19-Jähriger vor Gericht: „Wie ein schlechter Film“ . 19-Jähriger raubte Traisner Drogen. Spektakuläre Flucht gelang, doch verärgerte Tschetschenen suchten ihn in Horn heim.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 17. September 2020 (04:58)
Anstatt das Cannabis zu zahlen, ergriff der 19-Jährige damit die Flucht. Bei dieser half ihm sein Freund.
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Räuberischer Diebstahl, unerlaubter Umgang mit Suchtmitteln, Verkauf von Drogen: Die Delikte, für die sich ein erst 19-Jähriger aus dem Horner Bezirk am St. Pöltner Landesgericht verantworten musste, wiegen schwer. So soll er einem Traisner Dealer in Lilienfeld rund ein Kilo Cannabis gestohlen haben.

Wie es zum Raub gekommen sei, will der Richter wissen. Er sei in Amstetten von einem Tschetschenen, von dem er Drogen bezog, bestohlen worden. Diesen Schaden wollte er ersetzt haben, schildert der Angeklagte. Man vereinbarte, in Traisen von einem Dealer Cannabis zu kaufen. Er schmiedete mit einem Freund jedoch den Plan, die heiße Ware zu rauben. Mit dem Tschetschenen sei man nach Traisen gefahren, wo man auf die Lieferanten gewartet hätte.

Dealer wollten ihn aus dem Auto zerren

Dann sei man weiter nach Lilienfeld gefahren, um beim Haus des Verkäufers das Cannabis zu holen. „Ich habe es in meinen Rucksack gegeben. Zuerst bin ich gegangen, dann gelaufen. Ich habe mich auf die Rückbank meines Wagens geschmissen. Mein Freund sollte wegfahren. Er kam aber mit der Start-Stop-Automatik nicht zurecht“, schildert er.

Die Ereignisse hätten sich überschlagen: Zwei Anwesende hätten versucht, ihn an den Beinen aus dem Auto zu zerren. Der Tschetschene soll sich an der Tür festgeklammert haben. Als der Wagen losfuhr, wurde dieser ein Stück mitgeschleift. Dennoch gelang die Flucht. „Das ist ja wie in einem schlechten Film“, sagt der Richter.

Der Raub rächte sich. Der Tschetschene und seine Kumpanen tauchten im Waldviertel auf. „Sie sind beim Elternhaus vorbeigefahren und drohten, ihnen etwas anzutun“, erinnert er sich. Rasch hätten sie ihn dann gefunden. „Sie kamen zur WG, wo alle gekifft haben. Horn ist nicht recht groß.“ Mit einem Schlagring seien sie auf ihn losgegangen, sogar eine Handschelle sei ihm angelegt worden. „Die haben das Haus verwüstet“, erinnert sich der Angeklagte. Durch den Raub und Drogenverkauf hätte er keinen Gewinn gemacht. Der Staatsanwalt merkt an: „Einen Raub zu begehen, ist schon ein Wahnsinn. Das darf man nicht bagatellisieren!“ Immerhin stehen auf räuberischen Diebstahl bis zu fünf Jahre Haft.

Das Schöffengericht entschied ein Jahr bedingte Haft mit einer Probezeit von drei Jahren, 1.000 Euro Strafe, Bewährungshilfe sowie die Weisung, die Suchtberatung fortzusetzen. Das Urteil ist rechtskräftig.