Kilber Maroni in aller Munde. Adventmärkte gibt es keine, die Maroni der Familie Roitner aus Kilb sind dennoch sehr gefragt und bereits ausverkauft. Ein Lokalaugenschein.

Von Michael Bouda. Erstellt am 04. Dezember 2020 (03:05)
Maroni-Familienbetrieb: Christian und Alfred Roitner (hinten, von links) sowie Lukas, Lisa, Anita und Julia Roitner (vorne, von links).
Michael Bouda

Der Duft von Punsch und Glühwein liegt in der Luft, in der Ferne ein Chor mit besinnlichen Weihnachtsliedern und prasselndes Feuer, über dem Christian und Anita Roitner ihre Maroni rösten. So sähe es derzeit aus, wenn die passionierten Maroni-Bauern aus Kilb auf den Adventmärkten des Landes stehen würden – von Grafenegg bis zur Schallaburg. Coronabedingt bleiben die Holzöfen der Roitners heuer kalt – in der Hochsaison für die Edelkastanie. „Es ist extrem – es gibt keinen einzigen Adventmarkt“, erzählt Christian Roitner, wie er und seine Familie mit einer schwierigen Situation konfrontiert waren. Die Maroni waren schließlich bereits geerntet. „Am Anfang hatten wir schon Bauchweh.“

Auf acht Hektarn wachsen in Kilb die Bio-Maroni der Familie Roitner.
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Unverhofft wendete sich das Blatt aber: Zahlreiche Hofläden bestellten Maroni bei den Roitners, ebenso wie Greißlereien und viele Stammkunden. Trotz der abgesagten Adventmärkte boomte das Geschäft. „Wir sind ausverkauft“, lacht Roitner.

Startschuss erfolgte vor 14 Jahren

Warum hat sich der Angestellte in einem Unternehmen überhaupt Maroni verschrieben? „Weil ich sie gerne esse“, schmunzelt Roitner. Vor 14 Jahren begann alles, nachdem die Familie mit der Milchviehwirtschaft aufgehört hatte und eine Alternative suchte. Gedacht waren die Edelkastanienbäume, die übrigens nicht verwandt sind mit der ähnlich aussehenden Rosskastanie, als Hobby und Vorsorge in der Pension. Mit einigen wenigen Sorten begann man, um abzuwarten, wie sie sich auf den ehemaligen Weideflächen in Kilb entwickeln. „Am Anfang sind wir belächelt worden, aber wir haben schnell gemerkt, dass es eine große Nachfrage gibt“, schildert Roitner, wie man den Bestand kontinuierlich erweiterte und in die Produktion investierte.

Mittlerweile sind es über 800 Bäume auf acht Hektar Land, bis zu 20 Hektar sollen es werden. Laut den Roitners ist es nicht nur die einzige Maroni-Plantage im Bezirk, sondern niederösterreichweit. Die Familie musste sich dabei viel Wissen aneignen. „Als wir die ersten Bäume gepflanzt haben, hätten wir nicht geglaubt, was Maroni für eine Wissenschaft sind.“ Das beginnt beim Setzen der Jungbäume, die die Roitners aus der Steiermark beziehen. Es sollte ein eher tiefgründiger Boden sein, ph-neutral oder im leicht sauren Bereich, Staunässe schadet ebenso wie zu starker Frost. Die Löcher zum Einpflanzen bohrte die Familie bis vor Kurzem noch händisch. Dann gilt es, die Bio-Maroni vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen – beispielsweise durch Mulch in Bodennähe, der Pilzbefall vorbeugt.

Maroni-Familienbetrieb: Christian und Alfred Roitner (hinten, von links) sowie Lukas, Lisa, Anita und Julia Roitner (vorne, von links).
Michael Bouda

Ernte als „stachelige Angelegenheit“

Die Blüte ist relativ spät, rund um die Sommersonnenwende am 21. Juni. Händisch erfolgt dann nach wie vor die Ernte Ende September. Es wird gewartet, bis die Stachelhüllen von selbst abgefallen sind, um dann, je nach Ertrag, ein bis drei Früchte herauszuholen. „Da müssen wir teilweise schon Geburtshelfer spielen“, lacht Anita Roitner und spricht von einer „stacheligen Angelegenheit“.

Um die Maroni zumindest bis zum sonst traditionellen Adventgeschäft haltbarzumachen, werden sie eine Woche lang in kaltes Wasser eingelegt, ehe sie getrocknet und gelagert werden. Dabei darf es weder zu feucht (Schimmel) noch zu trocken (Austrocknung) sein. Und die Maroni müssen regelmäßig bewegt werden. „Die Maroni schaut aus wie eine feste Frucht, ist aber wie Gemüse“, erklärt Christian Roitner.

Die Hauptbestimmung der als sehr gesund geltenden Frucht ist dann das Maronigeschäft auf den Adventmärkten oder als Catering bei Firmenfeiern. Daneben haben sich die Kilber aber etliche weitere Verarbeitungsmöglichkeiten einfallen lassen. In Texingtal lassen sie ein eigenes Maronibier brauen, es gibt Maronimarmelade oder Maroni im Speckmantel – auch, um die kleineren Früchte zu nutzen.

Privat kommen die süßen Früchte im Hause Roitner zwei- bis dreimal pro Woche auf die Teller, jeweils bis zu ein Kilo. Und da schmecken die Maroni noch? „Natürlich“, lacht Christian Roitner und Anita fügt hinzu: „Es ist einfach gemütlich, mit der Familie zusammenzusitzen. Und die Kinder sehen auch, dass sie nach dem Klauben und Ernten etwas eigenes Regionales zum Essen haben.“