20 Jahre Euro: Von wegen Teuro

Erstellt am 19. Januar 2022 | 03:01
Lesezeit: 4 Min
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Helga Sdraule von der Melker Schmankerlfleischerei erinnert sich an den Währungswechsel vor 20 Jahren.
Foto: privat
2002 wurde der Euro in Österreich eingeführt. Haben sich die Erwartungen – oder die Sorgen – bestätigt? Die NÖN blickt gemeinsam mit Banken und Betrieben aus dem Bezirk Melk zurück.
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Seit Jänner 2002 befindet sich der Euro nun schon in den Brieftaschen. Der Währungswechsel vor 20 Jahren wurde damals von den einen herbeigesehnt, von den anderen gefürchtet.

„Am Wiener Westbahnhof, aber auch an anderen Standorten, gab es einen regelrechten Ansturm, als die Sparkassen die ersten Euro-Starterpakete ausgegeben haben“, erinnert sich Helge Haslinger, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Niederösterreich Mitte West, zurück. Die Sparkassen hätten sich für die Gemeinschaftswährung eingesetzt und ihre Kunden frühzeitig auf den Währungswechsel vorbereitet, aber „es war eines der größten Projekte in unserer mehr als 200-jährigen Geschichte“, weiß er.

Der Euro habe Europa zusammenrücken lassen, es gab aber auch einige Sorgen. „Anfangs wurde befürchtet, dass der Euro zum Teuro wird“, erzählt Haslinger. Diese Befürchtungen haben sich aber nie bestätigt und Österreich habe durch den vergrößerten Binnenmarkt von der Umstellung profitiert.

Die Vorteile der Gemeinschaftswährung waren für Vorstandsdirektor der Volksbank Rainer Kuhnle indes vor allem in der Finanzkrise ersichtlich: „Ohne Euro wäre es hier zu noch dramatischeren Entwicklungen gekommen.“ Er hatte damals keine großen Befürchtungen, denn der Euro sei als Buchgeld bereits im Einsatz gewesen und habe sehr gut funktioniert. Er habe „Stabilität und niedrige Inflationsraten“ gesichert und diente als „Zeichen der Gemeinschaft und zur Identitätsstiftung“.  Die Umstellung änderte auch die Arbeit im Bankensektor.

Der Euro sei laut Haslinger „ein Motor der Integration“ gewesen und habe grenzüberschreitende Vergleiche ermöglicht. Aber auch heute gibt es noch immer Baustellen. Um den Euro stabil zu halten, gelte es vor allem, die „Maastricht Kriterien zukunftsfit zu machen“, erklärt er. Für die Zukunft sehen Haslinger und Kuhnle im digitalen Euro einige Möglichkeiten, das System zu ergänzen.

Melker Betriebe machten positive Erfahrungen

„Der Euro ist für mich die Manifestation des europäischen Friedensprozesses“, ist Leopold Grubhofer, Direktor der Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel, überzeugt. Auch Grubhofer sieht den Euro als Gewinn und Erfolgsgeschichte: „Ohne Euro wäre die Zusammenarbeit der europäischen Wirtschaftsmärkte nicht das, was sie heute ist.“ Auch das Argument vom „Teuro“ kann Grubhofer widerlegen: Ganz im Gegenteil: „Der Euro ist entgegen der Ansicht vieler kein Preistreiber, das lässt sich belegen. Viele Dinge sind heute sogar billiger als vor der Euro-Einführung, etwa Elektrogeräte.“

Mit dem Euro, ist der Raiffeisenbank-Direktor sicher, geht Österreich in eine wirtschaftlich stabile Zukunft: „In einer Zeit, in der Globalität immer größere Bedeutung gewinnt, ist eine Zusammenarbeit der Wirtschaftsmärkte extrem wichtig.“

Der Währungswechsel war indes auch für die Betriebe der Region eine Umstellung. Seniorchefin Helga Sdraule der Schmankerlfleischerei Sdraule in Melk kann sich noch genau an die Änderungen erinnern: „Für uns war der Wechsel wenig problematisch. Ich habe schon vorher das Kassensystem umgestellt.“ Außerdem habe sich Sdraule keine Preise mehr merken müssen: „Bei uns hat jeder Artikel eine Nummer, also habe ich mir nur diese gemerkt.“

Die Schwierigkeit bestand laut ihr eher darin, sich unter den Preisen etwas vorstellen zu können: „Viele Menschen haben lange in Schilling gedacht“, meint sie. Es sei eine herausfordernde, aber keine schwierige Zeit gewesen: „Es war planbar, in der heutigen Zeit weiß man nicht, wie es weitergeht“, betont sie.

Der Währungswechsel im Café Maria Theresia in Maria Taferl war vor allem von Neugierde geprägt. Chef Gerald Braun war damals 20 Jahre alt und dem Euro gegenüber positiv eingestellt: „Für mich war es eher eine Freude, mit dem neuen Geld zu zahlen.“ Auch die Kundschaft war neugierig und wollte das umgetauschte Geld nutzen. „Das einzig schwierige war für mich die Werteinschätzung“, erinnert sich Braun.

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