„Auftrag hat sich stetig verändert“: Lilienfelder LK-Leiter in Pension

Erstellt am 06. Juli 2022 | 05:54
Lesezeit: 6 Min
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Günther Suppan war seit Mai 2015 kaufmännischer Standortleiter im Landesklinikum Lilienfeld.
Foto: Zauner
Günther Suppan sprach mit uns über Erreichtes und neue Herausforderungen für das Spital.
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Mit 1. Juli hat sich Günther Suppan als langjähriger kaufmännischer Standortleiter des Landesklinikums Lilienfeld in die Pension verabschiedet. Die NÖN bat ihn zum Interview.

NÖN: Was hat sich im Landesklinikum Lilienfeld in den letzten zehn Jahren Gravierendes verändert?

Günther Suppan: Durch den Generationenwechsel der letzten Jahre in der medizinischen Führung hat sich auch der Versorgungsauftrag des Landesklinikums stetig verändert. Neue Schwerpunkte in der medizinischen Versorgung unserer Patientinnen und Patienten haben sich daraus ergeben. Beispielhaft angeführt sei hier die Unfallchirurgie, welche sich in der rekonstruktiven Gelenkschirurgie weit über die Bezirksgrenzen hinaus einen Namen gemacht hat. Aber auch länderübergreifende Kooperationen wurden im Rahmen der Zertifizierung unseres Beckenbodenzentrums eingegangen. Weitere Kooperationen mit dem Universitätsklinikum St. Pölten haben das medizinische Leistungsgeschehen im Landesklinikum Lilienfeld erweitert. Im Hinblick auf das Haus gab es auch einige Investitionen, die zur Vermeidung des CO₂-Ausstoßes beigetragen haben. So wurde die Heizung und Warmwasseraufbereitung von Gas auf Fernwärme aus Biomasse umgestellt. Die für Operationssäle, Intensivstation und ausgewählte Behandlungsräume notwendige Klimaanlage wurde auf eine „Free cooling“- Anlage umgestellt, sodass in der kühlen Jahreszeit mit einem erheblich geringeren Energieaufwand gekühlt werden kann. Um die Sicherheit unserer PatientInnen und MitarbeiterInnen zu erhöhen, wurde im gesamten Haus ein elektronisches Zutrittssystem eingebaut.

„Ein Meilenstein war wohl die Errichtung der neuen Operations- säle sowie die Erneuerung der Aufwachzone und der Intensivstation.“ Günther Suppan Kaufmännischer Standortleiter

Worauf sind Sie in Ihrer Amtszeit besonders stolz?

Eine der großen Herausforderungen in meiner Anfangszeit als Leiter der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) war die Erneuerung des IKT-Netzwerks in Zusammenarbeit mit der Betriebstechnik des Landesklinikums Lilienfeld. Dazu gehörte die Installation eines Glasfaser- und Kupfernetzwerks sowie die Errichtung der elektrischen Versorgung aller notwendigen Netzwerkkomponenten. Serverräume wurden umgebaut und weit über hundert PC-Arbeitsplätze installiert und in Betrieb genommen. Viel investiert wurde auch in die Redundanz der IT-Kernsysteme, um sie so ausfallsicher wie nur möglich zu machen.

Gibt es weitere wichtige Projekte, die in Ihre Zeit als IKT-Leiter fallen?

Ja, ein neues Krankenhausinformationssystem wurde in Betrieb genommen und ständig den Anforderungen entsprechend erweitert. Diverse Subsysteme, wie ein RIS/PACS-System (Radiologie), ein neues Laborsystem, ein OP-Dokumentationssystem und viele weitere medizinische Systeme sind über die Jahre hinzugekommen.

Was würden Sie als Meilensteine bezeichnen?

