Gleiß-Buch als E-Book: Ein Leben mit vielen Seiten. Vor über 20 Jahren schrieb Franz Gleiß ein Buch über seinen Großvater. Es hat das Leben des Hürmers auf den Kopf gestellt. Nun brachte er die 149 Seiten als E-Book heraus.

Von Michael Bouda. Erstellt am 10. Februar 2021 (04:25)
Gleiß liest Gleiß. Franz Gleiß, später langjähriger NÖN-Mitarbeiter, bei der Präsentation seines Buchs „Im Sturmwind“ am 30. November 1999 in Sooß. Das E-Book ist frei zugänglich auf foto-gleiss.at.
privat

NÖN: 1999 hast du mit dem Buch „Im Sturmwind“ deinen Großvater Anton Pugl zum 75er überrascht. Warum hast du dich entschieden, es jetzt als E-Book neu aufzulegen?

Franz Gleiß: Der eigentliche Grund war, dass ich die Datei nicht mehr gefunden habe. Ich habe Disketten entdeckt und mir extra ein externes Diskettenlaufwerk gekauft, die Datei aber nicht gefunden. Also habe ich alles eingescannt und die Originalbilder herausgesucht. Und ich liebe die Herausforderung – zuvor hatte ich noch nie ein E-Book gemacht.

„Das Buch hat mein Leben wirklich komplett verändert.“ Franz Gleiß

Was war damals der Beweggrund, die Lebensgeschichte deines Großvaters festzuhalten?

Als meine Kinder auf die Welt gekommen sind, habe ich mir gedacht, dass ich wahrscheinlich die letzte Generation bin, die noch aus erster Hand Erfahrungsberichte von der Kriegszeit, von der landwirtschaftlichen Arbeitsweise mit dem Pferd vor der Elektrifizierung sammeln kann. Ich habe mir gedacht, ich bin das Bindeglied: Ich kann zum Beispiel meinem Sohn, der IT-Techniker ist, erzählen, wie mein Großvater mit dem Pferd gearbeitet hat.

Wie hat das Buch, die Auseinandersetzung mit der Geschichte deines Großvaters, sich auf dein Leben ausgewirkt?

Das Buch hat mein Leben wirklich komplett verändert. Ich bin nach der Matura 15 Jahre Lastwagen gefahren, nach der Veröffentlichung kam der Kontakt zur NÖN zustande. Ich hatte schon immer gern geschrieben, das konnte ich dann aber als Beruf machen. Trotzdem war es so, dass ich bis jetzt immer nur das gearbeitet habe, was mir Spaß macht – ich bin gerne Lastwagen gefahren und jetzt bin ich gerne Fotograf und gestalte gerne Zeitungen wie die Melker Löwenpost.

Das Buch ist nicht nur eine Auseinandersetzung mit dem Leben deines Großvaters, sondern auch eine Erzählung, wie sich das ländliche Leben im 20. Jahrhundert verändert hat. Wie hat sich die Landwirtschaft in den letzten 20 Jahren weiterentwickelt?

Die Geschwindigkeit der Entwicklung hat sich mit der Technisierung potenziert. Heute arbeitet schon niemand mehr so wie in den 80er-Jahren.

Am Ende des Buchs schreibst du über deinen Großvater, dass er, auch mit den Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg, keinen verstehen könne, der rechtsgerichtete Gedanken verherrlicht. Was würde dein Großvater zur heutigen Situation sagen?

Die Geschichte, die man schreibt, ist sehr gefärbt von dem, der sie schreibt. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich mit rechtem Gedankengut nichts anfangen kann, und auch mein Großvater hat das nie befürwortet. Da waren wir auf einer Wellenlänge und ich hätte das nicht so geschrieben, wenn er nicht auch so gedacht hätte. Ich glaube nicht, dass er heute verstehen würde, wie in Amerika von Rechten das Kapitol gestürmt wird.

Hast du vor, ein weiteres Buch zu schreiben?

Ich würde schon gerne wieder eines schreiben, aber da muss mich erst das richtige Thema anhupfen (lacht). Ich weiß auf jeden Fall, dass ich jetzt ein anderes Verständnis davon habe, wie man Geschichten erzählt.