Herbert Thumpser: „Bürokratischer Mehraufwand“. Neue Voranschlags- und Rechnungsabschlussverordnung erfordert Bewertung aller Gemeindeeigentümer und bereitet Kosten.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 17. Oktober 2019 (15:47)
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Mittlerweile den Durchblick in der neuen Voranschlags- und Rechnungsabschlussverordnung haben die Gemeindemitarbeiterinnen Gertraud Böswarth und Christa Fahrafellner (von links). Für ihr Engagement in der Buchhaltungsumstellung dankt ihnen Bürgermeister Hert Thumpser.

Ganz im Zeichen der der Voranschlags- und Rechnungsabschlussverordnung (VRV) 2015 stand der Traisner Gemeinderat. Diese regelt Form und Gliederung der Voranschläge und Rechnungsabschlüsse der Länder und Gemeinden.

Damit die Marktgemeinde Traisen wie auch alle anderen Gemeinden auf das neue Buchhaltungssystem umstellen kann, mussten dafür im Gemeinderat gleich mehrere Beschlüsse gefasst werden. Zum besseren Verständnis der nicht unkomplizierten Materie referierte darüber Gertraud Böswarth, Kassen- und Buchhaltungsexpertin der Marktgemeinde. Äußerst kritisch der neuen Verordnung steht Traisens Bürgermeister Herbert Thumpser gegenüber:

„Eigentlich sollte dieses System mehr Transparenz bringen, dem ist aber meines Erachtens nicht so. Das ist ein rein bürokratischer Mehraufwand für meine Mitarbeiter“, ärgert er sich.

Nicht nur, dass seine beiden Kassendamen Böswarth und ihre Kollegin Christa Fahrafellner viele Stunden mit der Umsetzung der VRV beschäftigt sind, der Gemeinde entstehen nämlich immense Mehrkosten. „Wir müssen jetzt sämtliche Gemeindeeigentümer bewerten lassen, sei es nun das Rathausgebäude oder auch Gehsteige“, führt er aus. Versicherungsgesellschaften nehmen diese Bewertungen vor, was sich laut Thumpser aber nicht einfach gestaltet, denn beispielsweise sind manche Teilabschnitte eines Gehsteigs neu, andere wiederum alt.

„Eigentlich sollte dieses System mehr Transparenz bringen, dem ist aber meines Erachtens nicht so.“ Herbert Thumpser, Bürgermeister

Auch die Nutzungsdauer von Gebäuden muss aufgelistet werden. „Früher machten wir Vergleiche, jetzt müssen wir Bilanzen wie eine Firma machen“, sagt er. Weiteres Thema im Gemeinderat war der Prüfbericht des Landes zur Finanzgebahrung. „Dieser ist sehr gut ausgefallen“, freut er sich. Beanstandung: die Aufstellung des Bürgermeistergehalts. „Früher wurde verglichen, was hat der Ortschef jedes Jahr verdient und dann gegenübergestellt.

Jetzt muss man den Bezug des Bürgermeisters anteilmäßig in den Gebührenhaushalt einfließen lassen, inwieweit er sich mit dem jeweiligen Thema wie Müll oder Kanal gerade befasst. Das ist natürlich nie gleich. Wenn ein Rohrbruch ist, werde ich mich mehr dem Thema widmen.“ Auch hier lässt, meint er, die Bürokratie wieder grüßen.