Lilienfelder Bezirks-Duo: „Große Konkurrenz für heimisches Holz“

Aktualisiert am 02. August 2022 | 20:01
Lesezeit: 5 Min
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Obmann Rudolf Buchner mit seinem Sohn bei der Waldarbeit.
Foto: privat
Es brauche einen ganzheitlichen und langfristigen Blick auf die Holzbrennstoffe, appellieren Stefan Tröstl von der Waldwirtschaftsgemeinschaft Türnitz und Lilienfelds Bezirksbauernkammer-Obmann Rudolf Buchner.
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Gerade bei den Holzbrennstoffen ist der Bezirk Lilienfeld in der glücklichen Lage, stabiles Heizmaterial, das ständig nachwächst, zur Verfügung zu haben. Stefan Tröstl von der Waldwirtschaftsgemeinschaft Türnitz und Bezirksbauernkammer-Obmann Rudolf Buchner drängen aber auf eine langfristige Sichtweise und hoffen auf einen Lerneffekt aus der jetzigen Situation.

NÖN: Sie sagen, es gebe kein Problem, die heimische Bevölkerung über die Bezirksgrenzen hinaus zu versorgen. Wie sieht die Situation nun tatsächlich aus?

Stefan Tröstl: Holzbrennstoffe wie Brennholz, Hackschnitzel oder Pellets haben in der Vergangenheit mit billigen Gas- und Ölbrennstoffen, das heimische Holz mit billigem Auslandsholz konkurrieren müssen. Die gezielte Erzeugung war daher oft nicht wirtschaftlich. Brennholz benötigt außerdem eine gewisse Lagerzeit zum Trocknen – ein bis zwei Jahre ohne künstliche Trocknung. Brennholzerzeugung bindet also Kapital und ist obendrein noch arbeitsintensiv. Die verfügbaren Arbeitszeiten und Arbeitskräfte in den Betrieben haben sich aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen und des Strukturwandels in der Land- und Forstwirtschaft reduziert. Deswegen ist die Brennholzproduktion in vielen Betrieben auf Stammkunden reduziert oder gänzlich aufgegeben worden. Für meinen Betrieb kann ich sagen, wir haben die Brennholzproduktion auf den Eigenbedarf reduziert, da die Arbeitszeit knapp ist und ich das auch für ein bis zwei Euro je Arbeitskraftstunde nicht machen würde.

Rudolf Buchner: Herr Tröstl hat die Lage sehr gut beschrieben. Ich möchte aber schon darauf hinweisen, dass wir, die Land- und Forstwirtschaft, den Menschen in der Region ein verlässlicher und fairer Partner sein wollen, heute und auch in Zukunft. Wir bemühen uns auch, die Mengen an Brenn- und Energieholz, die benötigt werden, bereitzustellen. Es schmerzt sehr, wenn man bedenkt, dass bei uns quer durch den Bezirk die Gasleitung in die Gemeinden geht, weil es bis heute das billigste, aber nicht nachhaltigste war, wobei wir der waldreichste Bezirk sind und täglich in Österreich sechs Hektar, also acht Fußballfelder Wald, zuwachsen. Holz ist in unserer Region mit Sicherheit der nachhaltigste Brennstoff und in ausreichender Menge durch unsere nachhaltige Bewirtschaftung vorhanden. Leider Gottes kommt es heuer im Herbst durch mehrere Faktoren zu einigen Engpässen.

Nachfrage und Kosten von Brennholz sind gestiegen, weshalb?

Tröstl: Aufgrund des Ukrainekriegs, aber auch gestiegener Transportkosten sind jetzt kurzfristig viele Auslandslieferungen, vor allem für Baumärkte, weggefallen. Das erhöht die Nachfrage nach heimischem Holz, dies kann aufgrund der Vorlaufzeit nicht kurzfristig kompensiert werden. Dazu kommt wegen des hohen Gas- oder Ölpreises eine zusätzliche Nachfrage nach Brennholz. Viele wollen nun wieder den Kachelofen heizen. Das macht einen Teil der Preissteigerung aus. Ein anderer Teil ist sicher die Anpassung des Preises an die Kostenwahrheit, Stichwort Arbeitsentlohnung. Der größte Teil der Preissteigerung beim Brennholz liegt aber in den gestiegenen Produktionskosten. Die zur Produktion (Schlägerung, spalten, lagern, schneiden, liefern) notwendigen Energiekosten haben sich zumindest verdoppelt. Dazu kommt, dass gerade beim Rohstoff Holz gleichzeitig, vor allem im Faser- und Energieholzsektor, eine Preissteigerung stattfindet. Denn auch diese Produktion war in den letzten Jahren nicht wirtschaftlich und wurde auf das Notwendigste beschränkt. Trotz alldem ist die Preissteigerung bei den Holzbrennstoffen die geringste von allen Brennstoffen.

Brennholz hat also Zukunft und wird eine stabile Energieform sein?

Tröstl: Die Brennholzproduzenten in den Waldwirtschaftsgemeinschaften haben im vergangenen Winter und Frühjahr reagiert, mehr Brennholz erzeugt. Die Versorgung der Stammkunden ist auf jeden Fall gewährleistet und auch für Neukunden ist eine gewisse Menge vorhanden. Die Mengen werden derzeit in den Waldwirtschaftsgemeinschaften auch gebündelt. Man kann daher beruhigen und auf lange Sicht schauen. Holzbrennstoffe, insbesondere Brennholz und Hackschnitzel – ob eigener Kessel oder Fernwärme – werden nachhaltig die stabilste Energieform sein.

Was raten Sie den Kunden?

Tröstl: Ich rate, einen regionalen Partner zu suchen, im Herbst die Menge einzulagern, die man für die Heizsaison braucht, und gleichzeitig eine Vorbestellung für das kommende Jahr zu machen. Das bringt für beide Seiten Planungssicherheit. Wer das nicht macht, wird für die nächsten Jahre wahrscheinlich diversen Preisausschlägen ausgeliefert sein. Hamsterkäufe sind bei Brennholz absolut nicht notwendig, und wenn man keine guten Lagermöglichkeiten hat, sogar ein doppelter Schuss ins Knie, denn schlecht gelagertes Holz verliert an Heizwert. Langjährige Stammkunden, die treu über Jahre ihre Menge bei den Bauern direkt gekauft haben, erfahren derzeit die geringsten Preissteigerungen.

Buchner: Wichtig ist es in Zukunft auf jeden Fall, sich langfristige und regionale Partner zu suchen und früher die Mengen bekannt zu geben, damit das Brennholz auch rechtzeitig vorbereitet werden kann. Generell hoffe ich, dass wir aus dieser momentanen Situation lernen und in Zukunft verstärkt wieder auf unsere regional verfügbaren Ressourcen aus der Land- und Forstwirtschaft zurückgreifen.

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