Auch im Bezirk Melk ist alte Liebe zum Rad entbrannt. Die Coronakrise animierte viele, auf den altbewährten Drahtesel umzusteigen.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:48)
Peter und Andrea Kamleithner-Garschall sind passionierte Radfahrer. Sie legen einmal wöchentlich ihren Arbeitsweg von Blindenmarkt nach Pöggstall mit dem Bike zurück. privat
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Die Covid-19-Pandemie hatte auch Auswirkungen auf das Sportverhalten der Bevölkerung. Fitnessstudios hatten zu, Mannschaftsspiele fielen den Corona-Auflagen zum Opfer und weitere Gruppenaktivitäten wie Tanzen waren ebenfalls untersagt. Was blieb übrig für die zahlreichen Sporthungrigen? Eine Betätigung erzielte in den Monaten einen regelrechten Boom: das Radfahren.

Trend zum hochwertigeren Rad deutlich zu merken

Ein Lied davon kann Sascha Schroll, vom gleichnamigen Radfachgeschäft mit Radservice und Verleih aus Melk, singen. „Der Anstieg an Reparaturen war um 40 Prozent mehr im Gegensatz zum Vorjahr“, berichtet Schroll. Eine Woche nach dem Lockdown trudelten die ersten Kunden mit ihren Rädern ein. „Man merkte, dass diese schon mehrere Jahre nur mehr im Keller gestanden sind“, schmunzelt er.

Da das Wetter zu dieser Zeit schön war, wollten viele raus. Und mit dem Rad war es eine willkommene Abwechslung. Extrem angestiegen ist auch der Fahrradverkauf. „Vor allem bei E-Bikes schlugen viele zu. Im Vorjahr habe ich acht verkauft und heuer 32“, bestätigt er.

Der Trend zum hochwertigeren Rad war deutlich zu merken. Schroll schmerzt jedoch der Rückgang beim Radverleih. „Die Touristen fehlen eindeutig und dieses Minus lässt sich schwer wieder erwirtschaften“, resümiert er über die Coronazeit.

„Am Rad ist man alleine unterwegs, diese Sicherheit haben viele vor allem im Lockdown genutzt.“Christian Höller, Radlobby Melk

Dass viele auf das Rad umsattelten, entging auch Christian Höller von der Radlobby Melk nicht. „Dieser Trend ist grundsätzlich zu begrüßen. Weil er umweltbewusst und gesund ist“, sagt Höller. Vor allem in Städten wie Melk sollte laut ihm auf diesen Zug aufgesprungen werden.

„Es ist schade, dass hier zu wenig Aufmerksamkeit auf die Radfahrer gelegt wird. Melk ist die Stadt der kurzen Wege“, bekräftigt er. Als Manko sieht er, dass es auf Überlandstraßen zu wenig Radfahrbahnen und zu wenig Radständer gibt. „Am Rad ist man alleine unterwegs, diese Sicherheit haben viele vor allem im Lockdown genutzt“, meint Höller.

Das Brüderpaar Lukas und Clemens Viehberger aus Golling hat das Rad nicht erst jetzt für sich entdeckt. 2019 wurde Lukas Viehberger österreichischer Staatsmeister im 1.000-Meter-Zeitfahren, im Sprint und Keirin wurde er jeweils Vizemeister. Auch der jüngere Bruder gewann schon mehrere österreichische Meistertitel in verschiedenen Altersklassen.

„Ich habe mich aber derzeit aus dem Profisport zurückgezogen. Nur mehr Clemens macht weiter“, erklärt Lukas Viehberger. Doch ihm ist auch aufgefallen, dass viele jetzt auf den Rad-Geschmack gekommen sind. „Ich bin froh, dass wieder Rennen erlaubt sind und man wieder im Verein trainieren kann“, erzählt sein Bruder Clemens.

Auch das Ehepaar Peter und Andrea Kamleithner-Garschall kann eine schon längere Rad-Passion nachweisen. „Wir kommen beide aus dem Triathlon-sport. Unser Hobby lässt sich gut in unseren Alltag einbauen“, berichtet Peter Garschall. Einmal pro Woche fahren sie mit ihren Bikes von ihrem Haus in Blindenmarkt in ihr Geschäft nach Pöggstall. „Da sind wir rund zwei Stunden – je nach Route – unterwegs“, erklärt er. Für die Radliebhaber ist das Mostviertel ideal zum Radeln. „Es gibt viele tolle Strecken. Und wir können es als Paar gemeinsam genießen“, schwärmt er.

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