Aufregung über ATV-Sendung "Wer zerstört Österreich". Landwirte aus dem Bezirk Melk sind verärgert über neues Sendeformat. Sie sehen darin die Landwirtschaft verunglimpft und falsch dargestellt.

Von Markus Glück. Erstellt am 26. November 2020 (16:31)
Silke Dammerer
Daniela Führer

Es war Mittwochabend als ATV nach der beliebten Kuppelshow "Bauer sucht Frau" unter dem Titel "Was zerstört Österreich" ein neues Sendeformat brachte, welches seither den Bauernstand im Bezirk Melk und in den sozialen Netzwerken in Rage bringt.

Gleich nach der Sendung zeigte sich der Bauernbund fassungslos und sprach auf seiner Facebook-Seite von einem "diffamierenden Beitrag" über die österreichischen Bauernfamilien, der "meilenweit an der Realität in der Landwirtschaft" vorbei gehe. Kritik gibt es auch daran, dass kein einziger Bauernvertreter zu Wort kam. Kritik, die auch der Melker Bauernkammer-Sekretär Martin Auer im Rahmen von Gesprächen mehrmals zu hören bekam. "Da geht es um die Ehre der Bauern, das stößt natürlich sauer auf", meint Auer. 

Hart ins Gericht mit der ATV-Sendung geht auch die Ybbser Bezirksbäuerin Silke Dammerer. Dammerer sorgte bereits im Jahr 2016 als Wut-Bäuerin für Schlagzeilen, als sie die Verwendung von uruguayischem Rindfleisch beim Abschiedsessen der österreichischen Nationalmannschaft am Weg zur Europameisterschaft nach Frankreich. Die Verantwortlichen räumten damals einen Fehler ein. Jetzt attackiert sie ATV für die einseitige Berichterstattung. "Ich glaube, dass eher ATV Österreich mit seiner einseitigen Berichterstattung zerstört. Die Landwirtschaft wird in dieser Reportage, in Zusammenarbeit mit dem Verein gegen Tierfabriken (VGT), auf das Übelste verunglimpft", ärgert sich Dammerer. Die Bezirksbäuerin hat es satt, dass die Bauern stets als Umweltverschmutzer dargestellt werden: "Kein Bauer will einen vergifteten Boden. Wir haben klare und strenge Richtlinien."

 Für Dammerer übernimmt die Landwirtschaft Verantwortung für viele Lebensbereiche der Gesellschaft und sichert Arbeitsplätze. "Natürlich kann der ATV in Zusammenarbeit mit dem VGT und den Handelsketten einen Bauernhof nach dem anderen zum Aufhören in die Knie zwingen, dann importieren wir halt unser Essen aus dem Ausland, Gratulation dann habt ihr Österreich tatsächlich zerstört", meint Dammerer. 

Bei ATV langten bisher zwar keine Beschwerden zur Sendung ein, laut einer Sprecherin wird man sich den Fall aber genauer ansehen.