3D-Schutzwege: Mehr Sicherheit oder Gefahrenquelle?. Laut Statistik ereignen sich 28 Prozent der Fußgängerunfälle am Schutzweg. Pilotprojekte testen derzeit 3D-Zebrastreifen. Unsinn oder gute Idee – die NÖN fragte nach.

Von Claudia Christ. Erstellt am 12. Dezember 2017 (04:50)
apa /FOTOKERSCHI.AT
Noch Zukunftsmusik im Bezirk Melk: Der 3D-Zebra- streifen befindet sich derzeit in Linz (OÖ) in der Testphase.

Wer kennt die Situation als Autofahrer nicht: Es ist dunkel und plötzlich taucht am Rande des Schutzweges ein Fußgänger aus dem Nichts auf.

Dass solche Geschehnisse oftmals zu Unfällen führen, ist auch laut Statistik Austria belegt. Demnach machen Schutzwegunfälle rund 28 Prozent aller Fußgängerunfälle aus. In den Monaten Oktober bis Jänner steigt die Anzahl der Unfälle nochmals überdurchschnittlich an.

Optische Täuschung soll Unfallrisiko senken

Pilotprojekte wie jene in Linz lassen aufhorchen. Dort wurden anstelle der üblichen weißen Bodenmarkierungen 3D-Modelle auf die Straße gemalt. So entsteht bei Autofahrern, die auf diese Zebrastreifen zufahren, der Eindruck, dass sie auf riesige Blöcke zusteuern. Die optische Täuschung soll das Unfallrisiko deutlich senken.

Herbert Oberklammer vom Bezirkspolizeikommando Melk dazu: „Grundsätzlich ist alles, was zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr beiträgt, positiv. Wir von der Exekutive würden uns den Ausbau von LED-Beleuchtung bei Zebrastreifen wünschen.“ Vor allem die Fußgänger selbst könnten mit heller Kleidung und Rückstrahlern aktiv zur Unfallvermeidung – besonders in der „dunklen“ Jahreszeit – beitragen.

3D-Schutzwege als neue Gefahrenquelle

Der ÖAMTC sieht den „3D-Trend“ eher kritisch. „Ein Ausufern unterschiedlicher Schutzwegausstattungen sollte beendet werden. Die aktuellen 3D-Schutzwege sind eher als eine Art Marketing-Gag anzusehen“, meint David Nosé von der ÖAMTC Verkehrstechnik- und Unfallforschung. Lenker, die sich erstmals solchen Schutzwegen annähern, könnten laut dem Experten erschrecken, abrupt abbremsen und damit die Gefahr von Auffahrunfällen erhöhen.

Viel wichtiger wäre, die Kriterien wie eine ausreichende Erkennbarkeit und entsprechende Beleuchtung einzuhalten. „Um Geschwindigkeiten zu senken, eignen sich auch Fahrbahnanhebungen, Einengungen oder Ähnliches“, sagt der Experte.

Melks Vizebürgermeister Wolfgang Kaufmann könnte sich den 3D-Zebrastreifen auch in der Bezirkshauptstadt sehr gut vorstellen. „Ich denke konkret an den Bereich rund um die Schule. Da müssen wir sowieso nach Fertigstellung des Wohnhauses eine neue verkehrstechnische Lösung überdenken“, sagt Kaufmann.

Voraussetzung dafür sei natürlich die Genehmigung der Bezirkshauptmannschaft. Dem stimmt auch der zuständige VP-Gemeinderat in Pöchlarn Günter Lameraner zu: „Verbesserungen kann ich immer etwas abgewinnen.“

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