Kindern attraktive Freizeitangebote schaffen, gerade in Zeiten wie diesen“, resümiert der Ortschef.