Tourismusobmann Aichberger: „Erwarten ein besseres Ergebnis“

Manuel Aichberger über die Prognosen für die bevorstehende Wintersaison und die Sommer-Bilanz im Bezirk.

Erstellt am 20. Oktober 2021 | 05:12
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„Die Einhaltung beziehungsweise Kontrolle der 3G-Regel wird mit Sicherheit eine besondere Herausforderung werden“, sagt Manuel Aichberger, der Obmann des Tourismusverbandes Traisen-Gölsental, zur bevorstehenden Wintersaison.
Foto: Thomas Dobner

NÖN: Die Sommersaison biegt in die Zielgerade: Wie ist diese in der Hotellerie des Bezirkes Lilienfeld verlaufen?

Manuel Aichberger: Aktuell liegen nur die Zahlen von Mai bis Juli 2021 vor. In diesem Zeitraum liegen die Zahlen ähnlich wie 2020, aber doch noch immer sehr deutlich hinter den Zahlen aus dem Jahr 2019. 2019 hatten wir rund 55.000 Nächtigungen. Dem stehen aktuell 37.000 Nächtigungen gegenüber. Wenn man sich die einzelnen Monate ansieht, dann merkt man, dass die Sommermonate leider nicht so positiv waren wie 2020. Aus meiner Sicht gab es mehrere Gründe dafür: Der Hunger der Gäste nach Sonne und Meer beziehungsweise auch in westlichere Bundesländer zu fahren, war im heurigen Sommer wieder leichter zu stillen als noch im Vorjahr. Wir haben doch einige Betriebe und damit Betten verloren (unter anderem Punz-Bertl in Türnitz oder Hotel am Annaberg). Zudem gab es auch den einen oder anderen Betreiberwechsel, bei dem sich die Betriebe erst so richtig neu positionieren mussten. Außerdem war das Wetter in den Sommermonaten insgesamt sehr durchwachsen. Das Gruppengeschäft ist komplett eingebrochen und hat sich noch immer nicht auf Vorkrisen-Niveau erholt.

Das Gruppen- geschäft ist komplett eingebrochen und hat sich noch immer nicht auf Vorkrisen-Niveau erholt.“ Manuel Aichberger Obmann des Tourismusverbandes Traisen-Gölsental

Und wie schaut es bei den Tagesausflugszielen aus?

Aichberger: Auch hier mussten wir eine deutlich geringere Auslastung als 2020 feststellen. Wurde 2020 der alpine Teil des Mostviertels nahezu gestürmt, war dies im heurigen Sommer leider nicht so stark der Fall. Im Naturpark etwa lag der Rückgang gegenüber einem durchschnittlichen Sommer bei rund 20 Prozent. Der Herbst mit stabilerem Wetter hat durchaus positive Auswirkungen – wie stark dies noch in der Statistik spürbar sein wird, wird sich zeigen. Die Gemeindealpe hat einen durchaus positiven Sommer gehabt und weist ähnliche Zahlen wie im Vorjahr auf. Annaberg wurde hingegen im heurigen Jahr ebenfalls nicht derart „gestürmt“ wie im letzten Jahr. Die Frequenz am Traisentalradweg war sehr zufriedenstellend, allerdings hat auch hier das Wetter die Bilanz etwas getrübt.

Was wird aus touristischer Sicht die größte Herausforderung für die bevorstehende Wintersaison?

Aichberger: Die Einhaltung beziehungsweise Kontrolle der 3G-Regel wird mit Sicherheit eine besondere Herausforderung werden, da in kurzer Zeit zu Beginn des Tages viele Menschen gleichzeitig kontrolliert werden müssen. Wenn es gelingt, diesen Prozess auch im Vorfeld digital zu lösen, dann wäre es sicher sehr hilfreich. 2G-Personen können aber mit einem uneingeschränkten Wintergenuss rechnen. Die Erfahrungen des letzten Jahres sind sicher sehr hilfreich in der Bewirtschaftung des heurigen Winters. Eine Restriktion bei den Kapazitäten wird es wohl geben. In Verbindung mit Nächtigungsgästen, die wieder dazu kommen, wird es hier eine enge Abstimmung zwischen Betrieben und Liften geben müssen. Gastro und Beherbergung sollten ähnlich funktionieren, wie es auch schon im heurigen Jahr war.

Erwarten Sie bezirksweit betrachtet ein besseres Nächtigungsergebnis als im Winter 2020/2021?

Aichberger: In jedem Fall erwarten wir ein besseres Ergebnis als im letzten Winter, da die vergangene Saison nächtigungstechnisch ein Totalausfall war. Die Zahlen der früheren Winter werden wir aber wohl kaum erreichen.

Stichwort Wintersport: Sehen Sie die Lift- und Langlaufbetriebe gut gerüstet?

Aichberger: Unsere Betriebe sind grundsätzlich sehr gut gerüstet. Es gibt eine sehr enge und positive Zusammenarbeit zwischen den regionalen Liftbetreibern, den Landesstellen und auch den Tourismusdestinationen. Aufgrund der Erfahrungen des letzten Jahres, die heuer noch verfeinert werden können, wird der Ablauf noch besser funktionieren. Nächtigungsgäste werden unter der Woche für höhere Auslastung sorgen. Ich glaube, dass insgesamt eine bessere Wintersaison als im letzten Jahr zu erwarten ist. Von einem „Normalbetrieb“ werden wir aber wohl noch sehr weit entfernt sein.