St. Leonharder Hauptplatz kostete über 600.000 Euro mehr

St. Leonhards Hauptplatz kostete über 600.000 Euro mehr. Opposition übt Kritik, ÖVP-Ortschef Resel rechtfertigt Steigerung.

Erstellt am 28. Oktober 2021 | 04:58
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Die Neugestaltung des St. Leonharder Hauptplatzes samt Kreisverkehr (im Hintergrund) schlug mit rund 600.000 Euro netto mehr zu Buche als ursprünglich veranschlagt.
Foto: Michael Bouda

Fast genau vor zwei Jahren, am 19. Oktober 2019, wurde der neue St. Leonharder Hauptplatz feierlich eröffnet. Vor Kurzem wurden im Gemeinderat die Ergebnisse des Prüfungsausschusses präsentiert, der die Finanzierung des Großprojekts geprüft hatte.

Das Fazit: Es gab keine Unregelmäßigkeiten im Sinne fehlender Beschlüsse oder mangelhafter Abrechnungen, es kam aber bei einzelnen Teilprojekten zu großen Überschreitungen der Kosten. In Summe schlug die Neugestaltung des Hauptplatzes samt der Errichtung des Kreisverkehrs mit knapp 2,56 Millionen Euro netto zu Buche, was Mehrkosten von gut 600.000 Euro entspricht – ursprünglich waren rund 1,96 Millionen Euro veranschlagt gewesen.

Die Opposition kritisiert die Kostensteigerung hart. So sieht FPÖ-Mandatar Richard Punz „ein vernichtendes Zeugnis für die politisch Verantwortlichen dieses Projektes“ und moniert, dass dadurch Geld „an allen Ecken und Enden“ fehle. Sein Vorgänger Johann Huber, von 1995 bis 2020 im Gemeinderat, betont im Gespräch mit der NÖN, dass er in der Planungsphase mehrmals darauf hingewiesen habe, dass mit der Errichtung des Kreisverkehrs aufgrund des Schwemmsands im Untergrund Mehrkosten zu erwarten waren.

„Überraschungen“, die nicht miteingeplant waren

Dass es zu „Überraschungen, die in keiner Weise miteingeplant“ waren, kam, kritisiert auch Hans-Peter Buber von der Vision Leonhard (VL). Er meint, dass sich zwar alle Mehrkosten begründen ließen, der Hauptplatz „schön geworden ist“, und alle Unternehmen professionelle Arbeit geleistet hätten. „Aber der Hauptplatz war so eine Nummer zu groß – die Mittel wären anders gut einzusetzen.“ Diese Meinung vertritt auch Ernst Riedl von der SPÖ, der befürchtet, dass St. Leonhard durch die Schulden „bald eine Sanierungsgemeinde“ werde.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass bei Überschreitungen Beschlüsse zum Teil erst Monate nach der Rechnungslegung durch den Gemeinderat gefasst wurden. Buber beschreibt dies als „nicht die richtige Art und Weise“, dies sei nicht im Sinne des Gemeinderats.

Kein Verständnis für die Kritik hat ÖVP-Bürgermeister Hans-Jürgen Resel. Zum einen „haben wir mehr gemacht“. Hier führt Resel vor allem die Infrastruktur wie Wasser, Kanal und Glasfaser im Untergrund an, die rund die Hälfte der Gesamtinvestitionen ausmache. Auch habe der Parkplatz in der Bahnhofsstraße mehr gekostet, mit dem teureren Entwässerungssystem leiste die Gemeinde aber einen Beitrag zum Umweltschutz. Zum anderen seien Mehrkosten wie die zusätzlichen Verdichtungsarbeiten im Bereich des Kreisverkehrs hinzugekommen. Und für die Mehrkosten, hebt Resel hervor, habe die Gemeinde auch mehr Förderungen lukrieren können. Rund die Hälfte der Kosten komme so durch Förderungen zurück. „Dadurch war es letzten Endes nicht so tragisch“, erklärt Resel, der betont, dass der Hauptplatz bei der eigenen Bevölkerung wie auswärts auf Begeisterung stößt.