Herzogenburg vom Abgrund auf den Gipfel

Erstellt am 13. Mai 2023 | 18:30
Lesezeit: 4 Min
Fußball 2. LL West Herzogenburg - Amaliendorf
Samet Yikilmaz (Mitte) schnürte zunächst einen Doppelpack zum Ausgleich nach 0:2-Rückstand und dann schoss Chikadibia Anyanwu (l.) doch noch den so wichtigen Siegtreffer Herzogenburgs im Abstiegskampf gegen das abgeschlagene Schlusslicht Amaliendorf.
Foto: Claus Stumpfer, Claus Stumpfer
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Mit dem Rücken zur Wand schaffte Herzogenburg durch drei Tore noch den Umschwung. Amaliendorf bleibt im Tabellenkeller einzementiert.

Herzogenburg - Amaliendorf 3:2. Was für ein Comeback der Stiftstädter. Aus 0:2 wurde ein 3:2. Die Waldviertler lieferten einen harten Fight, standen aber einmal mehr mit leeren Händen da.

Herzogenburg gelang der bessere Start. Yikilmaz (7.) und Regojevic (14.) stellten sich bei Gäste-Keeper Joso vor, der beide Schüsse aber vereitelte. Nach einer Viertelstunde tauchte Amaliendorf zum ersten Mal gefährlich vor dem Kasten von Schlussmann Streicher auf. Tureks Kopfball landete aber über dem Querbalken (15.). Noch gefährlicher wurde es sechs Minuten später, als Groll eine Topchance liegen ließ.

Amaliendorf lange nicht wie ein Absteiger

Die Gastgeber hatten in der Folge erheblich höhere Spielanteile ohne jedoch zwingend zu werden. In Minute 42 schlug Amaliendorf zu, profitierte von einem Herzogenburger Abwehrschnitzer. Den hohen Ball ins Zentrum drückte Varga über die Linie. Praktisch mit dem Pausenpfiff vergab der eben erst eingewechselte Fugar die Riesenchance auf das 2:0.

„Wir haben in der ersten Hälfte nicht rüber gebracht was wir wollten“, kam die Truppe von SCH-Trainer Marc Andre Unterhuber nicht ins Pressing. „Amaliendorf hat es gut gemacht, wir waren verdient hinten.“

Mit viel Zuversicht ging Herzogenburg in den zweiten Durchgang. Die ersten fünf Minuten war man am Drücker, nach einem Ballverlust im Mittelfeld lief man Amaliendorf aber ins offene Messer. Eine Überzahlsituation löste Nespor mit einem Lochpass auf Vidovic, der eiskalt abschloss: 2:0 (50.).

Dank Doppelpacker Yikilmaz zurück

Herzogenburg stand am Abgrund, antwortete aber postwendend und begann sich aus dem Schlamassel zu ziehen. Kitagawa flankte zur Mitte, dort schloss Yikilmaz wuchtig mit dem Kopf ab (52.). Wer nun an einen Herzogenburger Sturmlauf dachte, wurde enttäuscht. Denn Amaliendorf war in der Folge die deutlich gefährlichere Mannschaft. Vidovic und Groll verpassten die Entscheidung, dreimal reklamierten die Gäste vergeblich Elfmeter. Ein Ball wurde an die Stange abgefälscht, ein Treffer wegen Abseits aberkannt.

Auf der Gegenseite wurde der Ausgleich wegen eines zuvor erfolgten Foulspiels nicht gegeben. Das 2:2 fiel aber trotzdem. Nämlich in Minute 77: Der eingewechselte Sukapan servierte den Ball Yikilmaz, der kompromisslos zum Ausgleich einnetzte. Sukapan war es auch, der bei einer Doppelchance das 3:2 am Fuß hatte. Der Joker scheiterte aber ebenso wie Surböck an Joso.

Anyanwu mit dem Schuss ins Glück

Dass es doch noch zum Dreier für Herzogenburg reichte, war einem weiteren Joker zu verdanken. Anyanwu, zur Pause eingewechselt, tanzte auf seiner rechten Seite zwei Gegenspieler aus und zirkelte den Ball dann sehenswert ins rechte Kreuzeck (87.). Grenzenloser Jubel beim SCH, Ernüchterung beim SCA. Die Waldviertler steigen nicht wegen dieser Niederlage ab und hätten sich mindestens einen Punkt verdient gehabt. Wenn man so ein Spiel gegen einen angeschlagenen Gegner aber noch abgibt, darf man sich nicht wundern, wenn es am Ende nicht reicht.

Unterhuber: „Wir haben uns selber in Bedrängnis gebracht. Da hat man gesehen, dass die Nerven blank liegen. Die Mannschaft hat aber Moral gezeigt, bei 0:2 gegen den Letzten so zurückzukommen. Hut ab!“ SCH-Sportchef Wolfgang Eder atmete durch: „Endlich drei Punkte. Die Moral hat gestimmt. Die Tore, die wir kriegen, sind aber sehr, sehr billig. Das Wichtigste ist aber, dass wir zurückgekommen sind.“

„Ich bin leer“, ließ Amaliendorf-Sektionsleiter Michael Pichler einen Stoßseufzer los. „Eigentlich müssen wir zur Pause 3:0 führen. In der Halbzeit habe ich schon befürchtet, dass uns das Chancen-vernebeln auf den Kopf fallen könnte. Dann gelingt uns das 2:0 immerhin nach der Pause. Da denkst du dir, der Käse ist gegessen. Dabei hat das Desaster da erst begonnen.“

Highlights

Statistik:

Herzogenburg - Amaliendorf 3:2 (0:1)

Torfolge: 0:1 (42.) Varga, 0:2 (50.) Vidovic, 1:2 (52.) Yikilmaz, 2:2 (77.) Yikilmaz, 3:2 (87.) Anyanwu

Karten: Sukapan (93., Gelbe Karte Foul), Yikilmaz (35., Gelbe Karte Kritik), Regojevic (78., Gelbe Karte Unsportl.)Flöck (88., Gelbe Karte Foul), Cmovs (45., Gelbe Karte Foul)

Herzogenburg: Streicher; Surböck, Kitagawa, Regojevic, Simon (HZ. Anyanwu), Zivkovic, Nakamura (90+3. Weixlbaum), Yikilmaz, Müllner (68. Sukapan), Heiderer, Uzun

Amaliendorf: Joso; Cmovs, Brunner, Vidovic, Varga (44. Fuger), Nespor, Millner (84. Nöbauer), Masch, Flöck, Turek, Groll

110 Zuschauer, Schiedsrichter: Mehmet Günes

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