Expertin im Gespräch: Goldschakale "schwer zu finden". Expertin Jennifer Hatlauf revidiert bezüglich Goldschakals-Fund die Meinung von Jägerschaft und Polizei – und erklärt, warum die Tiere oft mit Füchsen verwechselt werden.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 18. Juni 2021 (07:09)

Jennifer Hatlauf ist Wildtierforscherin am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU Wien und leitet das Goldschakalprojekt Österreich.

NÖN: Frau Hatlauf, wie sich nun herausstellte, wurde zuletzt in Loosdorf kein Goldschakal, sondern ein Fuchs entdeckt. Wie kommt es zu dieser Verwechslung – sind Goldschakale so schwer zu identifzieren?

Jennifer Hatlauf: Goldschakale werden tatsächlich oft mit Füchsen verwechselt, vor allem aufgrund der Größe. Das eindeutigste Unterscheidungsmerkmal ist die Rute, die ist beim Goldschakal deutlich kürzer als beim Fuchs. In dem Loosdorfer Fall war – vermutlich aufgrund einer Erkrankung – der Fuchs eher untypisch verfärbt, das hat wohl irritiert.

Zuvor dachten die Spaziergänger und auch der örtliche Jäger, dass es sich bei dem Tier um einen Wolf gehandelt hätte.

Hier ist der Unterschied auf den ersten Blick auch nicht so einfach: die Zeichnung von Wölfen ist sehr ähnlich, aber im Schnitt sind sie dreimal so schwer als die eurasischen Goldschakale, die in Österreich unterwegs sind.

Wäre es denn theoretisch möglich gewesen, dass ein Goldschakal im Bezirk Melk entdeckt wurde?

Ja, auf alle Fälle. In Niederösterreich gibt es mittlerweile etliche bestätigte Nachweise. Goldschakale wurden sogar schon in Kärnten und Tirol gesichtet, obwohl die Tiere eher Flachlandbewohner sind. Goldschakale sind in der Regel aber schwer zu finden: Sie sind nachtaktiv, man kriegt sie selten zu Gesicht. Viele, die einen Goldschakal sehen, denken deshalb erst, dass es ein „komischer Fuchs“ sei. Am besten ist es, ein Foto zu schießen und zur Identifizierung dem Goldschakalprojekt Österreich zu melden.