Traisen

Erstellt am 15. März 2019, 04:25

von Gila Wohlmann

Nach Kindesabnahme; „Wollen unseren Sohn zurück“. Der zehn Monate alte Leon lebt bei einer Pflegefamilie. Die leiblichen Eltern geben Fehler der Vergangenheit zu, bitten aber jetzt um Platz in einem Mutter-Kind-Heim.

Symbolbild  |  SewCream/Shutterstock.com

„Ich möchte meinen Unmut über die Jugendwohlfahrt kundtun“, wendet sich Andreas Wagner telefonisch an die NÖN-Redaktion. Der Grund: Der Traisner (26) möchte, dass seine Lebenspartnerin Karoline Kolm (23) die Möglichkeit bekommt, mit deren zehn Monate alten Sohn Leon in einer 24-Stunden-Mutter-Kind-Betreuungseinrichtung zu wohnen.

Derzeit lebt das Kleinkind bei einer Pflegefamilie im Bezirk Zwettl. „Wir haben auch schon Kontakt mit einer geeigneten Einrichtung in St. Pölten aufgenommen, es gibt aber auch noch ähnliche Institutionen. Beim letzten Gespräch mit der Jugendwohlfahrt wurde mir aber zu verstehen gegeben, dass man unser Ansuchen für einen Platz in so einer Einrichtung aufheben könne“, schildert Wagner.

Bezirkshauptmann Franz Kemetmüller bestätigt, dass die Behörde die Obsorge für das Kind innehat. Eine willkürliche Streichung von Ansuchen verneint er allerdings: „Die Jugendwohlfahrt kann Anträge stellen, aber darüber entscheidet das Bezirksgericht.“

Wagner macht indes kein Geheimnis daraus, warum dem Paar das Kind entzogen wurde. Das Gutachten der gerichtlich beeideten Sachverständigen spricht von „eingeschränkter Erziehungsfähigkeit“ der Kindesmutter. „Meine Partnerin hat eine Autoimmunerkrankung und dadurch psychische Probleme. Wir sind aber bemüht, das in den Griff zu bekommen“, schildert Wagner — auch, dass es in seiner Vergangenheit einen Fehltritt von Cannabiskonsum gab: „Das ist vorbei. Für uns zählt nur, dass wir unseren Sohn wieder bei uns in den Armen halten dürfen.“

„Sind bereit, alle Auflagen zu erfüllen“

Als Einzelhandelskaufmann sei er zudem bemüht, rasch wieder eine Stelle zu finden. Sein letztes Arbeitsverhältnis in Herzogenburg musste er beenden, da eine öffentliche Anreise von Traisen für ihn auf Dauer unmöglich war.

„Es ist mir nicht so wichtig, welchen Job ich bekomme, sondern, dass ich Arbeit finde“, betont Wagner. Weder er noch seine Partnerin hätten sich sonst Grobes zu Schulden kommen lassen. Leon dürfen sie alle drei Wochen besuchen.

„Die Fahrt nach Zwettl ist für uns sehr aufwendig“, gibt er zu bedenken. Außerdem ist er überzeugt, dass sich der psychische Zustand der Partnerin erst verbessern wird, wenn der Sohn bei ihr ist. „Wir sind bereit, alle Auflagen zu erfüllen, wenn wir unseren Sohn bekommen“, bittet Wagner um eine Chance.