Idee rettete Schneiderei in Pöchlarn

Alexandra Fasching reagierte kreativ auf Kritik: Sie ist nun mobile Schneiderin.

Erstellt am 03. Dezember 2021 | 04:12
Lesezeit: 2 Min
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Alexandra Fasching machte aus ihrer Not eine Tugend und ist nun eine mobile Änderungsschneiderin. Die Pöchlarnerin bietet nun sowohl einen Abhol- wie auch einen Lieferservice an.
Foto: privat

Sie habe vor lauter Ärger geweint. Alexandra Fasching machte sich im September mit ihrer Änderungsschneiderei „Nadel mit Herz“ selbstständig, einen Monat später langte im Rathaus eine Beschwerde dazu ein. Verfasst von einem angeblichen Bewohner ihres Wohnhauses, er fühle sich vom „regen Verkehr im Stiegenhaus“ durch das Unternehmen der Pöchlarnerin nicht wohl – ihre Schneiderei betrieb sie nämlich in ihrer Mietwohnung.

„Es gab bei meiner Gewerbemeldung überhaupt keine Probleme“, erzählt Fasching. „Und dann das.“ Um den Traum ihres eigenen Unternehmens nicht wieder an den Nagel hängen zu müssen, ließ sich die Pöchlarnerin schließlich etwas einfallen. „Wenn es mobile Friseure gibt, warum denn nicht auch mobile Schneider?“, sagt sie. Schon war eine neue Geschäftsidee geboren, die ihr Business rettet. Daran, dass das Schreiben tatsächlich einer ihrer Nachbarn verfasst haben soll, habe Fasching übrigens so ihre Zweifel. „Aber es ist egal“, winkt die Pöchlarnerin ab. „Ich freu‘ mich total über die Lösung.“

„Die übrigen Mieter werden nicht beeinträchtigt“

Nachgefragt bei der Hausverwaltung – bei der Mietwohnung handelt es sich um eine Gemeindewohnung – erläutert Katharina Granitzer von der VIVIThv GmbH, dass mietrechtlich nichts gegen die mobile Änderungsschneiderei spreche. „Die übrigen Mieter des Wohnhauses werden dadurch nicht in der Nutzung ihrer Bestandseinheiten beeinträchtigt. Voraussetzung für das Betreiben der mobilen Änderungsschneiderei in der Bestandseinheit ist die Zustimmung des Eigentümers. Frau Fasching hat sich hier mit der Hausverwaltung und der Gemeinde abgestimmt. Diese Zustimmung liegt vor.“ Das bestätigt auch ÖVP-Stadtchef Franz Heisler auf NÖN-Anfrage.

„In Zeiten der Pandemie gewinnt das mobile Service sichtlich an Bedeutung.“ Silvia rupp WKO-Bezirksobfrau

Von „Sesshaft“ zu mobil – das ist ein Trend, der sich schon in diversen Branchen abzeichnet, wie Wirtschaftskammer-Bezirksobfrau Silvia Rupp weiß: „Von den Friseuren und Fußpflegern ist diese Art der mobilen Dienstleistungserbringung bereits seit Langem bekannt. In Zeiten der Pandemie gewinnt das mobile Service sichtlich an Bedeutung.“ Auch für andere Dienstleitungen biete sich hiermit eine Nische, betont sie. „Darin können sich die Unternehmer mit dem persönlichen Service einen Vorteil verschaffen“, erläutert die WKO-Bezirksobfrau.