Traisen kein gutes Vorbild bei Müllentsorgung. Anlagen-Betreiber Franz Berger verärgert: Windeln, Kabel und Essbesteck landen laufend im Bio-Müll.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 01. Februar 2018 (05:47)
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„Es wird immer schwieriger, ein gutes Produkt herzustellen“, sagt Bio-Kompostanlagen-Betreiber Franz Berger. Unmengen an Plastik, Elektroschrott findet er im Bio-Müll. Siehe auch auf FB unter Kompostanlage Berger.
NOEN, Wohlmann

„Es wird leider immer schlimmer“, stellt Franz Berger fest. Er betreibt die Bio-Kompostanlage in Wiesenfeld. Seine Arbeit wird immer mühsamer. Der Grund sind Müllsünder.

Das Problem ist aber nicht neu. Bereits vor einigen Jahren berichtete die NÖN, dass Berger permanent Plastikteile, sogar Spritzen und vieles mehr, aus dem zu ihm angelieferten BioMüll mühsam händisch herausfiltern muss, um einwandfreien Bio-Kompost herzustellen. „Traisen ist kein gutes Beispiel. Ich finde im Bio-Müll Berge an gebrauchten Windeln, Gartengeräte, Abschleppseile, ja sogar USB-Kabel“, zählt er auf.

„Traisen sticht hier wirklich als Negativbeispiel hervor“

Vom weggeworfenen Besteck, das er aus dem Bio-Müll fischt, könne er „eine ganze Küche füllen“. Die Stadt Lilienfeld sei nur gering besser, was die Bio-Müllentsorgung angeht. Lob hat er hingegen für die kleinen Gemeinen. „Je ländlicher die Gemeinde, desto besser“, meint er. Der unsortierte Müll bedeutet für ihn „vier Stunden Arbeit mehr pro Tag. Einerseits durch das Aussortieren, andererseits durch die Wartung der Maschinen“. Den Bio-Müll bekommt er von der Firma Kerschner, die diesen von den Gemeinden des Bezirkes abholt.

Auch beim Entsorgungsunternehmen weiß man um dieses Problem. Prokurist Gerhard Hiesberger bestätigt: „Traisen sticht hier wirklich als Negativbeispiel hervor.“ Tonnen, die offensichtlich schon den BioMüll mit anderem Mist vermischt haben, werden nicht mitgenommen. „Nur oft merkt man das erst beim Entleeren und dann ist es zu spät“, so Hiesberger. Vor allem bei den Traisner Mehrparteienhausanlagen sei das Problem extrem.

Gemeinde kündigt „Aktion scharf“ an

Bei der Marktgemeinde Traisen weiß man um die Müllsünder. Thomas Hochebner von der Gemeinde Traisen und Umweltgemeinderat Wolfgang Schädl kündigen daher eine „Aktion scharf“ an.

„Unsere Gemeindemitarbeiter werden sich genau anschauen, wo nicht ordentlich entsorgt wird. Die Bürger werden persönlich und schriftlich darauf hingewiesen. Diese Tonnen werden nicht mehr mitgenommen beziehungsweise wird die Biotonne abgenommen und die Leute müssen das über den Restmüll entsorgen. Jeglicher Mehraufwand wird in Rechnung gestellt“, warnt Wolfgang Schädl.