Bezirk Lilienfeld: Zahl der Wildunfälle steigt. Bezirksjäger und Polizei rufen zur Fahrt auf Sicht auf. Kosten für Schäden bei Versicherungen steigen.

Von Gila Wohlmann und Nadja Straubinger. Erstellt am 14. Oktober 2020 (03:47)
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 Die Tage werden kürzer. Die Fahrt zum Arbeitsplatz verlagert sich sowohl am Morgen als auch am Abend in die Dämmerung. Zu dieser Zeit sind auch Reh, Hirsche und Co. vermehrt unterwegs. Damit steigt auch die Zahl der Wildunfälle.

„Verkehrsfallwild gibt es das ganze Jahr immer wieder. Aber der Herbst mit seinen kurzen Tageslichtzeiten bringt sicher mehr Vorfälle“, berichtet Bezirksjägermeister Martin Schacherl. Im Jahr 2019 wurden von den Jagdausübungsberechtigten 292 Stück Fallwild im Straßenverkehr gemeldet, etwa ein Drittel wurde auch der Polizei gemeldet. „Die meisten Stücke sind naturgemäß Rehe, da diese auch im ganzen Bezirk vorkommen“, informiert Schacherl. Betroffen sind besonders die Hauptverkehrsträger im Bezirk. „Die Wiesenflächen entlang der Bundesstraßen sind willkommene Äsungsfläche, die im Herbst von unseren Wildtieren genutzt werden“, so Schacherl.

„Verkehrsfallwild gibt es das ganze Jahr immer wieder. Aber der Herbst mit seinen kurzen Tageslichtzeiten bringt sicher mehr Vorfälle“

Bezirkspolizeikommandant Michael Hochgerner fügt hinzu: „Bei Landes- und Nebenstraßen sind hauptsächlich neuralgische Stellen betroffen, etwa mit Wildwechsel, bei Fütterungsstellen, Wäldern und Felder.“ Sollte es zu einem Unfall kommen, sei der Unfallort abzusichern und jedenfalls die Polizei zu informieren.

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„Das Wild sollte niemals berührt oder in den Pkw eingeladen werden“, berichtet Hochgerner. Keinesfalls darf das Tier vom Verunfallten „erlöst“ werden. „Je nach Methode werden seitens der Polizei die erforderlichen Erhebungen aufgenommen und entsprechende Anzeigen an die Staatsanwaltschaft etwa wegen Eingriff in fremdes Jagd- und Fischereirecht oder Tierquälerei eingebracht“, so der Bezirkspolizeikommandant. Die Exekutive hat mit der Bezirksjägerschaft auch die Initiative „Gemeinsam.Sicher mit der Jägerschaft“ ins Leben gerufen. „Wir übernehmen dann die Verständigung des zuständigen Jägers bei Wildunfällen“, sagt Hochgerner und hebt die gute Kooperation hervor. „Diese Zusammenarbeit findet auch über den Bezirk hinaus Beachtung“, betont Bezirksjägermeister Schacherl, der die Verkehrsteilnehmer vor allem im Herbst zur Vorsicht mahnt.

Für mehr Sicherheit im Bezirk sorgen die Wildwarner. Diese wurden entlang der B 20 gemeinsam mit der Straßenverwaltung montiert. „Damit konnte die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer erheblich verbessert werden. Um bis zu 90 Prozent konnte an manchen Abschnitten die Fallwildzahl reduziert werden“, ist der Bezirksjäger stolz.

Versicherung zahlt nur mit Polizeimeldung

Die Bearbeitung von Wildschadenunfällen ist Alltagsgeschäft bei den Versicherungsanstalten. Bei der Niederösterreichischen Versicherung (NV) wurden heuer bis Ende September bereits 1.519 Wildunfälle aufgenommen, im Vorjahr waren es insgesamt 1.988 Schadensmeldungen. Voraussetzung zur Bearbeitung dieser ist eine Kaskoversicherung. „Bei Wildunfällen immer unabdingbar ist eine unverzügliche Meldung bei der Polizei“, richtet Günter Chyba, Leiter der Schadensabteilung aus.

Bei der Wiener Städtischen Versicherung stieg die Anzahl der Schäden durch Wildunfälle in den letzten zehn Jahren um 35 Prozent, während die Aufwände sogar um 94 Prozent auf 8,4 Millionen Euro gestiegen sind. Grund dafür ist, weil in modernen Autos sehr viel Technik verbaut ist. Die durchschnittliche Schadensumme liegt derzeit bei 2.500 Euro pro Fall. „Hauptsächlich sind Stoßstange, Motorhaube und Windschutzscheibe betroffen, aber auch die seitlichen Bereiche wie Türen oder Fenster können beim Aufprall beschädigt werden“, weiß Wiener Städtische-Landesdirektor Wolfgang Lehner. Unfälle mit Reh oder Hase seien nicht zu unterschätzen. „Trifft man etwa mit 50 km/h auf einen 20 Kilo schweren Rehbock, wirkt eine halbe Tonne auf Fahrzeug und Fahrer ein“, weiß Lehner.

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