Ein wesentlicher Meilenstein in der Entwicklung des Hauses war wohl die Errichtung der neuen Operationssäle sowie die Erneuerung der Aufwachzone und der Intensivstation. Die stufenweise Inbetriebnahme erfolgte ab dem Jahr 2018. Im Bereich der ambulanten Versorgungseinheiten wurde ein interdisziplinärer Aufnahmebereich geschaffen, in dem PatientenInnen mit nicht klar definierten Krankheitsbildern abgeklärt werden können und rasch einer entsprechenden Therapie zugeführt werden. Neu adaptiert und umgebaut wurde der ganze Bereich der Radiologie sowie der Austausch der Modalitäten vorgenommen. Die bestehende Computer-Tomographie wurde mit einem neuen Gerät ausgestattet. Damit gelang es, die Diagnostik in diesem Bereich wesentlich zu verbessern. Beinahe unzählige Instandhaltungsprojekte wurden in den letzten Jahren umgesetzt. Beispielhaft angeführt sei hier der Umbau der Dienstzimmer der Abteilungsleiter sowie der Büros für die medizinischen Schreibkräfte. Saniert wurden in den letzten Jahren alle Flachdächer des Klinikums sowie der Innenhof des Oktagons (Haus A), wo die Fassade erneuert und alle Fenster ausgetauscht wurden.

Sind auch für dieses Jahr noch wichtige Projekte geplant?

Ja, am Klinik-Areal werden vier Stromtankstellen für E-Autos errichtet. Geplant ist auch eine Photovoltaikanlage auf den Flachdächern des Klinikums.

Stichwort Pandemie: Wie wurde diese bisher im Landesklinikum gemeistert?

Ich bin natürlich auf all unsere MitarbeiterInnen, welche in der Pandemie Außerordentliches geleistet haben, besonders stolz. Die Pandemie, welche uns im März 2020 voll getroffen hat, hat viele unserer MitarbeiterInnen an ihre Belastungsgrenze gebracht. Ihnen allen gilt mein besonderer Dank. Durch ihren unermüdlichen und großartigen Einsatz konnten wir stets die Versorgung unserer PatientInnen sicherstellen. Der geleistete Arbeitseinsatz spiegelt sich auch in den Patientenumfragen der letzten Jahre wider. Über mehr als zwölf Jahre hinweg war das Landesklinikum Lilienfeld immer unter den top drei bewerteten Kliniken unter 300 Betten.

Vor welchen Herausforderungen steht das Spital in nächster Zeit?

Ich denke, dass uns das pandemische Geschehen noch länger begleiten wird. Die wesentliche Herausforderung der nächsten Zeit wird die durchaus aufwendige Versorgung unserer Corona-PatientInnen aus dem Bezirk und darüber hinaus bleiben. Neben der Behandlung unserer Corona-PatientInnen ist es auch weiterhin unser Ziel, PatientInnen mit anderen Krankheitsbildern so gut als möglich ohne Einschränkungen zu behandeln. Neue medizinische Aufgabengebiete werden auf uns zukommen, welche zu Veränderungen unseres Versorgungsauftrages führen werden.

Was geben Sie Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg?

Sie möge die erfolgreiche Arbeit der gesamten Klinikleitung bestmöglich unterstützen, entsprechend weiterführen und die Weiterentwicklung des Landesklinikums Lilienfeld vorantreiben. Viele Projekte stehen an, welche es mittel- bis langfristig umzusetzen gilt. Größere Bauvorhaben wie die Erneuerung des ambulanten Behandlungsbereichs, der Geburtshilfe und die Erweiterung der bestehenden Parkplätze stehen an. Betriebsorganisationskonzepte und eine entsprechende Grobplanung für oben genannte Projekte wurden bereits begonnen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Politik und Behörden?

Es gab eine uneingeschränkte Vertrauensbasis in der Zusammenarbeit mit der Politik und den Behörden. Besonderer Dank gilt hier allen voran unserem Bundesrat Karl Bader. Er hatte in unseren regelmäßig stattfindenden Abstimmungsgesprächen immer ein offenes Ohr für die Wünsche und Anliegen unseres Klinikums. Durch seine Unterstützung konnte letztendlich der OP-Neubau und Umbau der Intensivstation in Angriff genommen werden. Mein Dank gilt auch dem amtierenden Bezirkshauptmann Franz Kemetmüller, der uns regelmäßig zu den Sicherheitsstammtischen der Blaulichtorganisationen des Bezirks eingeladen hat. Auch in der Pandemie ist die Zusammenarbeit von Erfolg geprägt und mehr oder weniger friktionsfrei abgelaufen. Weiters bedanken möchte ich mich für die großartige Zusammenarbeit mit Bürgermeister Wolfgang Labenbacher und Bezirkspolizeikommandanten Michael Hochgerner. Mit allen war ich über die letzten Jahre hinweg in engem Kontakt. Vielen Dank!

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