20 Jahre Jahrhundert-Flut: Als die Donau das Land verschlang

Erstellt am 17. August 2022 | 04:27
Lesezeit: 4 Min
Flutkatastrophe 2002 jährt sich zum 20. Mal. Ein Blick in die Vergangenheit.
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Auf Regen und Flut folgten Schlamm, Schweiß und Tränen: Tagelange Regenschauer in ganz Mitteleuropa führten vor 20 Jahren zur Jahrhundertflut 2002. Gespannt beobachtete man in den Donaugemeinden im Bezirk Melk die Situation im benachbarten Deutschland, später die Pegelstände in Oberösterreich. Befürchtungen wurden am 13. August 2002 traurige Gewissheit: Die Donau verschlang auch den Bezirk.

Die Stadtgemeinde Ybbs war mit einem Pegelhöchststand von 9,7 Metern und einem Gesamtschaden von knapp 40 Millionen Euro eine der am stärksten betroffenen Gebiete. Anton Sirlinger war damals SPÖ-Bürgermeister der Stadt und einer der ersten, der von den erschreckenden Vorhersagen erfuhr. „Da wird einem natürlich heiß und kalt, weil man weiß, was das bedeutet“, erinnert er sich zurück. Bereits nach den ersten Anzeichen wurde ein Krisenstab eingerichtet sowie die Feuerwehren und das Rote Kreuz alarmiert. Dann gingen die ersten Warnungen an die Bevölkerung.

„Da gab es auch noch viele Ungläubige, die dachten, es wird schon nicht so schlimm“, schildert Sirlinger. Doch die Niederschläge trotzten diesem Optimismus. Die Stadt wurde überspült, das Straßensystem funktionierte nicht mehr. „Die Versorgung der Bevölkerung entwickelte sich zu einer Atmosphäre wie in Venedig“, vergleicht er die „schwimmende Stadt“ mit Ybbs, wo man in diesen schweren Stunden fast nur mehr mit Zillen verkehrte. Sirlinger erinnert sich noch heute an die harte Arbeit der Einsatzkräfte, die nicht selten an ihre Grenzen stießen: „Die mussten mehr oder minder im Stehen schlafen.“ Der heutige Flutschutz ersparte Ybbs 2013 ein neuerliches Hochwasser.

„Wir waren von jeglicher Zufahrt abgeschottet“

An der gegenüberliegenden Donauseite war das Ausmaß der Jahrhundertflut nicht weniger verheerend. Der ehemalige SPÖ-Bürgermeister von Marbach, Anton Gruber, war damals Rettungssanitäter sowie Gemeinderat für den Bereich Zivilschutz. Während des Hochwassers 2002 übernahm er den Rettungsdienst: „Wir haben damals eine Rettungsstelle eingerichtet und einen Rettungswagen stationiert. Wir waren ja von jeglicher Zufahrt abgeschottet.“ Unterstützt wurde er von der Ärztin Elisabeth Hössl, die damals noch nicht lange in der Gemeinde tätig war.„Sie hat die Praxis übernommen und dann ist das Wasser gekommen. Sie kam mitten in das Drama“, erzählt Gruber. Gemeinsam mit ihr übernahm er die Gesundheitsversorgung, den Einsatz der Ärztin lobt er noch heute: „Sie hat sich extra in Maria Taferl ein Zimmer genommen, um zu den Leuten zu kommen.“

 Das war eine Dimension, die alles bisher Bekannte überschritten hat Anton Sirlinger ehm. Bürgermeister von Ybbs

 Viele Menschen stürzte die Flut in ein psychisches Tief und die Ölverseuchung zerrissener Ölkessel roch man noch jahrelang, beschreibt Gruber die Folgen. Aber nur knapp zehn Jahre danach herrschte in Marbach 2013 wieder „Land unter“. „Man musste die Leute überzeugen, dass sie in der Gemeinde bleiben“, erklärt er. Erlösung brachte erst der Spatenstich des Hochwasserschutzes.

 Besonders die Einsatzkräfte arbeiteten Tag und Nacht für den Schutz der Bevölkerung. Josef Göls war damals Bezirksfeuerwehrkommandant und weniger als ein Jahr im Amt, als die Flut kam. „Es war buchstäblich ein Sprung ins kalte Wasser“, erzählt er. Göls erinnert sich vor allem an die schwierige Situation rund um Unternehmen: „In Weiten mussten wir dem Transportunternehmen Bleicher helfen – und in Ybbs lief die Firma Stora Enso Gefahr, das Unmengen an Holzgut abdriften.“ Auch die zahlreichen Schaulustigen kann Göls bis heute nicht verstehen.

Nachdem die Aufräumarbeiten im eigenen Heimatbezirk abgeschlossen waren, bündelten die Feuerwehren nochmals ihre Kräfte für die Unterstützungseinsätze in Zwettl.

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