39-Jähriger wegen Wiederbetätigung verurteilt. 39-Jähriger muss wegen Wiederbetätigung ein Jahr in Haft absitzen.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 08. Oktober 2019 (14:12)
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Symbolbild

„Er ist von einfacher Persönlichkeit und wollte wertgeschätzt werden“, sagt eine Rechtsanwältin in einem Prozess wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung über einen 39-Jährigen aus Traisen. NS-Devotionalien hortete dieser und verschickte NS-Propaganda via WhatsApp und Postings.

Den Nationalsozialismus verherrlicht zu haben, gibt der 39-Jährige im Geschworenenprozess am Landesgericht in St. Pölten nicht zu. „Er ist ein geschichtlich interessierter Sammelnarr“, erklärt seine Verteidigerin. Die Staatsanwältin glaubt das nicht. „Als Jugendlicher war er ein Skinhead. Er sagt, dass er damals ein Nazi war. Einmal Nazi, einmal Sammler, das kann man im Kopf nicht trennen. Seine innere Haltung hat er nicht aufgegeben, die Leidenschaft für diese Zeit nicht abgelegt.“

Tellermine unter einem Gitterbett gefunden

Den Fall ins Rollen brachte ein Freund des Angeklagten. Er erstattete Anzeige beim Verfassungsschutz, nachdem er bei dem 39-Jährigen ein Foto seiner Kinder samt Handgranate am Tisch gesehen hatte. „Er lebt im Dritten Reich“, erzählt der Mann. Die Ermittler fanden bei dem Angeklagten ein Waffenlager, unter einem Gitterbett eine Tellermine, NS-propagandistische Bilder und Texte, ein SS-Liederbuch auf seinem Handy sowie ein Foto, auf dem der 39-Jährige die Hand zum Hitlergruß erhebt. In einem Zimmer, genannt „Mein Lager“, hortete er die Devotionalien. Bei seiner Verhaftung trug er ein T-Shirt mit einem Bild von deutschen Soldaten und der Aufschrift „Bei Opa war noch alles in Ordnung“.

„Die NS-Devotionalien sind nur ein kleiner Teil meiner Sammlung“, erklärt der Traisner im Prozess, „mehr habe ich aus der Kaiserzeit.“ Und er fügt hinzu: „Wenn man einseitig sammelt, kommt man in den Verdacht, ein Nazi zu sein.“

Im Internet in einem Forum für militärhistorisch Interessierte präsentierte er Fotos aus seiner Sammlung. „Nur damit Historiker den Wert der Gegenstände feststellen“, erklärt er. „Anhand der Fotos weiß man aber nicht, ob die Devotionalien echt sind oder aus dem 3D-Drucker“, kontert darob der Richter. Und sagt: „Für Verurteilung reicht es, NS-Devotionalien zur Schau zu stellen und somit deren Bedeutungsinhalt wiederzugeben.“

Fotos von Damen mit Hakenkreuzen im Schambereich verschickte der Angeklagte. Das habe er „lustig gefunden“.

Vorstrafen hat der 39-Jährige zu Buche stehen, Gefängnis fasste er bereits aus, nachdem er einem Freund mit einem Bajonett zwei Stiche in den Bauch versetzt hatte. Nun setzt es drei Jahre teilbedingt, ein Jahr davon hinter Gittern. Psychotherapie wird verordnet. Das Urteil ist rechtskräftig.