Karl Schagerl: Abschied eines Manker Pioniers. Vom Molkereimitarbeiter zum renommierten Instrumentenbauer: Der Manker Karl Schagerl war Vorreiter und tief verwurzelt in der Gemeinde. Er verstarb im 92. Lebensjahr.

Von Michael Bouda. Erstellt am 18. Mai 2021 (11:05)
Karl Schagerl (1929 - 2021) gründete das Musikhaus Schagerl.
privat

Menschen und Musik zusammenbringen – das verstanden wenige so gut wie Karl Schagerl. Vergangene Woche verstarb der Gründer des mittlerweile weltbekannten Unternehmens, das sich dem Entwickeln und Produzieren von Musikinstrumenten verschrieben hat, mit knapp 92 Jahren.

Auch wenn Musik schon seit seiner Kindheit ein wichtiger Bestandteil seines Lebens war und er früh den Wunsch hegte, Instrumentenmacher zu werden, musste er aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit zunächst einen anderen Weg einschlagen. Er erlernte das Wagnergewerbe, 1953 begann er in der Molkerei zu arbeiten.

„Im Angesicht der großartigen Lebensleistung war wahrscheinlich die Bescheidenheit seine größte Stärke.“ Karl Schagerl Junior

1961 folgte dann der erste Schritt des passionierten Musikers in Richtung seines Traumberufs: Er löste den Gewerbeschein für den Handel mit Musikinstrumenten und mit dem wachsenden Kundenkreis aus vielen befreundeten und bekannten Musikern fielen auch immer mehr Reparaturen an. Reparaturen, für die sich Schagerl viel Wissen aneignete und die er selbst durchführte – bald in Hörsdorf 7.

1972 beendete er sein Arbeitsverhältnis in der Molkerei, um sich nur noch seiner Leidenschaft zu widmen. „Zwei Berufe gleichzeitig waren nicht mehr zu bewältigen“, erinnerte sich Schagerl in einer Niederschrift. Er baute den Handel nach dem Umzug nach Hörsdorf 22 aus, erweiterte das Sortiment um viele Instrumentengruppen, bis schließlich die Fertigung der Instrumente selbst begann, die das Unternehmen mittlerweile für Musiker in aller Welt produziert – vom gebürtigen Kirnberger Hans Gansch bis zum Australier James Morrison. 1989 übernahm Sohn Karl Schagerl Junior das Unternehmen, das im Jahr 2000 den aktuellen Standort in Hörsdorf bezog.

Zwischenzeitlich war Schagerl nicht mehr aus der Musikgemeinschaft der Region wegzudenken: von seinem Engagement bei den „Tönenden Sieben“ über seine Tätigkeit als Kapellmeister und Musiklehrer bis zum Chorleiter. „Jeder, der ihn kannte, weiß, dass er ständig mit neuen Ideen und Aufgaben beschäftigt war“, spricht Sohn Karl Schagerl Junior die ständige Begeisterung für Fortschritt an – ob technischer oder musikalischer Natur. Schagerl hinterlässt seine Ehefrau Josefa, sechs Kinder und sieben Enkelkinder. „Du hast uns deine Liebe zur Musik und zu den Menschen weitergegeben. Dafür werden wir dir immer dankbar sein“, sagt Karl Schagerl Junior.