Emmersdorfer Viadukt: Ein Wahrzeichen mit Aussicht

Erstellt am 06. April 2022 | 04:05
Lesezeit: 3 Min
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Das Viadukt ist das Wahrzeichen der Marktgemeinde Emmersdorf und befindet sich im Besitz der NÖVOG. 2019 wurde die Donauuferbahn zwischen Hofamt Priel und Emmersdorf im Bezirk Melk stillgelegt. Die Bahnstrecke Krems – Weitenegg ist seitens der NÖVOG in Betrieb, ein Betreten durch Unbefugte ist ausdrücklich untersagt.
Foto: Hochratner
Das Emmersdorfer Viadukt ist über 100 Jahre alt. Die Geschichte eines Bauwerks, das bis heute polarisiert.
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Früher schoben sich hier in luftigen Höhen schwere Dampfloks in Richtung Wien oder Linz. Über 100 Jahre alt, rund 105 Meter lang und über 20 Meter hoch: Das Emmersdorfer Viadukt ist das Wahrzeichen der Gemeinde im Bezirk Melk – und gleichsam stiller Zeitzeuge, der an jene Zeit erinnert, als die Donauuferbahn noch eine durchgehende Bahnverbindung war. Aber der Reihe nach.

„Zuerst gab‘s ja nur die Westbahn, die wurde 1858 aktiviert. Man wollte aber auch eine Trasse entlang der Nordseite – etwa aus wirtschaftlichen Interessen – schaffen“, berichtet Emmersdorfs Bürgermeister Richard Hochratner (Liste „Bürgernahes Emmersdorf“), der sich zuletzt ausführlich mit dem Viadukt für einen Dokumentarfilm auseinandersetzte. Die Errichtung von Viadukten – entlang der Trasse der Donauuferbahn sind einige zu finden – geht auf die Donau-Nähe zurück. Denn der Strom war schließlich immer schon Fluch und Segen: Immer wieder wurde die Westbahnstrecke in der Vergangenheit geflutet, durch die hochwassersicheren Viadukte konnte man auf die Donauuferbahn ausweichen. 1909 wurde die Donauuferbahn in jenem Abschnitt zwischen Krems und Emmersdorf eröffnet, hier wird sie Wachaubahn genannt. Die „Baustelle Viadukt“ hatte es in sich, wie Hochratner beschreibt: „Geplant wurde es vom Architekten Rudolf Pichler, der Bau ging über einige Jahre. Im Gossamer Graben wurden die Steine auf den Zentimeter genau vorbereitet, ehe sie hochtransportiert wurden. Da musste alles im Vorfeld passen.“ Laut dem Bürgermeister waren vorwiegend italienische Arbeiter am Bau des Viadukts beteiligt.

Emmersdorf ist für die Rettung der Trasse

Seit 2019 sind aufgrund einer politischen Entscheidung die Gleise der Donauuferbahn zwischen Hofamt Priel und Emmersdorf im Bezirk Melk verschwunden und die historische Trasse demnach unterbrochen. Im Bezirk Melk wird aktuell vonseiten einer Initiative um die Wiederbelebung der Trasse gekämpft, auch die Gemeinde Emmersdorf macht sich für die Revitalisierung stark: Zuletzt wurde per mehrheitlichem Gemeinderatsbeschluss eine entsprechende Resolution beschlossen. Ob tatsächlich wieder eine Bahn über das denkmalgeschützte Viadukt (die gesamte Wachaubahn steht als Teil des UNESCO-Weltkultur- erbes Wachau unter Denkmalschutz) fegen wird, wird die Zeit zeigen.

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