Neues RZ Pellets-Werk sorgt für Bürgerprotest in Sarling

Erstellt am 18. Jänner 2023 | 02:49
Lesezeit: 4 Min
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Mit Sorge blicken zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner in Sarling auf die Erweiterung des Betriebsgebietes. Sie fürchten um Lebensqualität und Wertverlust ihrer Immobilien.
Foto: Glück
Sarlinger Bevölkerung protestiert gegen Erweiterung des Betriebsgebietes. Stadtchefin will Projekt durchziehen.
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Der geplante Bau einer neue Absackfüllanlage für Pellets sowie eines Lagers der Firma RZ Pellets neben der Firma Mitterbauer im Ybbser Betriebsgebiet sorgt weiter für Streit.

Nach Diskussionen im Gemeinderat, bei der die ÖVP nicht nur einen Fleckerlteppich im Betriebsgebiet, sondern auch eine falsche Kosten-Nutzen-Rechnung für die Gemeinde sieht, melden sich jetzt auch unmittelbare Anrainer aus Sarling bei der NÖN.

Bereits wenige Tage vor dem Beschluss der Flächenumwidmung und des Projektes wurde der Bau den Bewohnern im Sarlinger Feuerwehrhaus vorgestellt. „Dort haben wir das erste Mal erfahren, dass es sich um einen Drei-Schicht-Betrieb handeln soll. Wir alle waren sehr verwundert, dass bei diesem Termin ein fertiges Projekt präsentiert wurde“, ärgert sich Franz Kaltenbrunner bei einem Lokalaugenschein der NÖN mit mehreren Anrainern, die sich um ihre Lebensqualität sorgen. Zudem wurde bereits eine Unterschriftenliste mit knapp 30 Personen gesammelt und an die Gemeinde übergeben.

Da man sich von der Gemeinde allerdings zu wenig ernst genommen fühlte, wagten die Anrainer vergangene Woche den Schritt zur NÖN und damit in die Öffentlichkeit. „Die Kommunalabgaben durch die Bürger müssen der Gemeinde auch was wert sein. Ich verstehe nicht, warum man nicht auf die Bürger hört“, meint Kaltenbrunner.

Besonders ein Dorn im Auge ist den Anrainern dabei ein Versprechen aus dem Jahr 2016. Damals hieß es, dass es östlich des Baches – der unmittelbar an das Betriebsgelände der Firma Mitterbauer grenzt – keine weitere Verbauung geben wird. „Darauf haben sich viele, die danach ihr Haus errichtet haben, verlassen“, betonen die Anrainer, die sich als Sarlinger von der Stadt Ybbs vernachlässigt fühlen. Kaltenbrunner verweist darauf, dass es sich bei der vorgesehenen Verbauung um einen Präzedenzfall handelt: „Es werden weitere Betriebsansiedlungen kommen und sich damit in Richtung Wohnsiedlung ,fressen‘“.

2016 hatte der jetzige Nationalratsabgeordnete Alois Schroll das Bürgermeisteramt inne. „Das war damals im Flächenwidmungsplan genehmigt, da durch den Hochwasserschutz viel an Fläche in der Stadt weggefallen ist. Vorgabe war ein freibleibender Grüngürtel zur Siedlung. In meiner Amtszeit gab es aber keine Anfragen östlich des Baches, daher war es auch kein Thema“, erklärt Schroll.

Seine Nachfolgerin, Bürgermeisterin Ulrike Schachner, betont, dass die neuerlich vorgebrachten Einwände bereits beim Stadtentwicklungskonzept 2017 gutachterlich bewertet und als nicht relevant eingearbeitet wurden. „Wir versuchen als Stadt immer im Interesse aller eine bestmögliche Entwicklung. Das bedeutet auch, dass manchmal Interessen abgewogen werden müssen und nicht alle Wünsche erfüllt werden können“, sagt Schachner. Nach neuerlicher Begutachtung wurde mit RZ Pellets ein „möglichst schonendes“ Betriebsprojekt inklusive Schutzzone entwickelt. „Das haben wir den Anrainern so auch vorgestellt. Es gab und gibt weder aus rechtlicher, noch gutachterlicher Sicht Bedenken hinsichtlich der Flächenwidmungsplanänderung, die somit plangemäß erfolgen wird“, erläutert Schachner.

RZ-Geschäftsführer Otto Zechmeister versucht im NÖN-Gespräch, die Sorge der Bewohner zu zerstreuen. Er versichert, dass es sich um keinen klassischen Drei-Schicht-Betrieb handeln wird. „Wir haben am aktuellen Firmengelände leider keine Chance zu erweitern. Natürlich wird die Absackanlage auch in der Nacht arbeiten. Da sich diese aber in der Halle befindet, werden das die Anrainer nicht merken“, versichert Zechmeister, dem auch bereits eine positive Stellungnahme seitens des Landes NÖ vorliegt. Er rechnet mit einem Baustart im Herbst.

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