Akuter Mangel an Pflege-Personal. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 09. Juli 2019 (04:07)
Shutterstock/Alexander Raths

Die Gruppe der älteren und pflegebedürftigen Menschen nimmt zu. Der Bedarf an Einrichtungen und Fachpersonal wird unweigerlich ansteigen. Doch wie sieht der Ist-Zustand aus? Gibt es genügend Pflegekräfte? Und wie stark ist der Andrang auf Heimplätze nach dem Pflege-Regress? Vor welchen Problemen stehen die sozialen Einrichtungen?

Im Pflege- und Betreuungszentrum Mank spürt Direktor Gerhard Dittinger den Anstieg an pflegebedürftigen Menschen deutlich. Sowie den damit einhergehenden Mangel an Fachpersonal. „Es gibt deutlich weniger Bewerbungen, was zur Zeit auch damit zu tun hat, dass 2001 das geburtenschwächste Jahr gewesen ist. Der Wunsch, einen Pflegeberuf zu ergreifen, ist zurückgegangen und bedarf daher einer großen Offensive“, meint Dittinger. Laut ihm ist es enorm wichtig, den Pflegeberuf und die Betreuung unserer Mitmenschen stets in ein positives Licht zu stellen.

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

„Unsere Mitarbeiter leisten eine großartige und wichtige Leistung für die Gesellschaft“, ist der Direktor stolz auf sein Team. Dittinger fände es in Zukunft wichtig, dass der Ausbau des „Betreuten Wohnen“ an Standorten mit einem Pflegeheim forciert wird. Hier gibt es sehr viele Synergien zu nutzen – wie auch das Beispiel in Mank zeigt – und mit diesem „Betreuten Wohnen“ wird ein zusätzlicher Fixpunkt (neben der Pflege zu Hause, Hauskrankenpflege und stationärer Pflege) im Bereich der Pflege und Betreuung gesetzt.

„Viele Menschen finden hier einen Platz, noch außerhalb eines Pflegeheimes und doch nicht alleine, weil mit Unterstützung des Betreuungszentrums größtmögliche Sicherheit rund um die Uhr geboten werden kann“, weiß der Leiter.

Diese Kombination hält auch Josef Schachinger, Direktor des Heims in Melk, für sinnvoll. Den Personalmangel spürt er ebenfalls. „Durch die anhaltend gute Konjunktur und die Umstellung in den Ausbildungen für Pflegeberufe ist es mancherorts schwierig, ausreichend Personal zu finden. Speziell im Osten sind vermehrt Pflegekräften aus den angrenzenden EU-Staaten beschäftigt“, betont Schachinger.

Den Pflegeberuf wieder interessant machen

Da das Pflege- und Betreuungszentrum Melk als Praktikumsstelle sehr beliebt ist, wird über diese Schiene der Bedarf noch abgedeckt. „Des Weiteren beschäftigen wir in den Sommermonaten Ferialarbeitnehmer, um auf diese Weise Interesse für Pflegeberufe zu wecken“, erklärt der Direktor. Der Pflege-Regress hatte auch Auswirkungen auf Melk. „Die Nachfrage danach ist deutlich gestiegen“, gibt Schachinger an.

Dem Problem kann die Leiterin von SeneCura Pöchlarn Ulrike Blum nur zustimmen. „Unser Haus war auch vorher schon voll. Doch die Anmeldungen sind enorm angestiegen. Folglich gibt es eine Warteliste“, erklärt Blum. Als große Herausforderung für die Zukunft sieht sie den Mangel an Fachkräften. „Daher versuchen wir, uns unser Personal selber auszubilden“, betont sie. Für die Zukunft wünscht sich Blum, dass die Ausbildung zur Pflegekraft schmackhafter gemacht wird. Die bürokratischen Hürden sollten überdacht werden. Wichtig wäre es auch für sie, dass die Angehörigen besser unterstützt werden. „Ein geschultes Personal sollte die Verwandten – wenn sie ihre Lieben zu Hause pflegen – vor Ort unterstützen, wichtige Fragen beantworten und Arbeitsschritte erklären“, fordert Blum.

Auch dem Hilfswerk – größter Anbieter mobiler Pflege in Niederösterreich – ist bewusst, dass etwas verändert werden muss, um den ansteigenden Bedarf abdecken zu können. „2050 werden wir dreieinhalbmal so viel Pflegepersonal brauchen wie jetzt. Es sind dringend Maßnahmen nötig“, prophezeit Michaela Hinterholzer, die Präsidentin von Hilfswerk Niederösterreich. Im Bezirk wird daher laufend nach Verstärkung gesucht. Derzeit sind zehn Stellen offen. Gregor Tomschizek, Geschäftsführer Volkshilfe NÖ, sieht noch ein weiteres Problem: „Die Single-Haushalte steigen an und die Pflege durch Angehörige geht somit zurück.“ Die Volkshilfe will die Rahmenbedingungen für Bewerber attraktiv halten.

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