"Blut spritzen gesehen!". Seine Freundin malträtierte ein 22-Jähriger, mit Rosen entschuldigte er sich für brutale Taten. "Kranke Psyche", meint nun der Richter und verhängt zehn Monate teilbedingt.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 27. Oktober 2014 (15:36)
NOEN, Erwin Wodicka

„Am liebsten würde ich dir dein Gesicht brechen, hat er gesagt. Es war schon normal, dass ich eine gekriegt hab’“, erzählt eine junge Frau von Misshandlungen. Auf der Anklagebank vor dem Richter sitzt deren Ex-Freund.

Fortgesetzte Gewaltausübung gesteht der 22-jährige Traisner nur teilweise. „Mein Mandant hat Probleme, sein Temperament zu zügeln. Warum wird er belastet? Das Opfer hat ihm nachgestellt, er hat das aber abgelehnt“, meint der Verteidiger des Angeklagten. „Was sie mir vorwirft, ist ein Racheakt“, mutmaßt dieser.

Das Opfer berichtet von stetig steigender Gewalt. „Wir haben uns beim Fortgehen kennengelernt, anfangs war es nur Freundschaft, wir hatten Kontakt über Facebook. In unserer Beziehung hat er mich zuerst beschimpft, Monate später ist es ärger geworden. Einmal hat er mich an der Hand gezogen, ich bin mit dem Kopf gegen eine Mauer, kurz war ich weg. Nach dem Vorfall hat er mich angerufen, ich hab’ ihm verziehen“, erzählt die Zeugin im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Kopf gegen Armaturenbrett geschlagen

Lange währte der Frieden nicht. „Beim Autofahren hat er mit seiner Hand gegen meine Nase geschlagen, ich hab’ Blut spritzen gesehen. Ein anderes Mal meinen Kopf gegen das Armaturenbrett. Unter Tränen hat er mir versichert, wie leid es ihm tut. Einmal habe ich eine Ohrfeige bekommen, dass es mich gedreht hat. Mit Rosen hat er sich da entschuldigt“, so das Opfer.

Und weiter: „Alkoholisiert und aggressiv ist er von einer Weihnachtsfeier gekommen, hat gegen meinen Bauch geschlagen, mich vom Bett geschmissen und mich ins Kreuz getreten. Und im Sommerurlaub wollte ich ihn in der Früh wecken, da hab ich vier Ohrfeigen bekommen, an den Haaren hat er mich gerissen und meinen Hinterkopf gegen eine Mauer geschlagen. Danach hat er mir vorgeworfen, dass ich selbst schuld wäre, denn wenn ich ihn nicht geweckt hätte, wär’s ja gar nicht so weit gekommen.“

Kontaktverbot verhängt

„80 Prozent der Schläge hast du verdient“, soll der Peiniger via SMS mitgeteilt und auch gedroht haben, die Familie seiner Freundin umzubringen. „Unsere Tochter war hörig, gefangen in dieser Beziehung“, so die Mutter des Opfers.

Von „kranker Psyche“ des Angeklagten spricht der Richter und verurteilt diesen zu zehn Monaten teilbedingt. Den unbedingten Teil davon, ein Monat, verbüßte der 22-Jährige bereits in U-Haft. Psychotherapie wurde weiters verordnet und ein Kontaktverbot verhängt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.