Dubiose Türgeschäfte im Bezirk Lilienfeld. Fassadenreiniger bieten Dienstleistungen an. Da die „Firmen“ oft keine gewerberechtliche Genehmigung haben, warnen Polizei, Arbeiter- wie Wirtschaftskammer.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 23. Juli 2020 (04:55)
Symbolbild
APA

Ein Mal sind es Dachrinnenreparaturen, dann wieder Fassadenreinigungsdienst oder ein anderes Mal Messerschleifer: Aktuell mehren sich Anzeigen im Bezirk Lilienfeld über Personen, die an der Haustür diverse Handwerkerdienste anbieten.

„Mehrere Eigenheimbesitzer berichteten, dass zwei Männer eine Fassadenreinigung ohne Rechnung angeboten hätten“, schildert Polizeipräventionsbeamter Ferdinand Lerchbaumer. Vorfälle wurden in Traisen, aber auch in Hainfeld, Hohenberg und St. Aegyd gemeldet. „Gleich nach einer Anzeigenerstattung wurden diese Fassadenreiniger von der Polizei St. Aegyd in Hohenberg angehalten und einer intensiven Kontrolle unterzogen“, berichtet er. Der Betrug liegt hier oft nahe.

„Die Masche ist meistens folgende: Der erste Trupp fragt an, ob eine Fassadenreinigung oder eine Hausrenovierung erwünscht sei. Eine Person stellt den Kontakt her, die andere Person verweilt entweder im Pkw oder beobachtet die nähere Umgebung. Meist wird eine weit unter dem gängigen Preis gebotene Fassadenreinigung angeboten“, weiß er, auch dass diese Personen sich nur schwer abwimmeln lassen. „Wenn ein Auftrag zustande gekommen ist, erledigt dies in den nächsten Tagen ein zweiter Trupp, der im Regelfall keine gewerberechtliche Genehmigung für eine Fassadenreinigung besitzt. Beim zuerst gebotenen niedrigen Preis bleibt es nicht und es wird weit mehr als der gängige Betrag abverlangt“, warnt er und führt aus: „Wird der überhöhte Betrag nicht gleich vor Ort ausbezahlt, wird Druck ausgeübt, um zu bezahlen. Eine Rechnung oder Garantieansprüche gibt es dabei natürlich nicht, oft passt auch nicht die Qualität der durchgeführten Arbeit.“

Vorab informieren, schützt vor Betrug

Dringender Appell der Polizei: „Finger weg von solchen dubiosen Haustürgeschäften!“ Weiters sollen niemals An- oder Vorauszahlungen geleistet werden. Druckversuche der angeblichen Handwerker ignorieren und umgehend die Polizei unter der Nummer 133 verständigen. „Wenn möglich, Kennzeichen des Pkw und Merkmale der Personen aufschreiben“, rät er. Aktuelle Schadensfälle sind aber derzeit im Bezirk Lilienfeld noch nicht bekannt, die Bürger hätten die Angebote abgelehnt.

Auch Jürgen Eder von der Arbeiterkammer Lilienfeld rät von solchen Lock-Geschäften ab. „Man sollte sich immer vorher über das jeweilige Unternehmen informieren und nicht gleich Verträge an der Tür abschließen“, empfiehlt er. Eine Geldrückforderung bei so dubiosen Hausgeschäften sei praktisch nicht möglich, vor allem wenn es keine Kontaktdaten zur Firma gibt. Wirtschaftskammerobmann Karl Oberleitner rät ebenso von diesen Dienstleistern ab. „Um zu erfahren, ob eine Firma seriös ist, sollte man sich immer vorab bei der Gewerbebehörde oder Wirtschaftskammer informieren“, betont er. Ihn verwundert, dass noch immer viele Bürger so sorglos und vertrauensvoll bei der Inanspruchnahme von fragwürdigen Handwerkerdiensten sind.