Region bei Gesundheitsversorgung in der Vorreiterrolle. Ärzte aus sieben Gemeinden der Region Mank schließen sich zu Netzwerk zusammen.

Von Michael Bouda. Erstellt am 06. Dezember 2019 (05:55)
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Es ist ein Meilenstein in der ländlichen Gesundheitsversorgung: Ärzte aus sieben Gemeinden mit insgesamt acht Kassenplanstellen schließen sich zum ersten Gesundheitsnetzwerk Niederösterreichs zusammen. „Die wohnortnahe Gesundheitsversorgung hilft zukünftig fast 16.000 Menschen“, zeigte sich VP-Landesrat Martin Eichtinger nach dem entsprechenden Beschluss des Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) beeindruckt. Das Netzwerk wird sich von den beiden Kassenplanstellen in Mank aus über die Region ausstrecken: St. Leonhard, Kilb, Bischofstetten, Hürm, Kirnberg und Texingtal sind mit an Bord.

Der Vorteil für die Patienten liegt einerseits in erweiterten Öffnungszeiten: Von Montag bis Donnerstag sind von 7 bis 12 Uhr mindestens drei Standorte, von 14 bis 19 Uhr mindestens zwei geöffnet, am Freitagnachmittag – vormittags ist wie gewohnt geöffnet – sorgt ein Rotationsprinzip dafür, dass zumindest immer an einem Standort ärztliche Hilfe aufgesucht werden kann. In den Mittagsstunden gibt es eine telefonische Vermittlung.

Der zweite große Vorteil liegt darin, dass neben den Allgemeinmedizinern verschiedenste Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch genommen werden können: Physiotherapie ebenso wie Logopädie und Ergotherapie oder die Hilfe von Hebammen und Sozialarbeitern. „Für die Patienten ist ein großer Vorteil, dass ein ganzes System dahintersteht. Damit haben die Patienten ein tolles, erweitertes Angebot – und das vor Ort, in der Region“, betont Kurt Weissenborn, praktischer Arzt in Kilb, der federführend beim Zusammenschluss mit dabei war.

Vorteile auch für die Mediziner

Für die Ärzte bestehen die Verbesserungen in mehr Planbarkeit, geregelten Arbeitszeiten und einer Pauschalisierung der Leistungen: Im Rahmen des Netzwerks wird nur noch pauschal pro Patient mit der Krankenkasse abgerechnet, nicht mehr für jede einzelne Leistung. Dies erspart Verwaltungsaufwand – und könnte Positives für die Patienten mit sich bringen, wie Hansjörg Fedrizzi, derzeit noch in St. Leonhard und ab 1. April 2020 in Kirnberg als Arzt tätig, schildert: „Unter Umständen wird es so sein, dass der Arzt mehr Zeit für den Patienten hat: Aufgrund der Pauschalisierung behandelt er weniger Patienten und kann die bestehende Zeit besser auf die Patienten aufteilen.“

Geplant ist der Start des Gesundheitsnetzwerks für 1. April 2020, dahinter steht ein Verein, bestehend aus den beteiligten Ärzten, der sich derzeit in der Gründungsphase befindet. Als zukünftiger Obmann wird Weissenborn gehandelt.

Das Pilotprojekt hat noch einen darüber hinausgehenden Nutzen: Gerade das harte Pflaster ländlicher Raum wird für junge Ärzte wieder attraktiver. „Das Netzwerk ist ein Zugpferd“, sagt Weissenborn. Und deshalb haben unabhängig von den bisher beteiligten alle im Sprengel ansässigen Ärzte die Möglichkeit, zukünftig Teil des Netzwerks zu werden.

Noch ist man aber nicht ganz am Ziel, denn bevor die Verträge unterschrieben werden, gilt es etliche Details zu klären, sei es beim Datenschutz oder bei den Leistungen der anderen Gesundheitsberufe. Es soll aber so bald wie möglich so weit sein. Weissenborn: „Prinzipiell glaube ich nicht, dass es noch aufzuhalten ist. Ob wir den 1. April als Starttermin schaffen, wissen wir noch nicht. Wir peilen ihn aber auf jeden Fall an.“